Arbeitsbedingungen und Belastungen objektiv

Meldepflichtige Arbeitsunfälle nach Berufsgruppen 2014

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Männer sind sehr viel häufiger von meldepflichtigen Arbeitsunfällen betroffen als Frauen. (1) Dieser Unterschied lässt sich unter anderem mit der geschlechtsspezifisch geprägten Art der Beschäftigung in unterschiedlichen Berufsgruppen und deren jeweiliger Unfallträchtigkeit erklären.

In absoluten Zahlen sind in der unfallträchtigsten Berufsgruppe der Männer knapp doppelt so viele Personen in einen Arbeitsunfall verwickelt wie in der unfallträchtigsten Berufsgruppe der Frauen. Die zwei unfallträchtigsten Berufsgruppen für Frauen sind Verkäuferinnen sowie Angestellte im Hauswirtschafts- und Gaststättenbereich. Diese, genauso wie die nächsten drei Berufsgruppen in der Rangfolge, sind durch kund/innen-/personennahe und zugleich bewegungsreiche Tätigkeiten gekennzeichnet.

Bei den Männern erweisen sich 2014 die Maschinenmechaniker und -schlosser als die Berufsgruppe mit den meisten meldepflichtigen Arbeitsunfällen, gefolgt von den Bauhandwerkern. Insgesamt überwiegen unter den zehn unfallträchtigsten Berufsgruppen von Männern die industriellen Fertigungsberufe sowie die Bauberufe.



Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Sonja Weeber


Literatur


Bundesministerium für Arbeit und Soziales/Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2015): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014. Unfallverhütungsbericht Arbeit. Dortmund/Berlin/Dresden.

International Labour Organization (2013): ISCO-88, www.ilo.org, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2009): Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Methodische Erläuterungen zur Erfassung und Bewertung von Indikatoren zu Arbeitsunfällen, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016..


(1) Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Weeber, Sonja (2016): Meldepflichtige und tödliche Arbeitsunfälle 1991-2014. In: WSI GenderDatenPortal.

Datentabelle zur Grafik


 

 





Methodische Anmerkungen

Den Betrachtungen liegen Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zu Grunde. Die Unfallversicherungsträger sind gesetzlich verpflichtet, jährlich statistisches Material aus ihrem Geschäftsbereich zu erstellen und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorzulegen. Die Übersichten der Unfallversicherungsträger werden bei den Spitzenverbänden der Unfallversicherungsträger (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung und Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften) gesammelt und an das Ministerium übergeben. Die zusammengestellten Daten stellen daher eine Vollerhebung der Unfallversicherung dar. Die Versicherungsverhältnisse werden dabei einzeln erfasst, auch wenn bei einzelnen Personen Mehrfachversicherungen vorliegen. Die abgebildeten Daten wurden auf Anfrage von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um eine hochgerechnete Stichprobenstatistik, daher können Hochrechnungsunsicherheiten und Rundungsfehler auftreten.

Zu den Unfallversicherungsträgern, die dem Dachverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung angehören, zählen die gewerblichen Berufsgenossenschaften und See-Berufsgenossenschaften, die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand, die Feuerwehrunfallkassen, die Eisenbahn- Unfallkasse sowie die Unfallkassen Post und Telekom.

Die gesetzliche Unfallversicherung erstreckt sich auf verschiedene Personengruppen. Die weitaus größte Gruppe bilden die Arbeitnehmer/innen und die ihnen gleichgestellten Personen (z.B. Personen während einer beruflichen Aus- und Fortbildung, im Interesse des Gemeinwohls tätige Personen sowie landwirtschaftliche Unternehmer/innen und die dort mitarbeitenden Personen). Zusätzlich sind auch Personen, die ihrer allgemeinen Meldepflicht nach den Vorschriften des Arbeitsförderungsrechts (SGB III) nachkommen, versichert (z.B. Arbeitslose). (1)


(1) Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2009): Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Methodische Erläuterungen zur Erfassung und Bewertung von Indikatoren zu Arbeitsunfällen, www.gbe-bund.de , letzter Zugriff am 22.01.2016.

Arbeitsunfall: „Ein Arbeitsunfall ist ein Unfall, den eine versicherte Person infolge der Ausübung einer versicherten Tätigkeit innerhalb und außerhalb der Arbeitsstätte erleidet (vgl. § 8 Siebtes Buch Sozialgesetzbuch - SGB VII).“ (1)

Meldepflichtiger Arbeitsunfall: „Ein Unfall ist gemäß § 193 SGB VII meldepflichtig, wenn eine versicherte Person durch einen Unfall getötet oder so verletzt wird, dass sie mehr als drei Tage arbeitsunfähig ist.“ (2)

Berufsgruppen nach ISCO-88: Die „Internationale Standardklassifikation der Berufe“ (International Standard Classification of Occupations, ISCO) ist ein ursprünglich von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zusammengestelltes, international gültiges Klassifikationsschema für Gruppen von Berufen, um Bevölkerungs- und vor allem Arbeitsmarktstatistiken international vergleichbar zu machen. Die Abkürzung ISCO-88 steht für die hier verwendete Fassung von 1988. Das Klassifikationsschema gliedert sich in zehn Berufshauptgruppen (Angehörige gesetzgebender Körperschaften, leitende Verwaltungsbedienstete
und Führungskräfte in der Privatwirtschaft; Wissenschaftler/innen; Techniker/ innen und gleichrangige nichttechnische Berufe; Bürokräfte; Dienstleistungsberufe; Fachkräfte in der Landwirtschaft und Fischerei; Handwerks- und verwandte Berufe; Anlagen- und Maschinenbediener/ innen sowie Montierer/innen; Hilfsarbeitskräfte und Soldat/innen), die sich wiederum in einzelne Berufsgruppen, Berufsuntergruppen und Berufsgattungen unterteilen und jeweils einer spezifischen Nummernziffer zugeordnet sind. Die hier abgebildeten Daten beziehen sich auf Berufsuntergruppen (dreistellige Ziffern), deren Bezeichnung wie folgt vereinfacht wurde und die folgenden Ziffern zuzuordnen sind: (3)

Verkäufer/innen umfassen Ladenverkäufer/innen, Verkauf- und Marktstandverkäufer/innen sowie Vorführer/innen (ISCO-88 522 und 523).

Angestellte im Hauswirtschafts- und Gaststättenbereich umfassen Dienstleistungsberufe im hauswirtschaftlichen Bereich und im Gaststättengewerbe wie Hauswirtschafter/innen, Köch/innen, Kellner/innen und Barkeeper/innen (ISCO-88 512).

Pflegekräfte umfassen Kinderpfleger/innen, Pflegekräfte in Institutionen, Haus und Familienpfleger/innen sowie verwandte Pflegeberufe (ISCO-88 513).

Haushaltshilfen und Reinigungspersonal sind in Privathaushalten, Büros, Hotel und sonstigen Einrichtungen beschäftigt und umfassen ebenfalls Handwäscher/innen sowie Handbügler/innen (ISCO-88 913).

Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte umfassen nicht-wissenschaftliche Krankenschwestern/-pfleger sowie nicht-wissenschaftliche Hebammen und Geburtshelfer/innen (ISCO-88 323).

Fertigungshilfsarbeiter/innen umfassen Montagehilfsarbeiter/innen, Handpacker/innen und sonstige Fertigungshilfsarbeiter/innen (ISCO-88 932).

Medizinische Assistent/innen umfassen medizinische Fachberufe (ohne Krankenpflege) wie Hygienetechniker/innen und -inspektor/innen, Diätassistent/innen und Ernährungsberater/innen, Augenoptiker/innen, zahnmedizinische Assistent/innen, Physiotherapeut/innen, veterinärmedizinische Assistent/innen, pharmazeutische Assistent/innen und moderne medizinische Fachberufe (ISCO- 88 322).

Für Büroangestellte erfolgt keine weitere Differenzierung (ISCO-88 419).

Lager- und Speditionsangestellte umfassen Materialverwaltungs- und Transportangestellte wie Lagerverwalter/innen, Material- und Fertigungsplaner/innen sowie Speditionsangestellte (ISCO-88 413).

Bibliotheks- und Postangestellte umfassen Bibliotheks- und Registraturangestellte, Postverteiler/innen und -sortierer/innen, Kodierer/innen, Korrekturleser/innen sowie Schreiber/innen (ISCO-88 414).

Maschinenmechaniker/innen und -schlosser/innen umfassen Kraftfahrzeugmechaniker/innen und -schlosser/innen, Flugmotorenmechaniker/innen und -schlosser/innen, Landmaschinen- oder Industriemechaniker/innen und -schlosser/innen (ISCO-88 723).

Bauhandwerker/innen umfassen Baukonstruktions- und verwandte Berufe wie Maurer/innen, Bausteinmetz/innen, Betonierer/innen, Betonoberflächenfertigmacher/innen, Zimmerer/innen, Bautischler/innen und Baukonstruktionsberufe(ISCO-88 712).

Kraftfahrzeugführer/innen umfassen Motorradfahrer/innen, Personenkraftwagen-, Taxi- und Kleinlastkraftwagenführer/innen, Busfahrer/innen und Straßenbahnführer/innen sowie Fahrer/innen schwerer Lastkraftwagen (ISCO-88 832).

Ausbauberufe umfassen Dachdecker/innen, Fußboden- und Fliesenleger/innen, Stuckateur/innen, Isolierer/innen, Glaser/innen, Klempner/innen, Rohrinstallateur/innen sowie Bauelektriker/innen (ISCO-88 713).

Metallverarbeitung umfasst Berufe wie Former/innen und Kernmacher/innen, Schweißer/innen und Brennschneider/innen, Blechkaltverformer/innen, Baumetallverformer/innen und Metallbaumonteur/innen, Verspannungsmonteur/innen und Seilspleißer/innen sowie Taucher/innen (ISCO-88 721).

Werkzeugmacher/innen umfassen Berufe in Grob- und Hammerschmiede sowie Schmiedepresser/innen, Werkzeugmaschineneinrichter/innen und Bediener/innen, Metallschleifer/innen, Metallpolierer/innen und Werkzeugschärfer/innen (ISCO-88 722).

Hilfsarbeiter/innen im Bergbau und Baugewerbe sind im Bergbau und Steinbruch beschäftigt, im Baugewerbe und in der Instandhaltung von z.B. Straßen und Dämmen sowie im Gebäudebau (ISCO-88 931).



(1) Bundesministerium für Arbeit und Soziales/Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2015): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014. Unfallverhütungsbericht Arbeit. Dortmund/Berlin/Dresden, Seite 10.

(2) a. a. O.

(3) International Labour Organization (2004): ISCO-88, www.ilo.org, letzter Zugriff am 22.01.2016.

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