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16.12.2014

WSI zieht Tarifbilanz 2014

Tarifabschlüsse im Schnitt über 3 Prozent

Die Tarifabschlüsse 2014 sahen in den meisten Branchen für dieses Jahr Tarifsteigerungen zwischen 2 und 4 Prozent vor, mit einem Schwerpunkt zwischen 3 und 3,5 Prozent. In den länger laufenden Abschlüssen, die auch Anhebungen für 2015 vorsehen, bewegen sich die Steigerungsraten für das kommende Jahr zwischen 1,0 und 3,3 Prozent. Dazu einige Beispiele:

  • In der chemischen Industrie setzte die IG BCE eine Tariferhöhung von 3,7 Prozent bei einer Laufzeit von 14 Monaten durch.
  • Im öffentlichen Dienst (Bund und Gemeinden) lag die Abschlussrate für 2014 durchschnittlich bei 3,4 Prozent ab März 2014. Die unteren Entgeltgruppen wurden deutlich stärker angehoben (mindestens 90 Euro). Ab März 2015 erfolgt eine weitere Steigerung um 2,4 Prozent.
  • Im Bauhauptgewerbe erreichte die IG BAU nach einem Nullmonat eine Tarifanhebung von 3,1 bzw. 3,8 Prozent für West/Ost ab Juni diesen Jahres und weitere 2,6 bzw. 3,3 Prozent ab Juni kommenden Jahres bei einer Laufzeit von 24 Monaten.
  • In der Druckindustrie sieht der Tarifabschluss nach vier Nullmonaten eine Tariferhöhung von 3,0 Prozent ab Mai 2014 und weitere 1,0 Prozent ab April 2015 vor, bei einer Laufzeit von 27 Monaten.
  • Im Bankgewerbe vereinbarte ver.di nach zwei Nullmonaten eine Gehaltssteigerung von 2,4 Prozent ab Juli 2014 und weitere 2,1 Prozent ab Juli 2015 sowie eine zusätzliche Einmalzahlung von 150 Euro bei einer zweijährigen Laufzeit.

Das zeigt die Tarifbilanz des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung. Der Anstieg der Verbraucherpreise bleibt in diesem Jahr mit rund einem Prozent sehr moderat. „Auf das ganze Jahr 2014 gerechnet ist daher mit einer realen Steigerung der Tarifverdienste von rund zwei Prozent zu rechnen“ sagt WSI-Tarifexperte Dr. Reinhard Bispinck.

Einige Tarifbewegungen dieses Jahres weisen besondere Merkmale und Ergebnisse auf:

Deutsche Bahn AG: Im Sommer endeten nicht nur die Entgelttarifverträge, sondern auch der Grundlagentarifvertrag, der seit 2008 die tarifliche Zuständigkeit von EVG und GDL für die verschiedenen Beschäftigtengruppen regelte. Die GDL stellte tarifliche Lohn- und Arbeitszeitforderungen für die Lokführer und neu auch für das sonstige Zugpersonal (Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer u. a.), die EVG stellte Tarifforderungen für alle Beschäftigten der Deutschen Bahn AG einschließlich der Lokführer, die in den vergangenen Jahren in den tariflichen Zuständigkeitsbereich der GDL gehörten. Nach mehreren Verhandlungsrunden der DB AG mit beiden Gewerkschaften und fünf Streikwellen seitens der GDL ist zurzeit noch keine Verhandlungslösung in Sicht.

Mindestlohn: Im Januar 2014 vereinbarte die NGG mit der Fleischwirtschaft einen Mindestlohntarifvertrag. Er sieht eine stufenweise Anhebung von 7,75 Euro/Stunde ab Juli 2014 auf 8,75 Euro bis Dezember 2016 bei einer Tarifvertragslaufzeit bis Ende 2017 vor. Im Juli erreichte die IG BAU einen Mindestlohntarifvertrag für die Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, der Anfang 2015 einen Lohn von 7,40 bzw. 7,20 Euro/ Stunde in West bzw. Ost vorsieht. Er steigt in Stufen bis auf 9,10 Euro im November 2017. Beide Tarifverträge nutzen den zweijährigen Übergangszeitraum bis Ende 2016, der im Mindestlohngesetz (MiLoG) vorgesehen ist (siehe Übersicht in der pdf-Version).

Besoldungsrunde der Beamtinnen und Beamten: Mit dem im Oktober vom Bundestag beschlossenen Bundesbesoldungsanpassungsgesetz 2014/2015 wurde die zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses für den öffentlichen Dienst auf die Beamtinnen und Beamten geregelt.
Tarifrunde 2015: Ende Dezember 2014 laufen die Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie und den öffentlichen Dienst (Länder) aus. Die IG Metall fordert Entgelterhöhungen von 5,5 Prozent und Regelungen zu Bildungs- und Altersteilzeit. Ver.di hat seine Forderung noch nicht beschlossen.
Zwischen Februar und April 2015 enden die Laufzeiten der regionalen Tarifverträge der Chemischen Industrie. Der IG BCE-Vorstand empfiehlt eine Tarifforderung von 4 bis 5 Prozent und die Weiterentwicklung des Tarifvertrags Demografie und Lebensarbeitszeit sowie den Ausbau des Demografiefonds. Die endgültige Forderung wird im Januar 2015 beschlossen.

Ende März und April 2015 folgen weite Teile des Einzelhandels sowie der Groß- und Außenhandel. Von April bis Mai laufen die Verträge in vielen Bereichen des Kfz-Gewerbes aus. Später im Jahr folgen u.a. die Landwirtschaft, das private Verkehrsgewerbe, das Gebäudereinigerhandwerk und die Deutsche Post AG.

Kontakt:

Dr. Reinhard Bispinck
Leiter des WSI-Tarifarchivs

Rainer Jung
Leiter Pressestelle


Die Pressemitteilung mit tabellarischen Übersichten

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