Infopaket

Crowdwork, Crowdsourcing, Plattformökonomie

Die Definition von Arbeit gerät in Zeiten des digitalen Kapitalismus ebenso aus den Fugen wie die Formen der Solidarität im Kampf für mehr Rechte. Unser Infopaket bietet einen Überblick.


YouTube, Uber, Lieferando: Immer mehr Menschen arbeiten im Dienst neuartiger digitaler Plattformbetreiber, oft zu schlechten, unsicheren oder intransparenten Bedingungen. Oft tragen sie als Selbstständige große Risiken, obwohl die Arbeit viele Kriterien eines Angestelltenverhältnisses erfüllt.

Initiativen wie „Liefern am Limit“, die Gründung von Betriebsräten bei Essenslieferdiensten und die Initiative einer „YouTubers Union“ zeigen: CrowdworkerInnen fangen an, sich zu organisieren und sind nicht länger bereit, beinahe ohne Rechte und isoliert nach den Spielregeln des neuen Plattformkapitalismus zu arbeiten. Dies ist eine dringend notwendige Entwicklung, denn bislang sind sie oft auf sich allein gestellt und kaum abgesichert. Im Infopaket haben wir aktuelle Artikel und Studien der Stiftung zum Thema zusammengestellt.

Arbeiten für die Plattform: Drei aktuelle Berichte über die Veränderung unserer Wirtschafts- und Arbeitswelt

  • Beispiel Uber: Der Fahrdienstvermittler, der in den USA das autonome Fahren mit vorantreibt, sieht sich in Deutschland als preiswerte und zeitgemäße Alternative zum konventionellen Taxi. Doch sie hat einen Preis: Der Druck auf Arbeitsstandards steigt.
  • Die Beherbergungsbranche klagt über die hohen Provisionen der Buchungsportale. Es besteht die Gefahr, dass die Hoteliers den finanziellen Druck an die Beschäftigten weitergeben.
  • Für ein oder zwei Dollar die Stunde arbeiten Menschen für die Vision des selbstfahrenden Autos. Das könnte ein Vorgriff auf die Arbeitswelt von morgen sein.

Crowdworking und Plattformökonomie – was ist das eigentlich und welche inneren Mechanismen sind dafür charakteristisch? Unsere aktuellen Studien:

  • Hinter dem Sammelbegriff ‚CrowdWorkerInnen‘ steckt eine ganze Bandbreite von Jobs, meist im Internet. Sie reicht von einfachsten Tätigkeiten zum schnellen Nebenverdienst bis hin zu komplexen Projekten. Eine Übersicht.
  • Was sind die Organisationsprinzipien und Funktionsweisen onlinezentrierter Plattformunternehmen? Unsere Studie zeigt am Beispiel Foodora, welche Auswirkungen Apps und Algorithmen auf die praktische Arbeit der angestellten und freien Mitarbeiter hat. Das Ergebnis: Die Möglichkeiten zur Partizipation für Arbeitsanbietende sind meist nur vordergründig niederschwellig angelegt. Und: Es herrscht das Prinzip der Kontrolle durch Technik.
  • Wie organisieren Crowdwork-Plattformen die Partizipation von CrowdworkerInnen in arbeits- und unternehmensbezogenen Themen? Unsere Studie untersuchte sechs Plattformen: Können CrowdworkerInnen sich informieren, melden, diskutieren und abstimmen? Und über welche Inhalte? Das Fazit der Forscher: Partizipation ist auf manchen Plattformen zwar möglich, aber sie ist ausbaufähig.
  • Wird die App zum Boss? Essenslieferanten wie Foodora oder Deliveroo versprechen ihren Fahrern flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten. Tatsächlich herrscht ein ausgefeiltes digitales Kontrollregime.

Welche Rechte haben „Crowdworker“?: Beschäftigung zwischen Selbstständigkeit und Abhängigkeit

  • "Alles hängt am Arbeitnehmerstatus": Die wissenschaftliche Direktorin des HSI, Johanna Wenckebach, erklärt, wie digitale Geschäftsmodelle einen zentralen Rechtsbegriff aushöhlen – und wie man Arbeitskräfte trotzdem absichern kann.
  • Die IG Metall arbeitet neuerdings mit der „Youtubers‘ Union“ zusammen, die die Interessen von Kreativen auf dem Videoportal vertritt. Inzwischen hat die Gruppe mehr als 19.000 Mitglieder. Sie kritisiert, der Konzern aus Kalifornien würde zunehmend wirtschaftlichen Druck auf Youtuber ausüben, dabei extrem intransparent agieren und so womöglich illegal handeln. „Es gibt Indizien, dass Youtuber Arbeitnehmer sind“, sagt Thomas Klebe (HSI) im Interview.
  • Die Arbeitskräfte der Crowd sind oft auf sich allein gestellt, haben wenige Rechte und sind kaum abgesichert. Sie werden von Unternehmen ausgenutzt – das könnte auch reguläre Arbeitsverhältnisse unter Druck setzen.
  • Was bedeutet es, wenn Wissen von Menschen aus aller Welt über das Netz angezapft wird, welche Verantwortung haben die Plattformbetreiber für die Crowdworker und sind Erwerbstätige, die über eine Plattform arbeiten, wirklich Selbständige? Ein Podcast des DGB.
  • Wie lassen sich KlickarbeiterInnen besser absichern? Ein Forscher schlägt ein Modell vor, das sich die Digitalisierung selbst zunutze macht.

Digitale Solidarität: CrowdworkerInnen kämpfen für mehr Rechte

  • Auch wenn solche Plattformen die Möglichkeiten einer flexiblen Beschäftigung erhöhen können, unterwandern sie die traditionelle Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die zur Durchsetzung von Arbeitsgesetzen und Umsetzung der Mitbestimmung erforderlich ist, schreibt Steven Hill in seiner Kolumne auf mitbestimmung.de. Die Vertreter der Arbeitnehmerinteressen müssen deshalb neue Strategien entwickeln.
  • Fahrradkurier Orry Mittenmayer war ein Initiator des ersten Betriebsrats beim Essenslieferdienst Deliveroo und Mitbegründer der branchenübergreifenden Vernetzungsplattform „Liefern am Limit“. Was treibt ihn an? Unser Interview im Magazin Mitbestimmung.
  • Arbeitskämpfe in der Gig-Economy? Anne Degner und Eva Kocher beschreiben in einem Aufsatz die Protestbewegungen der Foodora- und Deliveroo-Rider und Rechtsfragen ihrer kollektiven Selbstorganisation.
  • Vor zwei Jahren initiierte die IG Metall eine Ombudsstelle zur Schlichtung von Streit zwischen Plattformen und ihren Clickarbeitern. Eine Idee, die sich bewährt hat.

Plattformökonomie anschaulich erklärt – Material für den Unterricht


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