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08.02.2010

Neue Analyse

"Kollegen wie du und ich" - Betriebs- und Personalräte unterscheiden sich nur wenig von anderen Beschäftigten

Ob Bildung oder Berufsstatus - Mitglieder von Betriebs- und Personalräten unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht nur wenig von anderen Beschäftigten. Wichtigste Ausnahmen: Arbeitnehmervertreter sind im Durchschnitt etwas älter und deutlich häufiger Gewerkschaftsmitglieder. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von Dr. Martin Behrens, Forscher am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Jeder zweite Beschäftigte hat einen Betriebs- oder Personalrat an seiner Seite. Voraussetzung dafür ist, dass hunderttausende Freiwillige bereit sind, sich zu engagieren. Wie sieht die typische Personalrätin, der typische Betriebsrat aus? Martin Behrens, WSI-Experte für industrielle Beziehungen, hat das auf Basis einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung von 2008 beleuchtet.

Viele haben Vertretungserfahrung: 17 Prozent der Beschäftigten, in deren Betrieb es eine Arbeitnehmervertretung gibt, sind zum Zeitpunkt der Befragung oder waren schon einmal zuvor in ihrem Arbeitsleben in einem Betriebs- oder Personalrat aktiv. Die Daten legen nahe, dass sich Frauen dabei häufiger auf eine Amtsperiode beschränken als Männer.

Ähnlich bei Bildung und Position: Beim Vergleich mit den übrigen Beschäftigten erweisen sich die Arbeitnehmervertreter überwiegend als "Kollegen wie du und ich". Weder bei der Bildung noch bei der beruflichen Position gibt es größere Unterschiede zu den übrigen Beschäftigten. Sowohl bei den Beschäftigten mit Vertretungserfahrung als auch unter den Beschäftigten, die sich zum Zeitpunkt der Befragung nicht als Arbeitnehmervertreter engagiert hatten, sind deutlich mehr als die Hälfte einfache oder mittlere Angestellte bzw. Beamte. Der Anteil der angelernten Arbeiter ist unter den Vertretungserfahrenen etwas geringer als in der Vergleichsgruppe. Dagegen sind höhere Angestellte bzw. Beamte unter den Arbeitnehmervertretern etwas überrepräsentiert. Die Unterschiede sind aber statistisch nicht signifikant.

Deutlichere Unterschiede finden sich lediglich an zwei Punkten: Aktive und ehemalige Betriebs- und Personalräte sind mit durchschnittlich gut 46 Jahren rund fünf Jahre älter als Beschäftigte ohne Engagement als Arbeitnehmervertreter - offenbar trauen sich erfahrenere Beschäftigte die Aufgabe eher zu. Zudem sind sie deutlich häufiger Gewerkschaftsmitglieder: Unter allen Beschäftigten mit Vertretungserfahrung waren rund 50 Prozent gewerkschaftlich organisiert, bei den zum Zeitpunkt der Befragung aktiven Arbeitnehmervertretern mehr als 60 Prozent. Behrens erklärt das so: Einerseits seien Gewerkschaftsmitglieder eher bereit, zu kandidieren. Andererseits tritt ein Teil der anfangs nicht organisierten Betriebsräte im Lauf seiner Amtszeit der Gewerkschaft bei, weil diese Unterstützung und Schulungen bietet.

Kritische Sicht auf Leiharbeit: Auch viele wirtschafts- und sozialpolitische Fragen, die in der Befragung thematisiert wurden, bewerteten Betriebs- und Personalräte ähnlich wie die übrige Belegschaft. Der Leiharbeit standen sie jedoch deutlich skeptischer gegenüber als ihre auch schon sehr kritischen Kollegen. Und die Mitbestimmung schätzten sie noch etwas positiver ein: Dass Mitbestimmung zu einer mündigen Belegschaft beiträgt, fanden gut 95 Prozent der Betriebs- und Personalräte. Unter ihren Kollegen ohne Vertretungserfahrung waren es 91,5 Prozent. 

Weitere Informationen:

Aus der Mitte der Belegschaft, in: Böckler Impuls 02/2010

Kontakt:

Dr. Martin Behrens
WSI

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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