Erwerbstätigkeit

Leiharbeit ist männlich dominiert - aber der Frauenanteil wächst

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Nach wie vor ist Leiharbeit in Deutschland männlich dominiert, jedoch wächst der Frauenanteil kontinuierlich. Im Jahr 2011 ist bereits über ein Viertel der Leiharbeitnehmer/innen weiblich.

Die Leiharbeit wächst in den letzten Jahren ausgesprochen dynamisch. In nur 20 Jahren ist die Zahl der Leiharbeitnehmer/innen auf mehr als das Sechsfache angestiegen. Die Zahl der Leiharbeitnehmer/innen ist im Beobachtungszeitraum zwischen 1991 und 2011 von 134.000 Beschäftigten auf 910.000 Beschäftigte angestiegen. Bei den Frauen stieg die Leiharbeit stärker als bei den Männern: Von 26.000 im Jahr 1991 auf 248.000 im Jahr 2011. Das ist in nur 20 Jahren ein Anstieg fast auf das Zehnfache.

Bei den Männern stieg die Zahl von 108.000 auf 662.000 Die Zahl der männlichen Leiharbeiter hat sich damit innerhalb des Beobachtungszeitraums versechsfacht.

Insbesondere seit 2004 nahm bei beiden Geschlechtern die Leiharbeit rapide zu. Allein in den vier Jahren zwischen 2004 und 2008 verdoppelte sich ihre Anzahl. Als Ursache hierfür gelten die umfassenden Veränderungen im Zuge der Hartz-Reformen (Erstes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt): Zum Januar 2003 wurde die zuvor geltende Begrenzung der Überlassungsdauer abgeschafft. Aufgehoben wurde auch das Verbot der wiederholten Befristung (Synchronisationsverbot), das eine Begrenzung des Arbeitsvertrages auf die Einsatzdauer bei einem Entleihunternehmen untersagte. Zudem entfiel das Wiedereinstellungsverbot, das ausschließen sollte, dass das Zeitarbeitsunternehmen kündigt und die ehemaligen Leiharbeitnehmer/innen dann innerhalb von 3 Monaten erneut einstellt.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ließ 2009 die Beschäftigtenzahl in der Leiharbeit stark einbrechen. Hiervon waren Männer überproportional stark betroffen, mit dem Ergebnis, dass der Frauenanteil an allen Leiharbeitnehmer/innen in diesem Jahr mit rund 30 Prozent seinen Höchststand erreichte. Bereits 2010 wurden wieder die Zahlen von 2008 erreicht und steigen seither weiter an.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Stefanie Vorberger; Lena Oerde (Recht)

Datentabellen zu den Grafiken

 

 

Methodische Anmerkungen

„Die Statistik nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (§8 AÜG) wertet halbjährlich die gesetzlich vorgeschriebenen Meldungen der Erlaubnisinhaber [d.h. der anerkannten Leiharbeitsfirmen, d. Verf.] aus. Hierbei werden alle Verleihbetriebe erfasst, auch diejenigen Betriebe, deren Betriebszweck nicht ausschließlich oder überwiegend der Arbeitnehmerüberlassung gilt. Die Daten liegen (…) mit einer Wartezeit von ca. 8 Monaten nach Ende des Berichtszeitraumes vor.“ (1)

Die Arbeitnehmerüberlassungsstatistik weist die Zahlen der Leiharbeitnehmer/innen auf Monatsbasis aus. Für die vorliegenden Analysen wurden jeweils die Angaben aus dem Monat Juni (Stichtag: 30. Juni) genutzt. Zwar zeigt die Gesamtzahl der Leiharbeitnehmer/innen jährliche Schwankungen mit niedrigeren Werten in der ersten Jahreshälfte und höheren Werten in der zweiten Jahreshälfte, aber die Angaben aus dem Monat Juni geben den jeweiligen Jahresdurchschnitt relativ gut wieder. Sie liegen im Zeitraum 1992 bis 2011 im Durchschnitt um etwa 4 Prozent über den jeweiligen Jahresdurchschnittswerten.




(1) Bundesagentur für Arbeit (2012): Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, 2. Halbjahr 2011, S. 59.

Leiharbeitnehmer/innen:
In der Arbeitnehmerüberlassungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit werden Leiharbeitnehmer/innen wie folgt definiert: „Überlassene Leiharbeitnehmer (…) im Sinne der Statistik sind Arbeitnehmer, die im Verleihbetrieb in einem Arbeitsverhältnis zum Zwecke der Überlassung zur Arbeitsleistung an Dritte (Entleiher) stehen.“ (1)

Zwar wird die Arbeitnehmerüberlassung in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren zunehmend auch als „Zeitarbeit“ bezeichnet. Die nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz festgeschriebene Bezeichnung lautet jedoch „Leiharbeit“. Dementsprechend werden hier die betroffenen Arbeitnehmer/innen als Leiharbeitnehmer/innen bezeichnet.




(1) Bundesagentur für Arbeit (2012): Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, 2. Halbjahr 2011, S. 59

Leiharbeit
Leiharbeitnehmer/innen werden von einem verleihenden Betrieb eingestellt, erbringen ihre Arbeitsleistung jedoch bei einem entleihenden Betrieb. (1) Gemäß Art. 3 I lit. c) der Leiharbeitsrichtlinie der Europäischen Union (2) ist Leiharbeitnehmer/in eine beschäftigte Person, die mit einem Leiharbeitsunternehmen einen Arbeitsvertrag geschlossen hat oder ein Beschäftigungsverhältnis eingegangen ist, um einem entleihenden Unternehmen überlassen zu werden und dort unter dessen Aufsicht und Leitung vorübergehend zu arbeiten. Aufgrund dieser Richtlinie erfolgten zum 1.12.2011 einige Änderungen des deutschen Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG). Unter anderem wurde festgelegt, dass gemäß § 1 I S. 2 AÜG eine Arbeitnehmerüberlassung lediglich „vorübergehend“ zulässig ist. Wie lange eine solche vorübergehende Überlassung jedoch maximal andauern kann, ist nicht weiter geregelt. Auch fehlen Sanktionen, wenn die Überlassung gerade nicht nur vorübergehend erfolgt.

Die ebenfalls durch Umsetzung der Richtlinie neu eingeführte „Drehtürklausel“ in § 3 I Nr. 3 S. 4 AÜG besagt, dass Beschäftigte der Stammbelegschaft dann nicht entlassen (oder nicht weiterbeschäftigt) und sogleich als Leiharbeitnehmende zu schlechteren Bedingungen eingestellt werden dürfen, wenn zwischen Entlassung und Neueinstellung weniger als sechs Monate liegen. Ein Ausbildungsverhältnis fällt allerdings hier nicht unter die vorherige Beschäftigung.

§ 10 IV S. 1 AÜG normiert den Equal-Pay- und Equal-Treatment-Grundsatz. Hierbei geht es um das Recht der Leiharbeitsbeschäftigten, gleiche Entlohnung und die gleichen wesentlichen Arbeisbedingungen verlangen zu können, wie für die Stammbelegschaft beim Entleihbetrieb üblich. Ausdrücklich sind Abweichungen von diesen Grundsätzen jedoch dann erlaubt, wenn sie in Tarifverträgen festgelegt wurden. Unterschreiten die Tarifverträge jedoch die durch Rechtsverordnung erlassenen Lohnuntergrenzen von 7,89 € im Westen und 7,01 € im Osten Deutschlands, können die Leiharbeitsbeschäftigten gemäß § 10 IV S. 3 AÜG vom Verleihbetrieb gleiche Entlohnung wie die Stammbelegschaft beim Entleihbetrieb verlangen. (3)




(1) Wank, in: ErfK, 12. Auflage 2012, Einl. AÜG Rn. 12a.
(2) Richtlinie 2008/104/EG.
(3) Vgl.: Grünberg, AiB 2012, 176 (176).

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