Böckler Impuls Ausgabe 06/2012

Konjunktur

Wachstum hängt am privaten Konsum

Die Krise im Euroraum, die strikte Sparpolitik und der wirtschaftliche Einbruch in zahlreichen EU-Ländern machen der deutschen Wirtschaft schwer zu schaffen. Die Konjunktur hängt am privaten Konsum.

Ein Miniwachstum von 0,3 Prozent in diesem Jahr, 0,7 Prozent 2013: In ihrer neuen gemeinsamen Konjunkturprognose gehen das IMK, das OFCE aus Paris und das Wiener WIFO-Institut davon aus, dass die tiefe Krise wichtiger europäischer Partner die deutsche Wirtschaft ausbremst. „Die übertrieben harte Sparpolitik bei vielen unserer Handelspartner, die durch den Fiskalpakt praktisch auf die gesamte EU übertragen wird, trifft uns schwer“, sagt Gustav Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. „Alle Hoffnungen, dass sich Deutschland durch seine Exporte nach Übersee von der Entwicklung im Euroraum abkoppeln könnte, sind Illusionen.“ Zumal die Konjunktur auch in Asien und Lateinamerika an Dynamik verliere – nicht zuletzt, weil sich dort die geringere Nachfrage aus Europa bemerkbar macht.

Rezession im Euroraum. Dabei liegt Deutschland mit seiner stagnativen Entwicklung nach Voraussage der drei Institute noch deutlich über dem Euroland-Durchschnitt: Da nicht nur die südeuropäischen Krisenländer 2012 wirtschaftlich schrumpfen, sondern beispielsweise auch die Niederlande oder Belgien, sehen die Wissenschaftler die Währungsunion als Ganze in einer hartnäckigen Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt wird demnach im Jahresdurchschnitt 2012 um 0,8 Prozent sinken. 2013 schrumpft es erneut um 0,5 Prozent. Das schlägt kräftig auf das Wachstum der deutschen Ausfuhren zurück, ebenso auf die Investitionen.

Arbeitsmarkt robust. Der zentrale wirtschaftliche Stabilisierungsfaktor ist daher vor allem 2012 der private Konsum. Er nimmt laut Prognose moderat zu – vorausgesetzt, inflationsbereinigt steigen die Löhne und Gehälter spürbar. Robust ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt: Trotz der schwachen Konjunktur rechnen IMK, OFCE und WIFO damit, dass die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr noch einmal leicht sinkt und 2013 stabil bei einer Quote von 6,8 Prozent bleibt.

Die Institute gehen davon aus, dass sich die Staatsschuldenkrise im Euroraum vorerst nicht zuspitzen wird. Voraussetzung dafür: Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse ihre erfolgreiche Strategie fortsetzen, Banken günstige Liquidität zur Verfügung zu stellen und weiterhin Staatsanleihen am Markt kaufen können, um die Zinsentwicklung zu dämpfen. Die Wissenschaftler warnen vor einen Kurswechsel: Jüngste Versuche von Politikern und einzelnen nationalen Notenbankern, die EZB an einer Fortsetzung der hohen Liquiditätsbereitstellung zu hindern, seien „sehr gefährlich“.

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Quellen

IMK, OFCE und WIFO: Fiskalpakt belastet Euroraum – Gemeinsame Diagnose des Makro-Konsortiums (pdf), IMK Report 71, März 2012


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