Böckler Impuls Ausgabe 09/2011

Konsum

Leichter Anstieg nach langer Schwäche

Regierungspolitiker und manche Ökonomen halten die deutsche Konsumschwäche für überwunden. Tatsächlich geht der Trend nach oben, die Zuwachs­rate liegt aber noch weit unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die Deutschen kaufen wieder mehr ein - darüber sind sich Statistiker und Wirtschaftsforscher einig. Um 0,4 Prozent stiegen die realen privaten Konsumausgaben 2010. Für dieses Jahr prognostiziert das Makro-Konsortium aus IMK, dem österreichischen WIFO und dem OFCE aus Paris sogar einen Zuwachs von 1,1 Prozent. 2012 rechnen die Wissenschaftler mit einem Plus von 0,9 Prozent.

Ist die Nachfrageschwäche in Deutschland damit überwunden? Und hat sich die ökonomische Kritik am Wirtschaftsmodell der vergangenen Dekade - starker Export bei schwacher Binnenkonjunktur - damit erledigt? "Richtig ist, dass die deutsche Wirtschaft derzeit etwas balancierter wächst als in den letzten Jahren, wir hängen nicht mehr ganz so extrem an den Ausfuhren", sagt Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Löhne und Investitionen entwickelten sich wieder etwas stärker. "Das ist ein erfreulicher erster, vorsichtiger Schritt in Richtung Normalisierung. Aber längst noch kein Durchbruch."

Das unterstreicht eine Zeitreihe des Statistischen Bundesamts. Die für 2011 prognostizierte Zunahme der Konsumausgaben wirkt vor allem deshalb so positiv, weil sie sich von der sehr schwachen Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts abhebt: Zwischen 1999 und 2009 stiegen die realen Konsumausgaben im Durchschnitt pro Jahr um lediglich 0,6 Prozent. Dagegen hatte der Zuwachs in den 1990er-Jahren im Mittel noch bei 1,9 Prozent pro Jahr gelegen, in den 1980ern waren es 2,3 und im Jahrzehnt zuvor 3,4 Prozent.

Das IMK sieht einen deutlichen Zusammenhang zur Deregulierung des Arbeitsmarkts, der Ausdehnung des Niedriglohnsektors und der zunehmenden Einkommensungleichheit seit der Jahrtausendwende. Das bedeute auch, dass die Politik einen Beitrag zur nachhaltigen Überwindung der Konsumschwäche leisten könne, betont Horn. Etwa durch einen Mindestlohn und bessere Regulierung bei der Leiharbeit.

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Quellen

IMK, OFCE und WIFO: Der Euroraum im Umbruch, erste gemeinsame Diagnose des Makro-Konsortiums, in: IMK Report Nr. 61, April 2011


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