Drei Fragen an Dorothea Voss

Pflegenotstand: „Konzertierte Aktion Pflege“ ein wichtiger Schritt

50.000 zusätzliche Pflegekräfte, die teils aus dem Ausland angeworben werden sollen, ein 0,3 Prozent höherer Beitragssatz zur Pflegeversicherung und allgemeinverbindliche Tarifverträge in der Pflege: Das sind die Bausteine der nun von der Bundesegierung geplanten „Konzertierte Aktion Pflege“. Drei Fragen an Dr. Dorothea Voss, Leiterin der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung und Autorin unserer neuen Studie „Aufwertung sozialer Dienstleistungen“:


Leistet die „Konzertierte Aktion Pflege“ eine Aufwertung der sozialer Berufe, die nötig wäre, um dem derzeitigen Pflegenotstand zu beenden?

Ja, das ist ein erster wichtiger Schritt. Positiv zu bewerten ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass es in der Bundesregierung ressortübergreifende Aktivitäten gibt. Denn so besteht die Chance, dass sowohl die nötige Finanzierung berücksichtigt wird, als auch die Qualität der Ausbildung und die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen für alle, etwa durch Tarifverträge.

Pflege-Tarifbeschäftigte in Vollzeit verdienen im Schnitt 422 Euro mehr als ihre Kollegen ohne Tarifvertrag. Arbeitsminister Heil fordert nun einen allgemeinverbindlichen Flächentarifvertrag in der Pflege, doch es kommt bereits Widerstand aus dem Arbeitgeberverband. Wie kommt man da hin?

Das wird nicht ganz einfach, denn es sind viele Akteure an dem Prozess beteiligt. Auch in der Pflege ist es wichtig, dass sich die Gewerkschaften und die Träger und Einrichtungen zunächst eigenständig auf Tarifverträge verständigen und die Tarifautonomie bewahrt wird. Danach sollte der Gesetzgeber, also der Arbeitsminister, dann aber für flächendeckende Standards sorgen. Ohne diese wird die Pflegebranche nicht die notwendige Stabilität bekommen, um die Herausforderungen zu meistern.

„Es muss cool sein, Pflegefachkraft zu sein“ hat Ministerin Giffey als Ziel ausgegeben, und will eine Ausbildungs- und Informationsoffensive starten. Welche Verbesserungen sind hier nötig, um den Pflegeberuf nachhaltig attraktiver zu machen?

Das Wichtigste: Die Arbeit muss leistbar sein und man muss von ihr leben können. Das ist derzeit oft nicht der Fall: Aufgrund von Personalmangel erleben viele Angestellte täglich Überforderung, und dann sinkt die Motivation. Wenn Gehalt und Arbeitszeiten dann auch nicht stimmen, fragen sich natürlich viele, wie lange sie im Pflegeberuf bleiben können und wollen. So verschärft sich der Personalmangel vor Ort immer weiter.

Auch die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten sollten verbessert werden, und das fängt schon bei der Ausbildung an. Dort gibt es derzeit jedenfalls großen Gestaltungsbedarf bei der Sicherung von Qualitätsstandards, denn auch die Ausbildung in den Betrieben leidet unter dem Personalmangel. Die praktische Ausbildung braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Aber es fehlen schlicht Kapazitäten den Pflegekräften von morgen und übermorgen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Wer sich ernsthaft um den Nachwuchs in der Pflegebranche sorgt, sollte vor allem in Aus- und Weiterbildungsstrukturen investieren.

Ansprechpartnerin: Dorothea Voss


Zusatzinfos

Gute Arbeit gegen Pflegenotstand, Böckler Impuls über die aktuelle Studie von Dorothea Voss und Christina Schildmann zum Pflegenotstand 


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