Böckler Impuls Ausgabe 17/2009

Elterngeld

Mehr Väter erproben neue Rolle

Allmählich steigt die Zahl der Väter, die für ihre Kinder eine berufliche Auszeit nehmen - vor allem seit Einführung des Elterngeldes. Und immerhin ein Drittel der Elterngeldväter bleibt mehr als die obligatorischen zwei Partnermonate zu Hause.

In Umfragen sind die neuen Väter bereits länger kein Randphänomen mehr. Schon seit einigen Jahren bevorzugen über 70 Prozent der Männer mit kleinen Kindern das Vaterschaftsmodell des Erziehers gegenüber dem des Ernährers - zumindest theoretisch. In der Praxis nahmen 2001 allerdings erst 1,5 Prozent der Väter den so genannten Erziehungsurlaub, 2006 gingen etwa 3 Prozent in Erziehungszeit. Mit dem Elterngeldgesetz, das eine Lohnersatzleistung von bis zu zwei Dritteln vorsieht, sind die Zahlen nun deutlich gestiegen. Mitte 2008 beantragten über 18 Prozent der Väter Elterngeld. Wie nutzen Väter die Möglichkeiten des neuen Gesetzes? Diese Frage beantwortet eine Untersuchung des Berliner Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra), gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Forscher befragten 624 erwerbstätige Väter in Elterngeldbezug sowie  Personalverantwortliche und Betriebsräte. Eine Erkenntnis: Bereits in der ­Anfangsphase wirkt sich das neue Elterngeld wesentlich auf die Arbeitswelt aus. Zwar glauben Väter und Experten im Betrieb, die Nutzung der Elterngeldmonate klappe nur bei ihnen gut - in anderen Unternehmen sei dies schwierig. Jeder Vater, der seinen Anspruch nutzt, trage jedoch dazu bei, dass aus der Auszeit für Männer ein "normaler" Vorgang wird, so die Forscher.

Trotzdem zeigen sich Unterschiede: Elterngeldväter sind besonders häufig in Großbetrieben und fast ausschließlich in Unternehmen mit betrieblicher Interessenvertretung beschäftigt. Sie arbeiten vorrangig in der öffentlichen Verwaltung oder bei Dienstleistern, haben mehrheitlich einen Hochschulabschluss und sind vor allem als qualifizierte Angestellte tätig. Sie sind im Durchschnitt 37 Jahre alt, ihre Partnerin ist ebenfalls erwerbstätig. Elterngeldväter leben meist in Großstädten. Und: Zwei Drittel nehmen nur eine kurze Auszeit von bis zu zwei Monaten.

Insgesamt identifizieren die Experten von SowiTra fünf unterschiedliche Nutzertypen:

  1. Die Vorsichtigen machen 46 Prozent der befragten Väter aus. Sie nehmen nur ein bis zwei Partnermonate, fast immer als echte Auszeit und mehrheitlich direkt im Anschluss an die Geburt. Fast alle haben bisher keine Erfahrungen mit Elternzeit oder familienbedingter Teilzeit für ein früheres Kind. Sie betonen häufiger als andere Väter, dass sie sich auf Wunsch ihrer Partnerinnen an den Elterngeldmonaten beteiligen. Sie wollen nicht ihr berufliches Fortkommen gefährden, halten die Auszeit deshalb möglichst kurz.
  2. Die (Semi-)Paritätischen beziehen zwischen drei und acht Monaten Elterngeld und nehmen ihre Auszeit meist versetzt zur ebenfalls erwerbstätigen Partnerin. Eine möglichst kurze berufliche Auszeit für beide Eltern ist ihnen wichtig. Ihre Gruppe umfasst 14 Prozent der Befragten.
  3. Die umgekehrten Nutzer. Sie nehmen eine längere Auszeit als ihre Partnerin. Für diese 6 Prozent der befragten Väter ist es überdurchschnittlich wichtig, die Verantwortung für die Familie mit ihrer Partnerin zu teilen, aber auch deren berufliches Fortkommen zu unterstützen. Die eigene berufliche Karriere spielt eine untergeordnete Rolle.
  4. Die Familienorientierten. 9 Prozent nehmen zwischen einem und acht Elterngeldmonaten, kombinieren dies aber mit sich anschließender, unbezahlter Elternzeit. Oder sie haben schon früher mit Elternzeit oder Teilzeitarbeit Erfahrungen gesammelt. Ihr Wunsch: Die Kinder sollen möglichst lange von einem Elternteil betreut werden können.
  5. Die Familienzentrierten. 5 Prozent nutzen zwischen neun und zwölf Elterngeldmonate. Sie kombinieren diese aber noch mit zusätzlicher, unbezahlter Elternzeit oder haben Erfahrungen mit Elternzeit für ein früheres Kind. Für diese Väter ist es wichtiger als für alle anderen, schon frühzeitig viel Zeit mit dem Kind zu verbringen. Sie betonen, dass ihre Entscheidung nicht nur auf den Wunsch der Partnerin zurückgeht.

Quellen

Svenja Pfahl, Stefan Reuyß: Das neue Elterngeld, Erfahrungen und betriebliche Nutzungsbedingungen von Vätern, edition der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2009

Weitere Infos zum Projekt "Das neue Elterngeld: Explorative Studie zu Erfahrungen und betrieblichen Nutzungsbedingungen von Vätern in den ersten zwei Jahren nach Inkrafttreten der Neuregelung"

Veranstaltung zum Thema "Der Beitrag des neuen Elterngelds zu Vereinbarkeit und Geschlechtergleichstellung im Betrieb" in Berlin am 13. November 2009


zum Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe
zurück

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden