Arbeitsbedingungen und Belastungen objektiv

Wochenendarbeit von abhängig Beschäftigten 1996–2016

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Abhängig beschäftigte Frauen leisten in Deutschland häufiger regelmäßige Samstagsarbeit als Männer: Mehr als ein Viertel aller abhängig beschäftigten Frauen arbeitet 2016 regelmäßig an Samstagen, im Vergleich zu einem guten Fünftel der Männer. An Samstagen wird damit insgesamt häufiger gearbeitet als an Sonn- und Feiertagen – wobei Frauen auch bei der Sonn- und Feiertagsarbeit vorne liegen: An diesen
durch das Arbeitszeitgesetz besonders geschützten Tagen arbeiten 14 Prozent der abhängig beschäftigten Männer, aber 16 Prozent der Frauen regelmäßig (2016).

Innerhalb des Beobachtungszeitraums hat die regelmäßige Beschäftigung an Samstagen für Frauen wie auch für Männer insgesamt deutlich zugenommen: Bei Frauen ist der Anteil zwischen 1996 und 2016 um 4 Prozentpunkte angestiegen, bei Männern um 5 Prozentpunkte. Auch die regelmäßige Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen hat innerhalb des Betrachtungszeitraums deutlich an Bedeutung gewonnen: Unter den Frauen ist der Anteil um 5 Prozentpunkte, unter den Männern um 4 Prozentpunkte angestiegen. Als mögliche Gründe für die Zunahme der Erwerbsarbeit an Wochenenden und Feiertagen können angenommen werden: die sukzessive Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, die eine Ausweitung der Wochenendarbeit in angrenzenden Dienstleistungsbereichen nach sich gezogen hat, sowie der gestiegene Bedarf im Bereich von Altenpflege und -versorgung.

Der geschlechtsspezifische Abstand bei der Samstagsarbeit ist in den letzten zwanzig Jahren weitgehend gleich geblieben. Er beträgt im Jahr 2016 4 Prozentpunkte. Der geschlechtsspezifische Abstand bei der regelmäßigen Arbeit an Sonn- und Feiertagen fällt im Vergleich dazu zwar deutlich geringer aus, hat aber über den gesamten Beobachtungszeitraum leicht zugenommen: Im Jahr 2016 beträgt er einen Prozentpunkt.

In West- und Ostdeutschland zeigen sich ähnliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Beschäftigung an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen. Insgesamt sind in Ostdeutschland etwas mehr abhängig Beschäftigte regelmäßig am Wochenende tätig als in Westdeutschland. Zudem hat der Anteil der abhängig Beschäftigten mit Samstagsarbeit in Ostdeutschland stärker zugenommen als in Westdeutschland.

Häufig wird davon ausgegangen, dass Wochenendarbeit ungünstige Effekte auf die Zufriedenheit von Erwerbstätigen hat. Und tatsächlich bestätigt eine Untersuchung auf Basis repräsentativer Längsschnittdaten (des Sozio-ökonomischen Panels), dass „Personen, die am Wochenende arbeiten, im Durchschnitt eine geringere Gesundheits-, Familien- und Schlafzufriedenheit haben und auch mit ihrem Leben insgesamt unzufriedener sind“ als Personen, die ausschließlich werktags arbeiten.(1) Allerdings scheint die geringere Zufriedenheit der am Wochenende Arbeitenden nicht allein auf die Lage ihrer Arbeit zurückzuführen sein, sondern durch weitere Faktoren beeinflusst zu sein (z. B. den besonderen Anforderungen von Tätigkeiten, die an Samstagen oder Sonntagen ausgeübt werden). In der Untersuchung konnte nur ein kausaler Zusammenhang zwischen Sonntagsarbeit und der Arbeitszufriedenheit bestätigt werden: Die Arbeitszufriedenheit sinkt bei Personen, die zunächst nicht an Wochenenden arbeiten, wenn sie ihre Arbeitstage auch auf Sonntage ausweiten.(2)

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Sandra Horvath



Literatur

Metzing, Maria / Richter, David (2015): Macht Wochenendarbeit unzufrieden? In: DIW Wochenbericht Nr. 50/2015, Seite 1183-1188,
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.522128.de/15-50-1.pdf, letzter Zugriff: 21.03.2018.

Statistisches Bundesamt (2018): Abend- und Nachtarbeit. In: STATmagazin, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/Arbeitsmarkt/2010_04/Nachtarbeit.html, letzter Zugriff: 21.03.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1., https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/ErwerbsbeteiligungBevoelkung2010410167004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 21.03.2018.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/DE/Methoden/Methodenpapiere/Download/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 21.03.2018.

Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2006. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland, Band 1 (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00004046/2010412067004.pdf, letzter Zugriff: 21.03.2018.

Statistisches Bundesamt (1997): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1996. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden.



(1) Metzing, Maria / Richter, David (2015): Macht Wochenendarbeit unzufrieden? In: DIW Wochenbericht Nr. 50/2015, Seite 1183.

(2) a. a. O., Seite 1187.

 

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

Methodische Anmerkungen

Grundlage der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus vom Statistischen Bundesamt. Der Mikrozensus ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Er wird auf der Basis einer 1-Prozent- Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus erhebt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.(1) Die für die vorliegenden Zeitreihen verwendeten Ergebnisse wurden in der Fachserie 1, Reihe 4.1.2, bzw. seit 2016 aus der Fachserie 1, Reihe 4.1 veröffentlicht.

Bis einschließlich 2004 bezogen sich die Angaben innerhalb des Mikrozensus auf eine feste Berichtswoche für alle Befragten, die zumeist im April eines Jahres lag. Seit 2005 erfolgt die Erhebung nach dem Prinzip der Unterjährigkeit, d. h. die Befragung wird über alle Wochen des Jahres verteilt, und damit variiert auch die Berichtswoche, die sich (zumeist) auf die Woche vor der Befragung bezieht. Damit können methodisch bedingte Veränderungen der Werte einhergehen und die Angaben sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.(2) Vermutlich ist der sprunghafte Anstieg der Anteile von Samstags-, Sonn- und Feiertagsarbeit unter abhängig beschäftigten Frauen und Männer zwischen 2004 und 2005 auf diese Umstellung des Erhebungskonzepts zurückzuführen.

Ab 2005 werden Berlin (West) und Berlin (Ost) zusammen als ein Gebiet erfasst und – statt wie bis 2004 nur Berlin (Ost) – insgesamt den neuen Bundesländern zugerechnet. Dadurch sind die nach Ost und West differenzierten Daten vor und nach dieser Umstellung ebenfalls nur bedingt vergleichbar.(3)

Die Ergebnisse ab 2013 sind nur eingeschränkt vergleichbar mit den Ergebnissen aus den Jahren davor. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Ergebnisse des Mikrozensus ab dem Jahr 2013 auf einen neuen Hochrechnungsrahmen umgestellt wurden. „Grundlage hierfür sind die aktuellen Eckzahlen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung, die auf den Daten des Zensus 2011 (Stichtag 09.05.2011) basieren.“(4) Eine Veränderung durch diese Umstellung zeigt sich „in erster Linie in einem Niveaueffekt, der zu einem Bruch in der Zeitreihe bei den absoluten Werten führt. Auf die Berechnung von Quoten hat die Umstellung des Hochrechnungsrahmens dagegen nur geringen Einfluss.“(5)

Mit dem Berichtsjahr 2016 wurde schließlich die Datenbasis auf eine neue Grundlage umgestellt. Seit diesem Jahr basiert die Stichprobe des Mikrozensus auf den Ergebnissen des Zensus 2011.(6)



(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1.

(2) a. a. O., Seite 4.

(3) Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2006. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland, Band 1 (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 11.

(4) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, Seite 4.

(5) Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011.

(6) Vgl. Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, Seite 4.

Abhängig Beschäftigte:
„Personen, die ihre Haupttätigkeit auf vertraglicher Basis für eine Arbeitgeberin bzw. einen Arbeitgeber in einem abhängigen Arbeitsverhältnis ausüben und hierfür eine Vergütung erhalten. Hierzu zählen auch Personen, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z. B. aufgrund von Urlaub, Krankheit, Streik, Aussperrung, Mutterschafts- und Elternurlaub, Schlechtwettergeldempfang usw.). Nicht von Bedeutung ist dabei der zeitliche Umfang der ausgeübten Tätigkeit oder ob aus dieser der überwiegende Lebensunterhalt bestritten werden kann. Synonyme Begriffe sind auch abhängig Erwerbstätige oder Arbeitnehmer.“(1)

Samstagsarbeit:
„Samstagsarbeit liegt vor, wenn die gesamte Arbeitszeit oder ein Teil auf den Samstag zwischen 0.00 und 24.00 Uhr fällt. Es ist unerheblich, ob es sich dabei um eine typische Arbeitsschicht oder um eine normale Arbeitszeit bei Betrieben mit 6-Tage-Woche handelt.“(2)

Sonn- / Feiertagsarbeit:
„Sonn-/Feiertagsarbeit liegt vor, wenn eine Person an Sonntagen oder an Feiertagen oder sowohl an Sonn- als auch an Feiertagen arbeitet. Dabei kann die gesamte Arbeitszeit eines Tages oder auch nur ein Teil davon in die Zeit von 0.00 bis 24.00 Uhr am Sonn-/Feiertag fallen.“(3)

Ständig / Regelmäßig / Gelegentlich:
„Der Mikrozensus erfragt, ob die befragte Person in den letzten drei Monaten zu unüblichen Arbeitszeiten gearbeitet hat. Es wird dabei zwischen „Ständig bzw. normalerweise an jedem Arbeitstag“, „Regelmäßig (in gleichbleibenden Zeitabständen)“oder „Gelegentlich (nur hin und wieder oder in unregelmäßigen Zeitabständen)“ unterschieden.“(4) Bei den vorliegenden Analysen wurden die Werte der Antwortkategorien „ständig“
und „regelmäßig“ zusammengefasst. Diese kumulierten Werte werden in der Kurzanalyse vereinfachend als „regelmäßig“ bezeichnet. Dagegen wurde der Anteil der Beschäftigten, die „gelegentlich“ Nacht- und/oder Abendarbeit leisten, nicht berücksichtigt. Die Darstellung unterschätzt damit den Anteil der insgesamt von Nacht- und Abendarbeit betroffenen Beschäftigten.



(1) Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, Seite 6.

(2) Statistisches Bundesamt (1997): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1996. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 16.

(3) a. a. O.

(4) Statistisches Bundesamt (2018): Abend- und Nachtarbeit. In: STATmagazin.

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