Förderschwerpunkt „Erwerbsarbeit im Wandel“


Erwerbsarbeit ist die zentrale strukturgebende Kraft in unserer Gesellschaft. Ihre menschenwürdige Gestaltung ist Fundament der sozialen Marktwirtschaft und bleibt fortwährende Aufgabe. Doch die Arbeitswelt verändert sich rasant. Die Gestaltung des Arbeitsmarktes und von Beschäftigungsverhältnissen muss daher im Zusammenspiel unterschiedlicher Politikfelder und über mehrere Ebenen – europäische, gesetzliche, tarifvertragliche und betriebliche – erfolgen.

Die Hans-Böckler-Stiftung fördert Projekte, die …

… die Folgen veränderter Erwerbsverläufe in den Blick nehmen.
Betriebs- und Berufswechsel, Zeiten mit eingeschränkter Erwerbstätigkeit durch besondere familiäre Verpflichtungen, gesundheitliche Einschränkung oder Weiterbildung, Phasen von Arbeitslosigkeit oder mit schlechtem Verdienst gehören für wachsende Beschäftigtenanteile zum Erwerbsverlauf. Eine „Neue Ordnung der Arbeit“ setzt den Flexibilitätserfordernisse des Arbeitsmarktes Selbst- und Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten entgegen. Dies erfordert erstens Regulierungen, die anstelle einer statischen Unterscheidung unterschiedlicher Erwerbsstatus die dynamische Betrachtung im Lebensverlauf stellen. Zweitens sind Schutzdefizite mindergeschützter Beschäftigung durch eine Stärkung sozialer Anspruchsrechte zu beseitigen. Als Herausforderung erweist sich hierbei, einerseits der Individualität von Erwerbsverläufen Rechnung zu tragen und andererseits über die Verallgemeinerung von Beschäftigteninteressen kollektive Regulierungen zu ermöglichen.

… die Konzepte zur Regulierung von Arbeitsmärkten entwickeln helfen.
Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt präsentiert sich widersprüchlich: während einerseits die Wirtschaft über Fachkräftemangel klagt, finden insbesondere Ausländer und Frauen vielfach keine qualifikationsadäquate Beschäftigung. Immer mehr Erwerbstätige befinden sich zudem außerhalb eines geschützten Beschäftigungsverhältnisses. Der Niedriglohnsektor in Deutschland hat mittlerweile beachtliche Ausmaße. Um mehr Menschen den Zugang zu guter Arbeit zu ermöglichen müssen strukturelle Hemmnisse überwunden werden. Eine inklusive Arbeitsmarktpolitik sollte daher Erwerbsrisiken bei Übergängen zwischen verschiedenen Arbeits- und Beschäftigungsformen absichern und Gelegenheitsstrukturen für neue berufliche Entwicklungsmöglichkeiten fördern. Eine solche Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik benötigt zudem die Einbettung in eine Beschäftigungs-, Wirtschafts- und Strukturpolitik, die geeignet ist, nachhaltige Arbeitsplätze zu fördern.

… die Ansatzpunkte einer humanen Gestaltung von Arbeit liefern.

Eine längere Lebensarbeitszeit, die Zunahme psychischer Belastungen am Arbeitsplatz und die ungelösten Probleme der körperlichen Beanspruchung in Industrie und Dienstleistungen erfordern eine Gestaltung der Arbeitswelt, die längeres und gesundes Arbeiten für alle ermöglicht. Neue Technologien und die voranschreitende Digitalisierung verändern Arbeitsprozesse und die Arbeitsorganisation in den Betrieben. Dabei eröffnet die Technikentwicklung Chancen und Risiken für die Beschäftigten. Mobile Arbeit beispielsweise bietet einerseits individuelle Gestaltungsspielräume und andererseits entsteht die Notwendigkeit, die Grenze zwischen Arbeit und Reproduktion neu zu bestimmen.

Viele der klassischen Gestaltungsansätze sind angesichts dieser Entwicklungen zwar nicht obsolet, sie erfordern jedoch andere Maßnahmen und Aktivitäten, um sie in Arbeitsprozessen und -organisation umsetzen zu können. Unternehmensleitungen und Mitbestimmungsakteure müssen hierfür sensibilisiert werden.


zurück

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden