Arbeitsbedingungen und Belastungen objektiv

Wochenendarbeit von abhängig Beschäftigten 1996–2015

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Abhängig beschäftigte Frauen leisten in Deutschland häufiger regelmäßige Samstagsarbeit als Männer. Zugleich sind Frauen auch etwas häufiger an Sonn- und Feiertagen tätig. Mehr als ein Viertel aller abhängig beschäftigten Frauen übernimmt 2015 regelmäßig Samstagsarbeit, im Vergleich zu einem guten Fünftel der Männer. Damit arbeiten Frauen wie Männer deutlich häufiger samstags als an Sonn- und Feiertagen: An diesen durch das Arbeitszeitgesetz besonders geschützten Tagen arbeiten aber 13 Prozent der abhängig beschäftigten Männer und sogar 15 Prozent der Frauen regelmäßig.

Zwischen 1996 und 2015 hat die regelmäßige Beschäftigung an Samstagen für Frauen wie auch für Männer insgesamt deutlich zugenommen: Bei den Frauen ist der Anteil um 4 Prozentpunkte angestiegen und bei den Männern um 5 Prozentpunkte. Auch die regelmäßige Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen hat innerhalb des Betrachtungszeitraums deutlich an Bedeutung gewonnen: Unter den Frauen ist der Anteil um 5, und unter den Männern um 4 Prozentpunkte angestiegen. Als mögliche Gründe für die Zunahme der Erwerbsarbeit an Wochenenden und Feiertagen können angenommen werden: die sukzessive Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, die weitere Wochenendarbeit in angrenzenden Dienstleistungsbereichen nach sich gezogen hat, sowie der gestiegene Bedarf im Bereich der Altenpflege und -versorgung.

Der geschlechtsspezifische Abstand bei der Samstagsarbeit ist in den letzten zwanzig Jahren weitgehend gleich geblieben. Er beträgt im Jahr 2015 viereinhalb Prozentpunkte. Der geschlechtsspezifische Abstand bei der regelmäßigen Arbeit an Sonn- und Feiertagen fällt im Vergleich dazu zwar deutlich geringer aus, hat aber über den gesamten Beobachtungszeitraum leicht zugenommen: Im Jahr 2015 beträgt er einen Prozentpunkt.

In West- und Ostdeutschland zeigen sich ähnliche geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Frauen und Männern, was die Beschäftigung an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen betrifft. Insgesamt sind in Ostdeutschland noch etwas mehr abhängig Beschäftigte regelmäßig am Wochenende tätig als in Westdeutschland. Zudem hat der Anteil der abhängig Beschäftigten mit Samstagsarbeit in Ostdeutschland stärker zugenommen als in Westdeutschland.


Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Sandra Horvath


Literatur

Statistisches Bundesamt (2016): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2015. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2006. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland, Band 1 (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (1997): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1996. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden.

 

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 


 

Methodische Anmerkungen

Grundlage der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus (Fachserie 1, Reihe 4.1.2). Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Er wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus erhebt u.a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht.(1)

Bis einschließlich 2004 bezogen sich die Angaben innerhalb des Mikrozensus auf eine feste Berichtswoche für alle Befragten, die zumeist im April eines Jahres lag. Seit 2005 erfolgt die Erhebung nach dem Prinzip der Unterjährigkeit, d. h. die Befragung wird über alle Wochen des Jahres verteilt, und damit variiert auch die Berichtswoche, die sich (zumeist) auf die Woche vor der Befragung bezieht. Damit können methodisch bedingte Veränderungen der Werte einhergehen und die Angaben sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.(2) Vermutlich ist der sprunghafte Anstieg der Anteile von Samstags-, Sonn- und Feiertagsarbeit unter abhängig beschäftigten Frauen und Männer zwischen 2004 und 2005 auf diese Umstellung des Erhebungskonzepts zurückzuführen.

Ab 2005 werden Berlin (West) und Berlin (Ost) zusammen als ein Gebiet erfasst und – statt wie bis 2004 nur Berlin (Ost) – insgesamt den neuen Bundesländern zugerechnet. Dadurch sind die nach Ost und West differenzierten Daten vor und nach dieser Umstellung ebenfalls nur bedingt vergleichbar.(3)

Die Ergebnisse ab dem Jahr 2013 wurden „auf einen neuen Hochrechnungsrahmen umgestellt. Grundlage hierfür sind die aktuellen Eckzahlen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung, die auf den Daten des Zensus 2011 (Stichtag 09.05.2011) basieren.“(4) Diese Umstellung zeigt sich „in erster Linie in einem Niveaueffekt, der zu einem Bruch in der Zeitreihe bei den absoluten Werten führt. Auf die Berechnung von Quoten hat die Umstellung des Hochrechnungsrahmens dagegen nur einen geringen Einfluss.“(5) Dennoch ergeben sich auch für einige Quoten deutliche Brüche zwischen 2012 und 2013. Grundsätzlich gilt, dass infolge des neuen Hochrechnungsrahmens die Ergebnisse ab dem Jahr 2013 nur noch eingeschränkt vergleichbar sind mit den Ergebnissen aus den Vorjahren.(6) 


(1) Statistisches Bundesamt (2016): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2015. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden.

(2) a. a. O., Seite 4.

(3) Statistisches Bundesamt (2008): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2006. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland, Band 1 (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 11.

(4) Statistisches Bundesamt (2016): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2015. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 5.

(5) a. a. O.

(6) a. a. O.

Abhängig Beschäftigte:
„Abhängig Beschäftigte sind Beamt/innen, Angestellte, Arbeiter/innen sowie Auszubildende, die ihre Haupttätigkeit auf vertraglicher Basis für einen Arbeitgeber in einem abhängigen Arbeitsverhältnis ausüben und hierfür eine Vergütung (Arbeitnehmerentgelt: Lohn bzw. Gehalt) erhalten. […] Als abhängig Beschäftigte gelten auch Personen, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z. B. aufgrund Urlaub, Krankheit, Streik, Aussperrung, Mutterschafts- und Elternurlaub, Schlechtwettergeldempfang usw.).“(1)

Samstagsarbeit:
„Samstagsarbeit liegt vor, wenn die gesamte Arbeitszeit oder ein Teil auf den Samstag zwischen 0.00 und 24.00 Uhr fällt. Es ist unerheblich, ob es sich dabei um einetypische Arbeitsschicht oder um eine normale Arbeitszeit bei Betrieben mit 6-Tage-Woche handelt.“(2)

Sonn- / Feiertagsarbeit:
„Sonn-/Feiertagsarbeit liegt vor, wenn eine Person an Sonntagen oder an Feiertagen oder sowohl an Sonn- als auch an Feiertagen arbeitet. Dabei kann die gesamte Arbeitszeit eines Tages oder auch nur ein Teil davon in die Zeit von 0.00 bis 24.00 Uhr am Sonn-/Feiertag fallen.“(3)

Ständig / Regelmäßig / Gelegentlich:
„Ständig“ bedeutet an jedem möglichen bzw. normalerweise an jedem Arbeitstag (d.h. z. B. auch normalerweise nur nachts).

„Regelmäßig“ meint, nicht an jedem möglichen Arbeitstag, jedoch in gleichbleibenden Zeitabständen.

„Gelegentlich“ kann heißen, hin und wieder, in unregelmäßigen Zeitabständen oder auch bei einmaligen Arbeitseinsätzen.(4)

Hier abgebildet sind die zusammengefassten Kategorien „ständig“ und „regelmäßig“. In der Kurzanalyse wird vereinfachend von „regelmäßig“ gesprochen. Die Gruppe der Personen, die angeben, nur „gelegentlich“ Nacht- und/oder Abendarbeit zu leisten, wird nicht berücksichtigt. Die Darstellung unterschätzt damit den Anteil der insgesamt betroffenen Personen


(1) Statistisches Bundesamt (2016): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 2015. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 6.

(2) Statistisches Bundesamt (1997): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1996. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 16.

(3) Statistisches Bundesamt (1997): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1996. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2). Wiesbaden, Seite 16.

(4) a. a. O., Seite 17.

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