Bildung

Die Wahl des Studienfachs ist geschlechtsspezifisch

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Frauen beginnen in Deutschland nahezu gleich häufig ein Studium wie Männer (vgl. Bildung, Grafikblatt 10). Trotz stark gestiegener Zahl an Studienanfänger/innen haben sich die Anteile beider Geschlechter in den einzelnen Studienfächern seit 2000 jedoch kaum verändert.

In allen Studienfächern hat die Zahl der Studienanfängerinnen zwischen 2000 und 2010 stark zugenommen:

  • Am stärksten nahmen die weiblichen Erstsemester in der Fächergruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften zu, denn hier begannen im Jahr 2000 7.148, und im Jahr 2010 schon 13.012 Frauen ein Studium. Die Zahl der weiblichen Erstsemester stieg damit in nur 10 Jahren um 82 Prozent.
  • Auch in der Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften stieg die Zahl der Studienanfängerinnen von 11.675 auf 20.557 stark an. Mit 76 Prozent ist dies ebenfalls ein sehr hoher Anstieg bei den weiblichen Erstsemestern.
  • Um die Hälfte (47 Prozent) stieg der Anteil der Frauen im ersten Semester in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (55.050 auf 81.187).
  • Auch in den Naturwissenschaften und in der Mathematik nahm die Zahl der weiblichen Erstsemester in nur 10 Jahren von 21.912 auf 29.748 zu. Die Zahl der Erstsemester erhöhte sich damit um ein starkes Drittel (36 Prozent).

Bei den Männern sind die Zahlen der Studienanfänger zwischen 2000 und 2010 ebenfalls stark angestiegen:

  • In den Ingenieurwissenschaften erhöhte sich die Zahl der männlichen Studienanfänger innerhalb von 10 Jahren von 41.122 auf 72.860. Das ist ein Anstieg von fast 80 Prozent – er liegt damit auf ähnlichem Niveau wie bei den Frauen (76 Prozent).
  • In anderen Fächergruppen stieg die Zahl der männlichen Studienanfänger aber durchweg geringer als die der Frauen: In der Humanmedizin nahm ihre Zahl von 4.417 auf 6.670 zu, und damit um die Hälfte (51 Prozent). Bei den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften stieg ihre Zahl von 51.930 auf 67.181, und damit um rund ein Drittel (29 Prozent) an.
  • Einen noch geringeren Anstieg mit 19 Prozent verzeichneten die Männer in den Sprach- und Kulturwissenschaften, in denen im Jahr 2000 16.554 und 2010 19.629 Studierende ein Studium begannen. Auch in der Mathematik und den Naturwissenschaften, verzeichneten die Männer eine Zunahme von „nur“ 22 Prozent, denn hier stieg die Zahl der Erstsemester von 36.897 auf 45.130 an.

Vergleicht man die relativen Anteile von Frauen und Männern in den Studienfächergruppen, dann zeigt sich in den meisten Fächern eine stark ausgeprägte Geschlechterdominanz in die eine oder die andere Richtung. An diesem Trend hat sich innerhalb des Beobachtungszeitraumes - trotz des zumeist etwas stärkeren Anstiegs bei den Frauen - fast nichts verändert:

  • Im Jahr 2010 ist die Hälfte der Studienanfänger/innen weiblich, dennoch stellen die Frauen nur etwa ein Drittel in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern und nur etwas mehr als ein Fünftel in den Ingenieurwissenschaften.
  • Weiterhin stark überrepräsentiert sind Frauen - mit einem Anteil von fast drei Vierteln aller Studienanfänger/innen - in den Fächergruppen Sprach- und Kulturwissenschaften sowie mit einem Anteil von zwei Dritteln in der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften.
  • Annähernd gleich verteilt sind Frauen und Männer lediglich in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Stefanie Vorberger, Svenja Pfahl

Datentabelle zu den Grafiken

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Analysen basieren auf Daten der Hochschulstatistik, die in den Jahren 2004, 2007 und 2011 in der Fachserie 11, Reihe 4.1 „Bildung und Kultur. Studierende an Hochschulen“ veröffentlicht wurden. Bei diesen Daten handelt es sich um Verwaltungsdaten der Hochschulen, die im Zuge der Ersteinschreibung bzw. der Rückmeldung der Studierenden an den Hochschulen erhoben werden. Die Erhebung erfolgt jeweils am Anfang des Semesters.

Erhebungseinheit sind „Studierende, d.h. in einem Fachstudium eingeschriebene Personen, ohne Beurlaubte, Studienkollegiaten und Gasthörer.“ (1)

 


(1) Statistisches Bundesamt (2011): Fachserie 11, Reihe 4.1, Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen, S.4f

Studienanfänger/innen:
„Studienanfänger/innen sind Studierende im ersten Hochschulsemester (Erstimmatrikulierte) oder im ersten Semester eines bestimmten Studienganges.“ (1) In den vorliegenden Tabellen und Abbildungen werden als Studienanfänger/innen Studierende nachgewiesen, die an einer Hochschule im 1. Hochschulsemester eingeschrieben sind.

Fächergruppen:
Für die Zwecke der bundeseinheitlichen Hochschulstatistik werden mehrere verwandte Fächer zu Studienbereichen und diese zu Fächergruppen zusammengefasst. (2)

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften:
Die Fächergruppe der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften umfasst neben den bereits in der Bezeichnung genannten Fächern auch Politik- und Verwaltungswissenschaften, Sozialwesen und Regionalwissenschaften.

Sprach- und Kulturwissenschaften:
Die Sprach- und Kulturwissenschaften umfassen neben den sprach- und kulturwissenschaftlichen Fächern auch Theologie (ev. und kath.), Philosophie, Geschichte, Bibliotheks- und Literaturwissenschaften, Sonderpädagogik und Erziehungswissenschaften.

Mathematik und Naturwissenschaften:
Zur Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften zählen auch Informatik, Pharmazie, Geowissenschaften und Geographie.

Ingenieurwissenschaften:
Die Ingenieurwissenschaften umfassen die Fächer Bergbau/Hüttenwesen, Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Elektrotechnik und Vermessungstechnik, Architektur, Raumplanung und Bauingenieurswesen sowie Verkehrstechnik.

Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften:
Zur Fächergruppe der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften zählt auch die Zahnmedizin.

Sonstige Fächer:
Die sonstigen Fächer umfassen alle Künste und Kunstwissenschaften, die Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, die Veterinärmedizin, Sport und die Sportwissenschaften. In diese Kategorie fallen zudem alle Fächer, die außerhalb der Studienbereichsgliederung (z. B. Studienkolleg) liegen, und schließlich alle Studierenden, für die keine Angaben zur Fachrichtung vorliegen.

 


(1) Statistisches Bundesamt (2011): Fachserie 11, Reihe 4.1, Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen, S.11

(2) Vgl. dazu die Liste der Fächergruppen, Studienbereiche und Studienfächer. In: Statistisches Bundesamt (2011): Fachserie 11, Reihe 4.1, Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen, S.442ff.

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