Praxisblätter für Betriebsräte und Aufsichtsräte

Ganzheitliche Produktionssysteme (GPS)

Bei einem Ganzheitlichen Produktionssystem (GPS) sind die Teilsysteme der industriellen Produktion – von der Produktionsplanung bis zum Versand der Produkte – aufeinander abgestimmt. GPS sind Teil eines umfassenden Rationalisierungskonzeptes zur Reduzierung der Kosten, Erhöhung der Produktivität und damit Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Sie sollen übersichtliche Strukturen und eine Abstimmung der Prozesse gewährleisten. Als Vorbild gilt das Toyota Produktionssystem (TPS). GPS haben aber nicht nur in den großen Industrieunternehmen, sondern auch in kleinen und mittelständischen Betrieben Verbreitung gefunden.

Sie sind im Prinzip nicht neu, sondern vereinen bekannte, auf Einzellösungen basierende komplexe und zum Teil widersprüchliche Reorganisationsprozesse aus den 1990er Jahren und gewährleisten damit eine ganzheitliche Betrachtung.

Trotz vielfältiger Ausgestaltungen dieses Produktionssystems in den Betrieben gelten grundlegende Ziele, die die Basis für alle Varianten darstellt:

  • Reduzierung von Verschwendung im Produktionsprozess 
  • Prozessorientierung entlang der Wertschöpfungskette 
  • Visualisierung und Standardisierung von Arbeitsschritten

Tayloristische Arbeitsformen (kurze Taktzeiten) und partizipative Verfahren wie Gruppenarbeit oder KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) können dabei zur gleichen Zeit zum Einsatz kommen. Dadurch ergeben sich neue Anforderungen für die Beschäftigten und die betriebliche Interessenvertretung.

Es gibt bisher keine verlässlichen Angaben zur Verbreitung von GPS und zu möglichen Effekten auf Arbeitsorganisation und Beschäftigte. Ein GPS wird unternehmensspezifisch gestaltet und eingesetzt, sodass sich die Methoden in ihrer Art, Häufigkeit und Ausgestaltung unterscheiden. Das bedeutet auch, dass sich keine allgemeingültigen Wirkungen auf die Beschäftigten ableiten lassen.

Bekannte Grundelemente von GPS sind unter anderem Gruppen- oder Teamarbeit und KVP.

Aufgrund der im Betriebsverfassungsgesetz geregelten Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates eröffnen sich vielfältige Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte im Rahmen der Einführung neuer Produktionssysteme:

Ganzheitliche Produktionssysteme“ von Bettina Seibold, Martin Schwarz-Kocher und Rainer Salm
Im Rahmen unterschiedlichster Reorganisationsprojekte verbreiten sich ganzheitliche Produktionssysteme (GPS) und Lean-Konzepte in Unternehmen. In den letzten Jahren erfolgte vermehrt die Übertragung der Lean-Ansätze auf indirekte Bereiche von Unternehmen, auf Dienstleistungsunternehmen und den öffentlichen Sektor. Es besteht die Gefahr, dass sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verschlechtern - wenn sich Betriebsräte nicht um die Einführung und Umsetzung kümmern. Die vorliegende Auswertung von Betriebs- und Dienstvereinbarungen zeigt die Spannweite der zu regelnden Themen, Spielräume für Betriebsräte und Beschäftigte sowie zwingend zu berücksichtigende Aspekte bei der arbeitsorientierten Gestaltung von GPS und Lean-Konzepten. Fünf betriebliche Fallstudien zeigen neue Herangehensweisen von Betriebsräten
weitere Informationen

Neues Produktionssystem – flexible Standards, gute Arbeit? (Bewertungsraster für Betriebsräte)
Mit der Broschüre der Technologieberatungsstelle beim DGB NRW können Betriebsräte und Beschäftigte eine Bewertung vornehmen, ob das eigene Ganzheitliche Produktionssystem (GPS) den Vorstellungen von „Guter Arbeit“ folgt. Arbeitsbedingungen, Ergonomie der Arbeitsplätze, Beteiligung der Beschäftigten, Qualifizierung kommen in den Unternehmenskonzepten nicht vor oder viel zu kurz. Das Bewertungsraster lässt sich auf ein bestehendes GPS genauso wie auf ein entstehendes anwenden. Dabei werden einzelne GPS-Elemente aus Sicht des Betriebsrates und der Beschäftigten  unter die Lupe genommen. So können eigene Vorschläge erarbeitet und der Faktor „Gute Arbeit“ in das GPS aufgenommen werden.
Broschüre TBS (pdf)

GPS-Check – Ein Instrument zur Beurteilung von ganzheitlichen Produktionssystemen 
Die Arbeitshilfe der IG Metall für betriebliche Interessenvertreter stellt ein praxistaugliches Instrument vor, mit dem sich das Produktionssystem im eigenen Betrieb planen, beurteilen und verbessern lässt. Es ergänzt die rein betriebswirtschaftliche Grundlage eines GPS mit einem gewerkschaftlichen Konzept, das vor allem Kriterien einer menschengerechten Arbeitsgestaltung einbezieht. Der Check ermöglicht die Beurteilung von Gestaltungsfeldern mit den stärksten Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechten für Betriebsräte. Im Wesentliche geht es dabei um den Gestaltungsprozess, die Arbeitsgestaltung, Entgelt- und Leistungsbedingungen, Qualifizierung und Sozialverträglichkeit. (2014)
Arbeitshilfe der IG Metall (pdf)

Produktionssysteme alternsgerecht gestalten – Arbeitshilfe für betriebliche Interessenvertretungen
Die Broschüre des Funktionsbereichs Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik der IG Metall zeigt Möglichkeiten, wie es auch unter den schwierigen Bedingungen Ganzheitlicher Produktionssysteme gelingen kann, eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung zu realisieren. Betriebsräte werden mit vielen Beispielen und Empfehlungen durch alle Phasen von der Strategieentwicklung und Diagnose über die Planung bis hin zur Umsetzung von Maßnahmen geführt. Im Mittelpunkt stehen realisierbare Teilschritte und flexibel kombinierbare Bausteine (2013).
Arbeitshilfe der IG Metall (pdf)

"Gute Arbeit" durch KVP? KVP-Workshops zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen nutzen
Diese Handlungshilfe für Betriebsräte gibt anhand von Beispielen Antworten auf neue Herausforderungen, die mit der Einführung Ganzheitlicher Produktionssysteme verbunden sind. Ein thematischer Fokus liegt dabei auf der Qualität der Arbeitsbedingungen (QAB). Sie liefert einen strategischen Ansatz „gute Arbeit“ in KVP-Workshops zu sichern und direkte Teilhabe der Beschäftigten und Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates in Einklang zu bringen. (2012)
Handlungshilfe des IMU Instituts (pdf)

Produktionssysteme mit Alternativen – bessere Arbeitsbedingungen gestalten
Eine Handlungshilfe für Betriebsräte basierend auf Erfahrungen von Betriebsräten, Hauptamtlichen der Gewerkschaft und Berater/innen. Berichtet wird über Stolpersteine und Erfolgsfaktoren bei der Mitgestaltung neuer Produktionssysteme. Dabei geht es ganz konkret um Mitbestimmungsthemen wie Qualifikation, Personaleinsatz, Teamarbeit und Eingruppierung. Es gibt zudem eine tabellarische Übersicht, in der die wichtigsten Rechte des Betriebsrates nach dem BetrVG bei einer Veränderung des Produktionssystems dargestellt werden (inklusive Glossar zu GPS). (2011)
Handlungshilfe des IG Metall Bezirks NRW (pdf)

Produktionssysteme gestalten – Der Mensch macht den Unterschied
5. industriepolitisches Memorandum der IG Metall NRW
Diese Broschüre liefert Betriebsräten Ansatzpunkte für ein ‚beteiligungsorientiertes Wertschöpfungssystem‘. Es beschreibt die sieben typischen Fallen rund um die Einführung eines neuen Produktionssystems und Prüfschritte zu ihrer Vermeidung in Form von Fragen. Bei den sieben typischen Fallen handelt es sich um: Strategiefalle, Nachhaltigkeitsfalle, Pauschalisierungsfalle, Erstarrungsfalle, Steuerungsfalle, Schlechte-Arbeit-Falle und Konfliktbearbeitungsfalle. Zum Beispiel lässt sich im Rahmen der Erstarrungsfalle die Gewichtung der Rolle der Standardisierungsbemühungen auf der einen Seite und menschlicher Lösungsfähigkeit und Erfahrung auf der anderen Seite prüfen. (2011)
Memorandum zum Download (pdf)

Archiv Betriebsvereinbarungen
Die Hans-Böckler-Stiftung pflegt den größten Bestand an Betriebsvereinbarungen in Deutschland. Aktuell sind über 14.000 Betriebs- und Dienstvereinbarungen dokumentiert. Auf der Internetseite des Archivs finden sich zahlreiche Textbausteine als Hilfsmittel für die Formulierung von Betriebsvereinbarungen Arbeitsorganisation, Arbeitsschutz und weiteren Themen, die bei der Einführung und Gestaltung eines GPS von Bedeutung sind.
Archiv Betriebliche Vereinbarungen

Menschengerechte Arbeit in der Produktion erfolgreich durchsetzen
Die Einführung Ganzheitlicher Produktionssysteme (GPS) nimmt kontinuierlich zu. Die nun vorliegende Studie zeigt  die wesentlichen Elemente von GPS. Weiterhin stellt sie die Handlungsmöglichkeiten für  betriebliche Mitbestimmungsträger dar.
Studie der IGBCE (pdf)   

Produktionssysteme als Herausforderung – Meilensteine setzen, Richtung (mit)bestimmen, Erfahrung nutzen
Die Dokumentation einer Fachtagung der TBS gGmbH Rheinland-Pfalz und des DGB beinhaltet gewerkschaftliche Positionen der IG Metall und der IG BCE zu GPS sowie Praxisberichte von Betriebsräten verschiedener Industriebetriebe (2012).
Download (pdf)

Alternsgerechte Arbeitsgestaltung in ganzheitlichen Produktionssystemen
Detlef Gerst vom IG Metall Vorstand macht auf die negativen Folgen der Implementierung eines GPS wie beschleunigte Produktionsprozesse, verringerte zeitliche Spielräume, zunehmende Standardisierung und Dequalifizierung von Arbeit aufmerksam. In diesem Zusammenhang stellt er den von den Unternehmen geforderten „olympiareifen Belegschaften“ die Erfordernisse einer alternsgerechten Arbeitsgestaltung gegenüber.
Download (pdf)

IG Metall Seminar: Produktionssysteme
Lean Management, GPS und das Toyota-Produktionssystem – Arbeit soll effizienter gestaltet werden. Damit die Arbeits- und Leistungsbedingungen aber ebenso gut bleiben, müssen Betriebsräte und Ingenieure/Ingenieurinnen gut informiert sein. Darum geht es im Seminar "Produktionssysteme".
Weitere Informationen zum Seminar

Ganzheitliche Produktionssysteme beteiligungsorientiert und menschengerecht mitgestalten
Beim Vorstand der IG Metall wurde die Task-Force „Krisenintervention“ eingerichtet, die ein umfangreiches Angebot an Beratung, Qualifizierung und Prozessbegleitung bereitstellt. Ziel ist es, in den Unternehmen anstelle von „Billiger-Strategien“ solche Konzepte zum Zuge kommen zu lassen, die darauf zielen, „besser und intelligenter“ zu produzieren. 
Zum Newsletter (pdf)

Produktionssysteme sind gestaltbar – Von Lean Production zu Produktionssystemen: analytische Perspektiven und eine Fallstudie (pdf) (Mitteilungen aus dem SOFI, 18/2013).

Die Broschüre stellt neue Arbeitskonzepte wie GPS als Instrument zur Verbesserung der Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Beschäftigten dar und macht auf die daraus resultierenden gesundheitlichen Gefährdungen aufmerksam. Die Information zeigt, dass Innovationsprozesse von Betriebsräten arbeitnehmerorientiert mitgestaltet, Vorteile ausgebaut und Nachteile abgemildert werden können. Sie enthält zudem Checklisten zu den Themen Innovationsprozesse, Betriebsklima und Führung sowie eine tabellarische Kurzübersicht ausgewählter Rechtsgrundlagen zur Gestaltung der Arbeitsorganisation. IG BCE-Broschüre: Informationen für Betriebsräte „Zeitdruck und Leistungsdichte“ (pdf)

Inhaltsverzeichnis und Vorbemerkung zur VDI-Richtlinie 2870: Ganzheitliche Produktionssysteme. Grundlagen, Einführung und Bewertung (Entwurf) (pdf)
Bestellmöglichkeit VDI-Richtlinie 2870 GPS

Die Technologieberatungsstelle (TBS) informiert auf ihren Seiten zum Thema: Ganzheitliche Produktionssysteme

Forschungsprojekte der Hans-Böckler-Stiftung

Lean im Büro
Die Arbeitswelt im modernen Büro hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Auch in der Kopfarbeit sind Standardisierung, Prozessorientierung oder die permanente Reorganisation und Rationalisierung von Arbeit keine Fremdwörter mehr. Diese Entwicklung bekommt aktuell eine neue Wendung: Sie kulminiert in dem Trend, nun auch die Prinzipien der "Lean Production" auf die Kopfarbeit zu übertragen (Projektende Mai 2015).
Zur Projektbeschreibung

Ganzheitliche Produktionssysteme
Das Projekt untersucht den Verbreitungsstand und die Verbreitungsdynamik von GPS. Ziel ist es, die Diskussion über GPS um belastbare Daten zur Verbreitung im deutschen Verarbeitenden Gewerbe und eine empirische Typologie zu ergänzen sowie die Folgewirkung solcher Ansätze, insbesondere für die Beschäftigten, in den Blick zu nehmen (Projektende: Juli 2014).
Zur Projektbeschreibung

Neue Formen von Industriearbeit
Das Projektvorhaben richtet sich auf die Formen und Strukturen von Ganzheitlichen Produktionssystemen (GPS) als neues Rationalisierungsparadigma der Wirtschaft und auf begründete Aussagen über die Zukunft von Industriearbeit am Standort Deutschland. Anhand mehrerer Unternehmensbeispiele werden Einführungsprozesse, Arbeitsfolgen und arbeitspolitische Konsequenzen untersucht (Projektende: März 2014).
Zur Projektbeschreibung


zurück

Kontakt

Dr. Oliver Emons
Tel.: 0211 - 7778 165
Mail an Dr. Oliver Emons senden
Praxisblätter - Wissen für Betriebs- und Aufsichtsräte

Praxisblätter - Wissen für Betriebs- und Aufsichtsräte

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Dieses Portal verwendet Cookies zur Optimierung der Browserfunktion. Die Cookie-Einstellungen für diese Website sind auf „alle Cookies zulassen“ festgelegt. Wenn Sie fortsetzen bzw. diesen Hinweis schließen, ohne Ihre Einstellungen zu ändern, stimmen Sie diesen zu.



Mehr Informationen zu Cookies