Gesundheit

Arbeitsunfähigkeit bei psychischen und Muskel-Skelett-Erkrankungen 2001–2014

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Erwerbstätige Frauen meldeten sich im Jahr 2014 aufgrund von psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen fast doppelt so häufig krank wie Männer. Im Vergleich dazu waren Männer jedoch häufiger von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie z.B. Bandscheibenvorfällen betroffen.

Im Jahr 2014 gab es pro 100 krankenversicherten erwerbstätigen Frauen im Durchschnitt 12,3 Diagnosen von Arbeitsunfähigkeit wegen einer psychischen Erkrankung. Im Jahr 2001 waren es lediglich 6,8 Diagnosen. Frauen und Männer sind vor allem in den letzten sechs Jahren des Betrachtungszeitraums stetig zunehmend aufgrund psychischer Erkrankungen krankgeschrieben geworden. Zugleich hat sich auch der geschlechtsspezifische Abstand bei den psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfällen leicht vergrößert. Als mögliche Gründe für die Zunahme psychischer Erkrankungen kommen eine höhere Arbeitsdichte, steigender Leistungsdruck sowie ein immer schnelleres Arbeitstempo im Beruf in Frage. Sicher spielen auch eine bessere gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Erkrankungen und die damit einhergehende höhere Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, eine Rolle. Gleichzeitig scheinen sich diese Veränderungen auf Frauen und Männer unterschiedlich auszuwirken.

Muskel-Skelett-Erkrankungen treten unter gesetzlich Versicherten – Frauen wie Männern – deutlich öfter auf als psychische Erkrankungen. Für die letzten sechs Jahre des Betrachtungszeitraums ist ebenfalls eine starke Zunahme zu verzeichnen, was gleichwohl Rückschlüsse auf die sich verändernde Arbeitswelt sowie den demografischen Wandel zulässt. Bei diesen Erkrankungen vergrößerte sich der geschlechtsspezifische Abstand allerdings nicht.

Während sich in der Häufigkeit von Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen oder Muskel-Skelett-Erkrankungen deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen, weicht die geschlechtsspezifische Dauer der Krankschreibungen bei beiden Krankheitsbildern nur minimal voneinander ab.

Psychische Erkrankungen dauern länger an als Muskel-Skelett-Erkrankungen. Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. 2014 waren aufgrund von psychischen Erkrankungenarbeitsunfähig gemeldete Frauen und Männer pro Erkrankungsdiagnose durchschnittlich 28 bzw. 27 Tage krankgeschrieben. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen waren es für Frauen und Männer im Durchschnitt ca. zehn Tage weniger.


Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Sonja Weeber


Literatur

Bundesministerium für Arbeit und Soziales / Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2015): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014. Unfallverhütungsbericht Arbeit. Dortmund/Berlin/Dresden.

Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2016): Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2009): Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Methodische Erläuterungen zur Erfassung und Bewertung von Indikatoren zur Arbeitsunfähigkeit, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch, www.gesetze-im-internet.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Springer Gabler Verlag (Hg., 2016): Gabler Wirtschaftslexikon, www.wirtschaftslexikon.gabler.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Weltgesundheitsorganisation (2010): International Classification of Diseases (ICD), www.who.int/classifications/icd/en/, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Datentabellen zu den Grafiken




 

Methodische Anmerkungen

Den Betrachtungen liegen Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu Grunde. Im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales publiziert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im jährlichen Bericht „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Unfallverhütungsbericht Arbeit“ Informationen und Statistiken zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in Deutschland. Dazu gehören ebenfalls Angaben der Gesetzlichen Krankenversicherung zu Häufigkeit und Dauer von Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibungen).

Berücksichtigt werden alle Pflicht- und freiwilligen Mitglieder der GKV mit Krankengeldanspruch. Unberücksichtigt bleiben Rentner/innen, Studierende, Jugendliche, Behinderte, Wehr-, Zivil- und Ersatzdienstleistende, Dienstleistende bei der Bundespolizei, Mithelfende in landwirtschaftlichen Unternehmen, ALG-II-Empfänger/innen (seit 2005) und Vorruhestandsempfänger/innen insofern, dass diese Gruppen in der Regel keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vorlegen müssen.

Es ist davon auszugehen, dass Kurzzeiterkrankungen von ein bis drei Tagen hier untererfasst werden, da diese nur in die Statistik eingehen soweit eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegt. Da diese von Arbeitgeber/innen für Erkrankungen von bis zu drei Tagen Dauer häufig nicht verlangt wird, ergibt sich hieraus eine tendenzielle Untererfassung. (1)



(1) Bundesministerium für Arbeit und Soziales/Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2015): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014. Unfallverhütungsbericht Arbeit. Dortmund/Berlin/Dresden.

Arbeitsunfähigkeit: Bei Arbeitsunfähigkeit können Beschäftigte aufgrund von Krankheit ihre Arbeitsleistung nicht erbringen. Sie wird durch Ärzt/innen bescheinigt (auch: Krankschreibung, sogenannter „Gelber Zettel“), an die Krankenkassen gemeldet und im Rahmen der Krankheitsartenstatistik der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nach Art der Krankheit, dem Alter und Geschlecht der Mitglieder gemäß der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die Statistik in der Gesetzlichen Krankenversicherung (KSVwV) § 8 verzeichnet. (1)

Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen/-tage: 
Die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen gibt die Häufigkeit von Krankschreibungen innerhalb eines Jahres an. Als Arbeitsunfähigkeitstage werden die Tage bezeichnet, an denen auf Grund einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit keine Arbeitsleistung erbracht werden kann (und die an die Krankenkassen gemeldet werden). Für die Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen, großen Versicherungsträgern dient die Darstellung der Diagnosen je 100 Mitglieder. (2)

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV): 
Die Gesetzliche Krankenversicherung ist in Deutschland Bestandteil des Sozialversicherungssystems und eine verpflichtende Versicherung für alle Arbeitnehmer/ innen, deren monatliches Arbeitsentgelt über 450 Euro liegt und deren jährliches Brutto-Arbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze (2014: 53.550 Euro) nicht überschreitet. Die Versicherungspflicht gilt außerdem für weitere Personengruppen gemäß § 5 - § 8 SGB V. (3) (4)

Versicherte (gesetzlich und privat): 
Als Versicherte werden in den vorliegenden Tabellen und Grafiken Pflicht- und freiwillige Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung mit Krankengeldanspruch bezeichnet (Rentner/innen und mitversicherte Familienangehörige werden nicht erfasst). Ca. 90 Prozent der deutschen Bevölkerung sind Mitglied in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Demgegenüber sind ca. 10 Prozent in der privaten Krankenversicherung versichert. Über diese Personengruppe wird in den Abbildungen keine Aussage getroffen. Im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung sind in der Privaten Krankenversicherung nur Arbeitnehmer/innen versichert, deren jährliches Brutto-Arbeitsentgelt oberhalb der gesetzlich festgelegten Versicherungspflichtgrenze liegt (2014: 53.550 Euro). Darüber hinaus können sich auch Selbstständige, Beamt/e/innen (einkommensunabhängig) und Freiberufler/innen privat versichern. Personen, deren regelmäßiges Brutto-Arbeitsentgelt oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt, sind versicherungsfrei. Sie können über ihre Versicherung in der Gesetzlichen oder Privaten Krankenversicherung entscheiden. (5) (6) (7)

Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen: 
Die Zusammenfassung der hier abgebildeten psychischen Erkrankungen und Muskel-Skelett- Erkrankungen erfolgt auf Grundlage der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ in ihrer zehnten Version (englisch: „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“, kurz: ICD- 10). Die ICD-10 wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem der Medizin. Sie gliedert sich in 22 Krankheitskapitel, darunter Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ (hier: psychische Erkrankungen) und Kapitel XIII „Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes“ (hier: Muskel-Skelett-Erkrankungen). Zu den psychischen Erkrankungen zählen beispielsweise Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen. Unter Muskel- Skelett-Erkrankungen werden u.a. Muskelzerrungen, Bandscheibenvorfälle und verschiedene Formen von Osteoporose zusammengefasst. (8)


(1) Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2016): Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Arbeitsunfähigkeit, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

(2) Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2009): Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Methodische Erläuterungen zur Erfassung und Bewertung von Indikatoren zur Arbeitsunfähigkeit, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

(3) Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V), §5 -§8: Gesetzliche Krankenversicherung, www.gesetze-im-internet.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

(4) Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2016): Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Pflichtversicherte (GKV), www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

(5) Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2016): Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Anmerkung(en), www.gbe-bund.de, Zugriff am 22.01.2016.

(6) Robert-Koch-Institut und Statistisches Bundesamt (2016): Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Freiwillig Versicherte, www.gbe-bund.de, Zugriff am 22.01.2016.

(7) Springer Gabler Verlag (Hg., 2016): Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Krankenversicherung, www.wirtschaftslexikon.gabler.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

(8) Weltgesundheitsorganisation (2010): International Classification of Diseases (ICD), who.int/classifications/icd/en/, letzter Zugriff am 22.01.2016.

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