Ideenwettbewerb: „Die Ökonomie der Zukunft: Neue Wertschöpfungsstrukturen und Unternehmensstrategien“


Die Veränderung von ökonomischen Strukturen ist ein anhaltender Prozess, der viele Treiber hat. Globalisierung, Finanzialisierung und Digitalisierung werden häufig als Ursachen genannt, die in Wechselwirkungen stehen und sich gegenseitig verstärken können. Diese allgemeinen Trends bleiben jedoch unscharf mit Blick auf die konkrete Dynamik und Veränderung in Unternehmen und Wirtschaft.

Benötigt werden Analysen, die Veränderungen in Wertschöpfungsstrukturen, Unternehmensstrategien und -praxis in Zusammenhang mit ihren Treibern bringen. Dabei geht es nicht nur darum, Wirkungszusammenhänge und Folgen für einzelne Produkt-, Unternehmens- oder Branchenbeispiele zu beschreiben, sondern ein vertieftes Verständnis von ökonomischen Folgen für die Makroebene der deutschen und europäischen Volkswirtschaft zu erlangen.

Aus diesen Analysen lassen sich Schlussfolgerungen ableiten, welche nationalen und internationalen Regelwerke und Konventionen geeignet sind, um den destruktiven Auswirkungen von Markt und Wettbewerb entgegenzutreten sowie Upgrading-Prozesse mit Blick auf Arbeit, Beschäftigung, ökologische Standards und die Stabilität demokratischer Strukturen und Prozesse zu stärken. Für die Hans-Böckler-Stiftung sind diese Analysen deshalb von Bedeutung, weil sie den Blick auf Handlungs- und Gestaltungsoptionen für eine Corporate Governance eröffnen, in der gute Arbeit, Mitbestimmung und soziale Standards ausgeweitet werden können.

Die Hans-Böckler-Stiftung fordert zur Einreichung von Projektskizzen auf, die folgende Forschungsthemen und -fragen in den Mittelpunkt stellen:

1. Dynamik in Wertschöpfungsstrukturen

Eine Analyse von Wertschöpfungsketten und -netzwerken nimmt deren Dynamik, Verschiebungen und Formen in den Blick, und zwar in…

  • einer sektor- und branchenbezogenen Perspektive: Welche Player treiben Veränderung in Wertschöpfungsstrukturen an, wie verschieben sich Supply-Chains, Rangfolgen und Abhängigkeiten, Kooperation und Konkurrenz in Wertschöpfungsketten?
  • einer räumlichen Perspektive: Welche Entwicklungen zeichnen sich in regionalen, nationalen und internationalen Wertschöpfungsketten ab, und welche Rolle nehmen Schwellenländer wie z.B. China und Indien ein?
  • einer Perspektive auf die Erträge: Welche Auswirkungen haben sich verändernde Praktiken und Modalitäten bei der Bilanzierung und Steuergestaltung auf Wertschöpfungsstrukturen? Wenn sich Renditen und Gewinne in Wertschöpfungsketten durch Digitalisierung in Verbindung mit neuen Geschäftsmodellen anders verteilen: Wo fällt die digitale Dividende an?
  • einer Perspektive auf die politischen Rahmenbedingungen, unter denen sich Wertschöpfungsstrukturen formieren: Wie müssen die globalen Wirtschaftsbeziehungen gestaltet werden? Welche Anreize können rechtliche Regulierungen z.B. im Steuersystem, der Gesetzgebung, beim Zugang zu (IT-)Infrastrukturen oder bei der Mitbestimmung setzen, damit Monopol- und einseitige Machtstrukturen verhindert bzw. reduziert werden?

2. Neue Unternehmensstrategien

Eine Analyse ökonomischer Transformationsprozesse kommt nicht ohne eine Analyse der Veränderungen in Unternehmen und deren Umgangsweise mit Herausforderungen für den Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit aus. Deshalb besteht Erkenntnisinteresse über…

  • Stärke und Richtung der Einflüsse von Eignern und Investoren auf Unternehmensstrukturen und Unternehmensstrategien sowie neue Formen der Unternehmensfinanzierung.
  • die Bedeutung von Arbeit und Beschäftigung und weitere soziale und ökologische Aspekte in der Corporate Governance.
  • den Wandel von Diskursen im Management und in den für sie relevanten Informationskanälen, Leitbilder in der Beratung usw..
  • neue Ansätze und Praktiken bei der Unternehmenssteuerung und beim Controlling, die Erfolg und Misserfolg bei der Umsetzung unternehmerischer Ziele abbilden sollen.
  • Innovationen als zentraler Bestandteil von Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmensstrategie: Wie verändern sich Innovationsprozesse? Welche Rolle dabei Start-ups, Inkubatoren, Plattformaktivitäten oder disruptive Geschäftsmodelle in Unternehmen oder in Wertschöpfungsketten tatsächlich spielen, ist z.B. weitgehend unklar.
  • die Handlungs- und Gestaltungsspielräume von Mitbestimmungsakteuren und Unternehmensleitungen in Transformationsprozessen im Geflecht von Investoren, Aktionären, Partnern in Wertschöpfungsketten.

An wen ist der Ideenwettbewerb adressiert? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – auch in internationalen Konsortien – aus der Betriebswirtschaftslehre (Finance, Controlling, Management und Unternehmensführung), der Volkswirtschaftslehre, der Wirtschaftsgeografie, Informatik, der Rechtswissenschaft, den Politik- und Sozialwissenschaften sind mit ihren jeweiligen Forschungsansätzen und -methoden aufgerufen, sich am Ideenwettbewerb zu beteiligen. Die Forschungsmethoden sollten darauf ausgerichtet sein, auf der Basis einer empirischen Bestandsaufnahme auch alternative Optionen für die Zukunft herauszuarbeiten.

Pläne für die Förderphase: Die Hans-Böckler-Stiftung beabsichtigt, als Begleitstruktur der bewilligten Einzelprojekte einen Forschungsverbund anzustoßen. Der Forschungsverbund wird von ihr geleitet und koordiniert. In die Begleitstruktur sind neben den Projektteams betriebliche und gewerkschaftliche Akteure eingeladen. Im Forschungsverbund stehen übergeordnete Themenstellungen im Vordergrund, die durch Zusammenführung von Forschungsergebnissen aus den Einzelprojekten bearbeitet werden sollen. Über diesen Forschungsverbund strebt die Hans-Böckler-Stiftung an, Handlungs- und Orientierungswissen zu folgenden Themen zu generieren:

  • Handlungsspielräume für Akteure der Mitbestimmung zur Gestaltung des Strukturwandels inklusive Ansätze für mehr Mitbestimmung und Demokratie in diesen Prozessen;
  • Muster und Einordung der Strukturveränderungen, ihrer Treiber und Rahmenbedingungen;
  • Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den Themenfeldern „Dynamik in Wertschöpfungsstrukturen“ und „neuen Unternehmensstrategien“ (horizontale und vertikale Perspektive);
  • Anforderungen an wirtschafts- innovations- und industriepolitische Weichenstellungen.

Einreichung von Projektskizzen

Bitte reichen Sie Ihre Idee für ein Forschungsvorhaben bis zum 19.12.2018 in Form einer elektronischen Projektskizze hier ein. In der Projektskizze wird u.a. die Identifizierung von Forschungslücken erwartet. Umsetzungs- oder Evaluationsvorhaben können nicht gefördert werden. Die Projektskizze und der Projektantrag können in Englisch eingereicht werden, die Verkehrssprache mit der Hans-Böckler-Stiftung und im Forschungsverbund ist deutsch.

Auf Ihre Projektskizze erhalten Sie eine Rückmeldung, ob eine Weiterentwicklung zum Vollantrag mit Perspektive auf Förderung ab dem 1. Januar 2020 möglich ist. Unter forschung-skizzen(at)boeckler.de stehen wir für Rückfragen zur Verfügung.



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