Arbeitszeiten

Immer weniger Frauen und Männer arbeiten in Vollzeit

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Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten – hier verstanden als abhängig Beschäftigte mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 36 und mehr Stunden – unter allen abhängig Beschäftigten ist in Deutschland in den letzten 20 Jahren bei Frauen wie Männern zurückgegangen.

  • Bei den Männern sank die Quote der Vollzeitbeschäftigten zwischen den Jahren 1991 und 2011 um 13 Prozentpunkte. Dennoch arbeiten auch im Jahr 2011 noch vier von fünf abhängig beschäftigten Männern in Vollzeit.
  • Frauen waren und sind deutlich weniger in Vollzeit beschäftigt als Männer. Im Jahr 1991 waren zwei Drittel der abhängig beschäftigten Frauen in Vollzeit tätig - im Jahr 2011 trifft dies dagegen nur noch auf knapp die Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen zu. Zwischen 1991 und 2011 nahm der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen um rund 20 Prozentpunkte ab.

Der deutliche Rückgang der Vollzeitbeschäftigung von Frauen geht u. a. auch darauf zurück, dass im Zuge erweiterter Frauenerwerbstätigkeit Teilzeitbeschäftigung und insbesondere kurze oder marginale Teilzeit gestiegen ist.

Westdeutschland und Ostdeutschland unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich des Anteils an vollzeitbeschäftigten Frauen:

  • Die Veränderung des Anteils der Vollzeitbeschäftigten in Westdeutschland im Zeitraum 1991 bis 2011 entspricht weitgehend der Entwicklung in Gesamtdeutschland. Im Jahr 2011 ist in Westdeutschland die Vollzeitquote von Männern 1,8-mal höher als jene von Frauen.
  • Auch in Ostdeutschland ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten in den letzten 20 Jahren gesunken - sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern.
  • Der Anteil an Vollzeitbeschäftigten unter den Frauen in Ostdeutschland fällt jedoch im gesamten Beobachtungszeitraum durchgängig höher aus als in Gesamtdeutschland. Im Jahr 2011 ist in Ostdeutschland die Vollzeitquote von Männern 1,5-mal höher als jene von Frauen.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sonja Weeber; Lena Oerder (Recht)

Datentabellen
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Grundlage der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ist eine laufende, amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Mikrozensuserhebung wird auf der Basis einer 1-Prozent-Haushaltsstichprobe jährlich durchgeführt. Der Mikrozensus stellt u. a. Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushalten und Familien, zur Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit sowie zu Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen zur Verfügung. Die Grundgesamtheit ist die Wohnbevölkerung in Deutschland, damit werden Personen ohne festen Wohnsitz nicht berücksichtigt. Ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus werden regelmäßig in den Fachserien des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht. Auch die hier vorliegenden Ergebnisse basieren auf Daten, die jährlich in einer Fachserie (Fachserie 1 Reihe 4.1.1 „Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland“) veröffentlicht werden. (1)

Bis einschließlich zur Erhebung 2004 bezogen sich die Angaben des Mikrozensus auf eine feste Berichtswoche für alle Befragten, die zumeist im April eines Jahres lag. Seit 2005 erfolgt die Erhebung des Mikrozensus nach dem Prinzip der Unterjährigkeit, d. h. die Befragung erfolgt über alle Wochen des Jahres verteilt. Mit der veränderten Erhebung können methodisch bedingte Veränderungen der Werte einhergehen. (2)

Die zugrundeliegende normalerweise geleistete Arbeitszeit zielt eher auf durchschnittliche Werte ab und unterliegt daher nicht so starken Schwankungen wie die ebenfalls erfasste tatsächliche Arbeitszeit, mit welcher nur die Arbeitsstunden der vorangegangenen Woche erfasst werden. Die seit 2005 praktizierte unterjährige Erhebung erfasst verstärkt solche Tätigkeiten, die deutliche Jahresschwankungen aufweisen (z. B. saisonale Beschäftigungen). Dies kann auch die normalerweise geleistete Arbeitszeit beeinflussen, weil dadurch saisonale Beschäftigungen mit sehr kurzen, aber auch mit sehr langen Arbeitszeiten stärker berücksichtigt werden.

Ab 2005 werden Berlin (West) und Berlin (Ost) zusammen als ein Gebiet erfasst und - statt wie bis 2004 nur Berlin (Ost) - insgesamt den neuen Bundesländer zugerechnet. Durch diese Veränderung ist eine Vergleichbarkeit von nach Ost und West differenzierten Daten vor und nach dieser Umstellung nur bedingt gegeben. (3)

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2012): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1, Reihe 4.1.1.

(2) Vgl. Statistisches Bundesamt (2012): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1, Reihe 4.1.1.

(3) Vgl. Statistisches Bundesamt (2006): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1, Reihe 4.1.1, Band 1: Allgemeine und methodische Erläuterungen.

Vollzeitbeschäftigte:
Als Vollzeitarbeit wird eine Erwerbstätigkeit mit normaler Arbeitszeitdauer bezeichnet, die meist kollektivrechtlich vereinbart wird. In Branchen mit Tarifverträgen handelt es sich um die tarifliche Arbeitszeit, außerhalb des Geltungsbereichs von Tarifverträgen um die betriebsübliche, oft in Betriebsvereinbarungen festgelegte Arbeitszeit. Die Vollzeitarbeit bewegt sich in Deutschland in der Regel zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche, bzw. zwischen 40 und 42 Stunden für Landes- und Bundesbeamte.
Die vorliegenden Analysen basieren auf tabellarischen Ergebnissen zur normalerweise geleisteten Arbeitszeit aus der Fachserie 1 Reihe 4.1.1. Aufgrund datentechnischer Restriktionen können bei den Zeitreihen mit den Daten der Fachserie nur jene Personen als Vollzeitbeschäftigte erfasst werden, die eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 36 Stunden angegeben haben.

Arbeitszeit (normalerweise geleistete Arbeitszeit):
„Im Mikrozensus wird die normalerweise geleistete Arbeitszeit je Woche und die tatsächlich geleistete Arbeitszeit in der Berichtswoche erhoben. Bei der normalerweise geleisteten Arbeitszeit je Woche werden gelegentliche oder einmalige Abweichungen nicht berücksichtigt (z.B. Urlaub, Krankheit, gelegentlich geleistete Überstunden). Die ,normale‘ Arbeitszeit kann von der tariflich vereinbarten Arbeitszeit abweichen, wenn regelmäßig wöchentlich Überstunden geleistet werden. Die (…) dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf normalerweise (…) geleistete Arbeitszeiten aus der einzigen bzw. Haupterwerbstätigkeit.“ (1)

Abhängig Beschäftigte:
„Abhängig Beschäftigte sind Beamte/-innen, Angestellte, Arbeiter/- innen sowie Auszubildende, die ihre Haupttätigkeit auf vertraglicher Basis für einen Arbeitgeber in einem abhängigen Arbeitsverhältnis ausüben und hierfür eine Vergütung (Arbeitnehmerentgelt: Lohn bzw. Gehalt) er halten. (…) Als abhängig Beschäftigte gelten auch Personen, die vorübergehend nicht arbeiten, sofern sie formell mit ihrem Arbeitsplatz verbunden sind (z. B. Urlauber, Kranke, Streikende, Ausgesperrte, Mutterschafts- und Elternurlauber, Schlechtwettergeldempfänger usw.).“ (2)

 


(1) Statistisches Bundesamt (2012): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, (Fachserie 1 Reihe 4.1.1), S. 7.

(2) Statistisches Bundesamt (2012): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, (Fachserie 1 Reihe 4.1.1), S. 6.

Begriff der Teilzeit:
Was aus rechtlicher Sicht unter teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmer/innen zu verstehen ist, definiert § 2 I 1 das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) (1). Danach ist keine bestimmte Stundenzahl entscheidend. Vielmehr kommt es darauf an, dass Teilzeitbeschäftigte eine geringere regelmäßige Arbeitswochenzeit haben, als ihre in Vollzeit arbeitenden Kollegen/innen im Unternehmen. Von der "normalen" Teilzeit nach dem TzBfG ist die Altersteilzeit zu unterscheiden. Letztere kommt für Beschäftigte ab dem 55. Lebensjahr in Frage, die ihre Arbeitszeit um die Hälfte der bisherigen Arbeitszeit verkürzen (§ 2 I Altersteilzeitgesetz (2)).

Der Begriff der geringfügigen Beschäftigung:
Die geringfügige Beschäftigung (auch Minijob) ist in § 8 Sozialgesetzbuch IV (3) geregelt. Hier wird zwischen geringfügig entlohnter und kurzfristiger Beschäftigung unterschieden. Kurzfristige Beschäftigung bedeutet in der Regel, dass ein/e Beschäftigte/r innerhalb eines Jahres nicht länger als zwei Monate oder 50 Tage arbeitet. Geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das Entgelt regelmäßig 400 Euro nicht übersteigt. Dies soll auch dann gelten, wenn aufgrund einer Vertretung der Verdienst einen Monat lang über der 400-Euro-Grenze liegt. Geringfügig entlohnte Beschäftigungen sind nicht sozialversicherungspflichtig, müssen aber der Sozialversicherung gemeldet werden.

Der Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit:
Nach § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (4) (TzBfG) können Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen verlangen, dass ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit reduziert wird. Gründe, warum die Arbeitszeit verringert werden soll, müssen sie nicht angeben. Die Arbeitgeber/innen dürfen dem Gesuch der Beschäftigen nur widersprechen, wenn der Reduzierung der Arbeitszeit betriebliche Gründe entgegenstehen. Es reichen grundsätzlich rationale und nachvollziehbare Gründe aus. (5) Eine Befristung der Arbeitszeitreduzierung ist nach TzBfG nicht möglich.
Eine solch befristete Verringerung der Arbeitszeit kann aber nach § 15 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (6) (BEEG) erfolgen. Danach können sich Arbeitgeber/in und Arbeitnehmer/in einvernehmlich auf eine Reduzierung von in der Regel bis zu 30 Wochenstunden einigen (Vereinbarungslösung). Kommt eine solche Einigung nicht zu Stande, können Beschäftigte den Anspruch geltend machen. Sie haben einen Anspruch auf eine zeitlich begrenzte Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf zwischen 15 und 30 Stunden. Um den Antrag abzulehnen bedarf es dringender betrieblicher Gründe. Sie müssen "zwingende Hindernisse für die beantragte Verkürzung der Arbeitszeit sein." (7) Die Anforderungen sind also höher als beim TzBfG.

Aufstockung der Arbeitszeit:
Einen Anspruch auf Aufstockung der Arbeitszeit kennt das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) nicht. Nach § 9 TzBfG (8) können Teilzeitbeschäftigte aber einen Anspruch auf bevorzugte Berücksichtigung bei Neubesetzung einer Vollzeitstelle haben. Voraussetzung ist also, dass die Arbeitgeber/innen überhaupt einen freien Arbeitsplatz zur Verfügung haben, den sie besetzen wollen. Um die bevorzugte Berücksichtigung abzulehnen, müssen dringende betriebliche Gründe entgegenstehen. Damit sind an die entgegenstehenden Gründe höhere Anforderungen gestellt, als an die zur Ablehnung der Verringerung der Arbeitszeit. Dem Bundesarbeitsgericht zufolge kommen als dringende betriebliche Gründe regelmäßig nur abweichende personelle Auswahlentscheidungen in Frage. (9)
Problematisch an diesem Anspruch ist unter anderem, dass die Beschäftigten die volle Darlegungs- und Beweislast auch für das Vorliegen eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes haben (10), obwohl dies eher der Sphäre der Arbeitgeber/innen zuzurechnen wäre.

 


1. www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__2.html.
2. www.gesetze-im-internet.de/alttzg_1996/__2.html
3. www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__8.html
4. www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__8.html
5. Preis, in: ErfK, § § 8 TzBfG Rn. 24
6. www.gesetze-im-internet.de/beeg/__15.html
7. BAG, Urt. v. 15. 12. 2009 - 9 AZR 72/09 = NZA 2010, 447 (450)
8. www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__9.html
9. BAG, Urt. v. 8. 5. 2007 - 9 AZR 874/06 = NZA 2007, 1349 (1352)
10. Düwell, in: jurisPK-Familie und Beruf, § 9 TzBfG Rn. 71; Preis, in: ErfK, § 9 TzBfG Rn.14

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