Menschenrechte in Unternehmen

"Gewerkschaften als Initiatoren und Triebkräfte"

"Menschenrechte im Unternehmen durchsetzen" - leichter gesagt als getan. Die gleichnamige neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie beleuchtet die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte als möglichen Hebel für diese Aufgabe. Marc Schietinger, Experte für Strukturwandel, Innovation und Beschäftigung der Hans-Böckler-Stiftung, über die Situation der Beschäftigten in globalen Konzernen und welchen positiven Einfluss auch Arbeitnehmervertreter hierzulande auf die Situation nehmen können.


Die Situation von Arbeitnehmern in der globalen Wirtschaft – darüber hört man zuletzt nicht mehr so viel. Ist die Lage besser geworden oder die Problematik nur aus dem Blick geraten?

In der Tat hört man in letzter Zeit nicht mehr so viel über das Thema. Das liegt sicherlich nicht daran, dass die Situation flächendeckend besser geworden ist. Vielmehr dringen diese Themen immer wieder nur dann in das Bewusstsein der westlichen Welt, wenn sich Katastrophen oder große Unfälle ereignen, wie zum Beispiel der Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes, als mehrere hundert Arbeiterinnen und Arbeiter verschüttet wurden.

Die Verbesserung der Menschenrechte und Arbeitsbedingungen weltweit ist ein sehr langwieriger und zäher Prozess, der immer wieder durch Rückschläge gekennzeichnet ist. Es bleibt eine Daueraufgabe für alle Akteure, hier über verschiedenste Instrumente und Ansätze für Verbesserungen zu sorgen.

Im jetzt erschienenen und von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Buch "Menschenrechte im Unternehmen durchsetzen" geht es um die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Sind die in der Realität ein wirksamer Hebel zur Umsetzung in den Unternehmen?

Wie die Ausführungen in dem Buch zeigen, können die UN-Leitprinzipien ein wirksamer Hebel sein. Neben der Formulierung von klaren Richtlinien und Anforderungen wird dort auch deutlich gemacht, dass Unternehmen eine Verantwortung für Menschen- und Arbeitsrechte haben und diese nicht einfach an die Staaten delegieren können.

Hinzu kommt, dass konkrete Handlungsleitlinien und Verfahren zur Umsetzung formuliert werden. Hervorzuheben sind hierbei die Sicherung von Beschwerdemechanismen sowie die Pflicht zur Wiedergutmachung bei Verstößen gegen die Leitprinzipien. Deutlich wurde aber auch, dass sich die Regularien und Verfahren nicht von alleine durchsetzen, sondern Akteure aus Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften sowie der Politik das Thema aktiv voranbringen müssen.

Welche Rolle können Arbeitnehmer-Vertreter in Deutschland konkret dabei spielen, die Situation zu verbessern?

Arbeitnehmervertretungen können bei der Implementation und Umsetzung der UN-Leitprinzipien eine wichtige Rolle spielen. Sicherlich müssen letztlich die Unternehmen für eine konkrete Umsetzung sorgen. Aber Betriebsräte und Gewerkschaften können die Rolle von Initiatoren und Triebkräften übernehmen. Das ist sehr wichtig, denn letztlich profitieren auch Beschäftigte in Deutschland und der westlichen Welt, wenn überall gute Arbeitsbedingungen vorherrschen.

In der betrieblichen Realität zeigt sich aber leider, dass Betriebsräte sich nicht ausreichend um solche Themen kümmern. Das ist kein böser Wille, sondern vielmehr Ausdruck davon, dass Betriebsräte sich um sehr viele Themen kümmern müssen und daher häufig überlastet sind. Zudem fehlen bei diesen Themen echte Mitbestimmungsrechte im Betriebsverfassungsgesetz und damit ein wirksamer Hebel.


Zusatzinfos

Hadwiger, Felix / Hamm, Brigitte / Vitols, Katrin / Wilke, Peter

Menschenrechte in Unternehmen durchsetzen
Internationale Arbeitnehmerrechte: Die UN-Leitprinzipien als Hebel für Betriebsräte und Gewerkschaften.

Reihe: Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung, Mitbestimmung und wirtschaftlicher Wandel, Bd. 191.
Bielefeld: transcript Verlag 2017, ISBN: 978-3-8376-4179-0;. 237 Seiten

Kostenfreier Download beim transcript Verlag


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