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Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2017

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Die Gründe für eine in Teilzeit ausgeübte Haupterwerbstätigkeit unterscheiden sich in Deutschland im Jahr 2017 grundlegend für Frauen und Männer:

  • Mit familiären Verpflichtungen (z. B. Betreuung von Kindern oder Pflege von Angehörigen) begründet rund jede zweite Frau ihre Teilzeitarbeit, aber nur jeder neunte Mann.
  • Männer in Teilzeit geben hingegen sehr viel häufiger an, dass sie keine Vollzeittätigkeit finden konnten (20 Prozent). Dies ist nur für jede zehnte Frau ausschlaggebender Grund für die eigene Teilzeitbeschäftigung.
  • Wegen einer Aus- oder Fortbildung ist ein Fünftel der Männer (21 Prozent), aber nur rund 4 Prozent der Frauen teilzeitbeschäftigt.
  • Eine Krankheit oder Unfallfolge ist nur für eine Minderheit der Frauen (3 Prozent) sowie eine kleine Gruppe der Männer (9 Prozent) Hauptgrund für die Teilzeittätigkeit.
  • Deutlich mehr als ein Drittel der Männer (40 Prozent) sowie ein Drittel der Frauen (34 Prozent) geben an, dass sie aus anderen Gründen Teilzeit arbeiten. (Diesen anderen Gründen können auch genuin berufliche Ursachen zugrunde liegen, z. B. eine vorübergehende oder betriebsbedingte Reduktion der Arbeitszeit, eine zweite Erwerbstätigkeit, die nebenbei in geringerem Umfang ausgeübt wird, wie etwa eine nebenberufliche Selbstständigkeit.)

Neben dem Geschlecht haben auch (eigene) minderjährige Kinder einen starken Einfluss darauf, warum Beschäftigte in Teilzeit – und nicht in Vollzeit – tätig sind. Mütter verweisen viel häufiger als alle anderen Gruppen auf ihre familiären Verpflichtungen, um die eigene Teilzeiterwerbstätigkeit zu erklären:

  • Mehr als drei Viertel der Mütter begründen ihre Teilzeitbeschäftigung mit Aufgaben in der familiären Betreuung. Dies gilt nur für jede vierte Frau ohne (minderjähriges) Kind im eigenen Haushalt.
  • Frauen ohne Kind/er arbeiten zudem deshalb Teilzeit, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden können (17 Prozent), weil sei eine Aus- oder Fortbildung machen (8 Prozent), als Folge einer Krankheit oder eines Unfalls (4 Prozent) oder aus anderen Gründen (46 Prozent).

Neben dem Geschlecht erweisen sich auch (eigene) minderjährige Kinder als Einflussfaktor, warum Beschäftigte in Teilzeit und nicht in Vollzeit tätig sind. Mütter verweisen viel häufiger als alle anderen Gruppen auf ihre familiären Verpflichtungen, um die eigene Teilzeiterwerbstätigkeit zu erklären:

  • Mehr als drei Viertel der Mütter (78 Prozent) begründen ihre Teilzeitbeschäftigung mit Aufgaben in der familiären Betreuung. Dies gilt nur für jede vierte Frau (24 Prozent) ohne (minderjähriges) Kind im eigenen Haushalt.
  • Frauen ohne Kind/er arbeiten darüber hinaus auch häufiger deshalb Teilzeit, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden können (14 Prozent), weil sei eine Aus- oder Fortbildung machen (8 Prozent), als Folge einer Krankheit oder eines Unfalls (5 Prozent) bzw. aus anderen Gründen (50 Prozent).

Auch Männer begründen ihre Teilzeittätigkeit unterschiedlich, je nachdem ob sie mit Kindern (unter 18 Jahren) zusammenleben oder nicht:

  • Ein Viertel der Väter (25 Prozent) und knapp ein Fünftel der Männer ohne Kinder (18 Prozent) arbeiten in Teilzeit, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden konnten.
    Bei den Vätern spielen familiäre Betreuungsaufgaben ebenfalls eine wichtigere Rolle: Etwa jeder dritte teilzeitbeschäftigte Vater (31 Prozent) führt die reduzierte Arbeitszeit auf Betreuungs- oder Pflegeaufgaben zurück. Dies gilt nur für rund jeden achtzehnten Mann ohne Kind/er (6 Prozent)
    Für Männer ohne Kind/er ergibt sich die Teilzeit hingegen sehr viel häufiger aus einer Aus- oder Weiterbildung (25 Prozent) oder eigener Krankheit (9 Prozent) bzw. aus anderen Gründen (41 Prozent).

Der Blick auf die in West- und Ostdeutschland genannten Begründungen offenbart zudem regionale Unterschiede:

  • Für Frauen aus Westdeutschland sind Aufgaben in der familiären Betreuung oder Pflege der absolut vorrangige Grund für Erwerbstätigkeit in Teilzeit (52 Prozent). Frauen aus Ostdeutschland nennen diesen Grund deutlich seltener (31 Prozent).
  • Jede vierte ostdeutsche Frau (24 Prozent) gibt an, in Teilzeit tätig zu sein, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden kann. Von den Frauen aus Westdeutschland nennt nur jede Vierzehnte (7 Prozent) dies als Grund.
  • In Ostdeutschland begründet darüber hinaus ein Drittel der Väter die eigene Teilzeittätigkeit damit, keine Vollzeitstelle finden zu können. In Westdeutschland trifft dies nur etwa auf ein Fünftel der Väter zu.
  • Westdeutsche Väter arbeiten häufiger Teilzeit, um familiären Betreuungsaufgaben wahrzunehmen (33 Prozent) als Väter in Ostdeutschland (24 Prozent).

Fazit: Bei Frauen führen verstärkt familiale Gründe zur Teilzeitarbeit, bei Männern resultiert die Teilzeit häufiger aus dem Mangel an einer Vollzeitarbeit oder es handelt sich um Teilzeit auf Grund von Aus- und Fortbildung. Zudem stellt Teilzeitarbeit für Frauen ins Westdeutschland (insbesondere, wenn Kinder vorhanden sind) häufiger eine Dauerlösung im Erwerbsverlauf dar, während Frauen in Ostdeutschland Teilzeit eher als temporäre Arbeitszeitform (oft zwischen Vollzeitphasen) ausüben.(1) Insgesamt kann gelten, dass ein beachtlicher Teil der in Deutschland geleisteten Teilzeitarbeit unfreiwillig und Ausdruck von Unterbeschäftigung ist.(2) Trotz der Ansprüche nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz sind die Möglichkeiten zur Anpassung der Arbeitszeit im Lebensverlauf im Deutschland noch begrenzt.(3)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Linda Hentschel

 

Literatur

BMFSFJ (2013): Neue Wege – Gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf. Erster Gleichstellungsbericht, 4. Auflage, Berlin, www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/erster-gleichstellungsbericht--neue-we- ge---gleiche-chancen/80428, letzter Zugriff: 28.08.2018.

Keller, Matthias und Thomas Haustein (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013, Seiten 733-753 in: Wirtschaft und Statistik 2014, Heft 12, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Bevoelkerung/Verein- barkeitFamilieBeruf_122014.pdf? blob=publicationFile, letzter Zugriff: 28.08.2018.

Klenner, Christina / Schmidt, Tanja (2010). Teilzeitarbeit im Lebensverlauf von abhän- gig beschäftigten Frauen. In: Klammer, Ute / Motz, Markus, Neue Wege – Gleiche Chancen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 253-311.

Statistisches Bundesamt (2017): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/ ErwerbsbeteiligungBevoelkung2010410167004.pdf? blob=publicationFile,
letzter Zugriff: 28.08.2018.

 



1) Vgl. BMFSFJ (2013): Neue Wege – Gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf. Erster Gleichstellungsbericht, 4. Auflage, Berlin, S. 115.
2) Vgl. Klenner, Christina/Schmidt, Tanja (2010). Teilzeitarbeit im Lebensverlauf von abhängig beschäftigten Frauen. In: Klammer, Ute / Motz, Markus, Neue Wege – Gleiche Chancen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
3) Vgl. BMFSFJ (2013): Neue Wege – Gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf. Erster Gleichstellungsbericht, 4. Auflage, Berlin, S. 116

 

 

 

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

 

 

Methodische Anmerkungen

 

Grundlage der Analysen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Mikrozensuserhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent- Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Grundgesamtheit ist dabei die Wohnbevölkerung in Deutschland, sodass Personen ohne festen Wohnsitz nicht in die Erhebung eingehen. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.(1)

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1

Teilzeittätige
Im Mikrozensus wird Teilzeitarbeit über die Selbsteinstufung der Befragten erfasst. Dies gilt auch für die vorliegenden Befunde: Als Teilzeittätige werden hier alle aktiv Erwerbstätigen gewertet, die sich selbst als solche einstufen.(1)

Aktiv Erwerbstätige
Als aktiv Erwerbstätige gelten Personen, die in der Berichtswoche, also in der Woche vor der Befragung, mindestens eine Stunde gearbeitet haben. Nicht zu den aktiv Erwerbstätigen zählen die vorübergehend Beurlaubten, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben.(2)

Vorübergehend Beurlaubte
„Zu den vorübergehend Beurlaubten gehören alle Erwerbstätigen, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben [unter anderem wegen Mutterschutz, Elternzeit, Krankheit, Kur, (Sonder-)Urlaub, Altersteilzeit, Dienstbefreiung, Streik, Schlechtwetterlage oder Kurzarbeit].“(3) Zudem dürfen die vorübergehend Beurlaubten nur weniger als drei Monate vom Arbeitsplatz abwesend sein, z. B. wegen Mutterschutz.

Elternschaft (Mütter, Väter)
Personen mit Kind(ern) (d. h. Mütter, Väter, Eltern) sind volljährige Personen, die mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt leben. Das heißt allerdings auch: Personen, deren Kinder älter als 18 Jahre sind und/oder nicht mehr im selben Haushalt leben, werden nicht als Eltern (Mütter/Väter) definiert. Bei den Kindern ist es unerheblich, ob es sich um leibliche, adoptierte Kinder oder um Stiefkinder handelt.(4)

 


(1) Vgl. Keller, Matthias und Thomas Haustein (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013, Seiten 733-753 in: Wirtschaft und Statistik 2014, Heft 12.
(2) a. a. O.
(3) a.a.O., hier Seite 734 f.
(4) a. a. O.

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