Arbeitslosigkeit

Erwerbstätige Frauen und Männer im SGB II 2007 – 2017

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Mehr erwerbstätige Frauen als Männer müssen ihr Erwerbseinkommen durch Arbeitslosengeld II (ALG II) aufstocken.

Der Anteil der Erwerbstätigen unter den Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, ist bis 2012 gestiegen, verharrte dann auf hohem Niveau und ist seit 2014 leicht rückläufig. Der Rückgang der Zahl der Minijobber/innen im SGB II dürfte zu einem Teil durch die Einführung des Mindestlohns erklärbar sein, einige der erwerbstätigen Leistungsbeziehenden haben aber auch ihr Beschäftigungsverhältnis verloren.(1)

Während im Januar 2007 ca. jede fünfte erwerbsfähige Frau mit ALG II-Leistungsbezug einer Erwerbstätigkeit nachging, traf dies in den Jahren 2011 bis 2013 auf nahezu jede dritte ALG II-Beziehende zu. Bei den Männern ist der Anteil derjenigen, die Erwerbseinkommen mit Transfereinkommen kombinieren müssen, niedriger.

Auch in absoluten Zahlen betrachtet beziehen mehr erwerbstätige Frauen als erwerbstätige Männer ALG II. Bei den Frauen stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Leistungsbezug des SGB II von 573.000 im Januar 2007 auf 756.000 im Juni 2010 und verharrte bis 2014 auf einem Niveau von über 700.000. Im März 2017 lag die Zahl bei 615.000.

Bei den Männern stiegen die Zahlen der erwerbstätigen ALG II-Bezieher von 521.000 im Januar 2007 auf 657.000 im Sommer 2010 und liegen Anfang 2017 mit ca. 538.000 deutlich unter dem Niveau der Frauen.

Dass Frauen unter den erwerbstätigen ALG II-Beziehenden überwiegen, dürfte zum einen mit ihrem hohen Anteil in Minijobs zusammenhängen, in denen nur geringe Entgelte erwirtschaftet werden. Zum anderen dürften sich auch die hohen Zahlen der weiblichen Alleinerziehenden niederschlagen. Alleinerziehende können im Vergleich zu Singles bei gleichem Erwerbseinkommen häufiger hilfebedürftig werden, da der finanzielle Bedarf des Haushaltes aufgrund zu versorgender Kinder größer ist.

Die Kombination von Arbeitslosengeld II und Erwerbstätigkeit ist sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern in Ostdeutschland häufiger als in Westdeutschland. In Ostdeutschland waren im März 2017 mit 29 Prozent mehr als ein Drittel der ALG IIEmpfängerinnen
erwerbstätig, in Westdeutschland war dieser Anteil mit 27 Prozent etwas niedriger.

Die höheren Anteile der erwerbstätigen „Aufstocker/innen“ in Ostdeutschland erklären sich vor allem aus den tendenziell schlechteren Einkommensbedingungen in Ostdeutschland.


Bearbeitung: Dr. Peter Sopp, Dr. Alexandra Wagner


Literatur


I. Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2010): Grundsicherung für Arbeitsuchende: Erwerbstätige Arbeitslosengeld II-Bezieher: Begriff, Messung, Struktur und Entwicklung, Nürnberg, März 2010.

Bundesagentur für Arbeit. Statistik (Mai 2015): Methodenbericht. Erwerbstätige Arbeitslosengeld II-Bezieher: Anpassung bei Messung und Datenquelle, Nürnberg.

Bundesagentur für Arbeit (2014): Hintergrundinformation. Neue Ergebnisse zu sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitslosengeld II-Beziehern in Vollzeit und Teilzeit, Nürnberg.

Vom Berge, Philipp / Weber, Enzo (2017): Minijobs wurden teilweise umgewandelt, aber auch zulasten anderer Stellen. IAB-Kurzbericht 11, Nürnberg.

Bruckmeier, Kerstin / Wiemers, Jürgen (2016): Entwicklung der Zahl der Aufstocker nach Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015, IAB Aktuelle Berichte Nr. 10, Nürnberg.

Bruckmeier, Kerstin / Eggs, Johannes / Sperber, Carina / Trappmann, Mark / Walwei, Ulrich (2015): Arbeitsmarktsituation von Aufstockern: Vor allem Minijobber suchen nach einer anderen Arbeit. IAB-Kurzbericht Nr. 19, Nürnberg.

Bruckmeier, Kerstin / Wiemers, Jürgen (2014): Die meisten Aufstocker bleiben trotz Mindestlohn bedürftig. IAB-Kurzbericht Nr. 7, Nürnberg.

Dingeldey, Irene / Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2012): Governance des Einkommensmix: Geringfügige Beschäftigung im ALG II-Bezug, in: WSI-Mitteilungen 1/2012, S. 32-40.


(1) Vgl. detaillierter: Bruckmeier / Wiemers 2016 und vom Berge / Weber 2017

Datentabellen zu den Grafiken

 




 


 


 


 







Methodische Anmerkungen

Die Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende basiert auf Prozessdaten der Jobcenter, d. h. auf den Daten der IT-Verfahren zur Gewährung der Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II.

In den gemeinsamen Einrichtungen (gE) wird das Fachverfahren ALLEGRO eingesetzt. Zugelassene kommunale Träger (zkT) verwenden eigene IT-Verfahren und übermitteln ihre Einzeldaten gemäß § 51b SGB II über den vereinbarten Datenstandard XSozial-BA-SGB II. Eine zuverlässige Differenzierung nach Einkommen aus Erwerbstätigkeit ist für Daten der gemeinsamen Einrichtungen ab dem Berichtsmonat Januar 2007, für Daten der zugelassenen kommunalen Träger ab Juni 2009 möglich. Fehlende oder unvollständige Informationen werden ab der Ebene der Bundesländer
durch ein lineares Hochrechnungsverfahren ausgeglichen.

Erwerbstätige
Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes gelten als Erwerbstätige „Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die im Berichtszeitraum wenigstens eine Stunde für Lohn oder sonstiges Entgelt irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (…), selbstständig ein Gewerbe oder Landwirtschaft betreiben oder einen Freien Beruf ausüben.“ Die Erwerbstätigen umfassen damit Selbständige, mithelfende Familienangehörige und abhängig Beschäftigte sowie geringfügig Beschäftigte. Die hier dargestellten Ergebnisse beziehen sich bei einer oder mehreren Tätigkeiten auf die Haupterwerbstätigkeit. Nach diesem Konzept gelten auch alle Personen mit einer geringfügigen Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherungsregelungen als erwerbstätig. Dies gilt auch für Personen, die aufgrund von Krankheit, Mutterschutz oder Elternzeit vorübergehend nicht arbeiten.

Arbeitslosengeld
Das Arbeitslosengeld II (ALG II) ist keine Versicherungsleistung, sondern eine steuerfinanzierte Leistung zur Grundsicherung des Lebensunterhaltes nach SGB II (Grundsicherung
für Arbeitsuchende).

Anspruch auf ALG II haben erwerbsfähige und hilfebedürftige Personen im Alter von 15 Jahren bis zur Erreichung der Regelaltersgrenze (für den Eintritt in Altersrente) sowie Personen, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft
leben. Ursächlich für den Leistungsbezug im SGB II ist ein (bezogen auf die Bedarfsgemeinschaft) zu niedriges Einkommen.

Erwerbstätige erwerbsfähige Leistungsberechtigte
Erwerbstätige erwerbsfähige Leistungsberechtigte sind erwerbsfähige Regelleistungsberechtigte in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, die Arbeitslosengeld II beziehen und zugleich über zu berücksichtigendes Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit (Bruttoeinkommen) und/oder über verfügbares Einkommen aus selbständiger Tätigkeit (Betriebsgewinn) verfügen.

Einkommensbegriffe im SGB II
Die Gewährung des Arbeitslosengeldes II ist abhängig von der Bedürftigkeit der Bedarfsgemeinschaft. Einnahmen werden bei der Bedürftigkeitsprüfung berücksichtigt. Die Summe der in die Prüfung einfließenden Einkommen wird als zu berücksichtigendes Einkommen bezeichnet. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben sowie Betriebsausgaben bei Selbständigen verbleibt das verfügbare Einkommen. Das um Absetzungs- bzw. Freibeträge verminderte verfügbare Einkommen wird als anrechenbares Einkommen bezeichnet. Die Identifikation von erwerbstätigen Arbeitslosengeld II-Beziehenden erfolgt auf Basis des zu berücksichtigenden Einkommens aus abhängiger und/oder selbständiger Erwerbstätigkeit auf Personenebene.

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