Böckler Impuls Ausgabe 03/2014

Rente

Demografie lässt Franzosen Spielraum

Das Renteneintrittsalter in allen EU-Staaten anzugleichen, ist nicht sinnvoll. Dafür ist die demografische Entwicklung zu unterschiedlich.

Als ein Beispiel für alles, was angeblich schiefläuft in den europäischen Krisenstaaten, werden immer wieder die Rentensysteme genannt. Dass Griechen oder Spanier früher in den Ruhestand gehen als Deutsche, sorgt verlässlich für Empörung. Was dabei übersehen wird: Unterschiede beim Renteneintritt ergeben durchaus Sinn, wenn man die Unterschiede bei der Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt. Denn kaum eine Gesellschaft altert so schnell wie die deutsche. Zu diesem Ergebnis kommen IMK-Forscher Sven Schreiber und Hubert Beyerle. Laut ihrer Analyse „gibt es keinen ersichtlichen ökonomischen Grund für eine Angleichung der Renteneintrittsaltersgrenzen“ in der EU.

Die Grundannahme der Ökonomen: Nachhaltig organisiert ist Alterssicherung dann, wenn das Verhältnis zwischen Ruheständlern und Beschäftigten – der „Rentnerquotient“ – konstant bleibt. Welches Renteneintrittsalter jeweils nötig sein würde, um einen bestimmten Quotienten zu erreichen, haben die Autoren mit Hilfe von Bevölkerungsprognosen der Vereinten Nationen für Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien für den Zeitraum bis 2050 untersucht. Dabei haben sie vier Szenarien mit Rentnerquotienten zwischen 0,3 und 0,6 durchgerechnet. Die Ergebnisse unterscheiden sich von Land zu Land erheblich: Damit beispielsweise auf jeden Rentner zwei Erwerbstätige kommen, also eine Quote von 0,5 erreicht wird, könnten die Iren im Jahr 2030 mit 57 in den Ruhestand treten, die Franzosen mit 61,5, die Griechen mit 62,5, die vergleichsweise fortpflanzungsmüden Deutschen dagegen erst mit 64,6 Jahren. Ähnlich ungünstig wie in Deutschland verläuft die Entwicklung sonst nur in Italien. Spanier und Portugiesen werden die Deutschen erst nach 2040 beim rechnerisch notwendigen Renteneintrittsalter einholen. Dass die Franzosen mit Blick auf die Demografie deutlich früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden können, gilt in allen untersuchten Szenarien – selbst dann, wenn man von möglichst optimistischen Prognosen für Deutschland und möglichst pessimistischen für Frankreich ausgeht.

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Quellen

Sven Schreiber, Hubert Beyerle: Europas künftige Rentenkluft, IMK Policy Brief, Januar 2014


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