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12.09.2019

Dullien: Druck auf EZB steigt

IMK-Konjunkturindikator springt auf „rot“ –Strategisches Investitionsprogramm kann Folgen einer Rezession mildern

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession erlebt, ist in den letzten Wochen noch einmal drastisch gestiegen. Das zeigen die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für den Zeitraum von September bis Ende November weist der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 59,4 Prozent auf – nach 43 Prozent im August. Das ist der höchste Wert seit dem Winterhalbjahr 2012/2013, als die deutsche Wirtschaft während der Hochphase der Euro-Krise eine technische Rezession durchlief. Ebenfalls stark gewachsen ist die statistische Streuung im Indikator – sie spiegelt die große Verunsicherung vieler Wirtschaftsakteure wider. Deshalb schaltet das nach dem Ampelsystem arbeitende IMK-Frühwarnsystem auf „rot“, was eine akute Rezessionsgefahr anzeigt.

„Die bisherige Hoffnung, dass die gute Inlandsnachfrage Deutschland vor der Rezession retten kann, schwindet zunehmend“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Nun sei die Wirtschaftspolitik in Deutschland gefragt, um einer Rezession gegenzusteuern oder zumindest ihre Effekte abzumildern. Zudem, so Dullien „erhöht sich der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Geldpolitik weiter zu lockern.“

Der starke Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit basiert nach Analyse des IMK auf einer breiten Palette von Frühindikatoren. Darunter sind rückläufige Zahlen für die Produktion und für die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, weniger offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt und eine gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Stabilisiert wird das Prognoseresultat demgegenüber nur durch die mittelfristig weiter günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen sowie durch die etwas bessere Entwicklung der Aktienkurse. Entscheidend für die Eintrübung des Indikators sind laut IMK die beträchtlichen außenwirtschaftlichen Risiken, also ein harter Brexit, die US-Handelskonflikte und geopolitische Spannungen. Hinzu kämen strukturelle Schwächen deutscher Schlüsselindustrien wie der Automobilindustrie, die sich derzeit etwa in verzögerter Markeinführung neuer Modelle, einem Modellportfolio, das nicht der aktuellen Nachfrage entspricht, sowie der Unsicherheit über künftige Antriebstechnologien zeigten.

„Mit den vorliegenden Ergebnissen mehren sich die Indizien dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt auch im dritten Quartal des Jahres zurückgehen wird“, sagt Dr. Thomas Theobald, Experte für Finanzmärkte und Konjunktur am IMK. „Damit wäre Deutschland nach landläufiger Definition in der Rezession angekommen. Damit diese keine tiefen Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt, sollte die Wirtschaftspolitik möglichst zeitnah reagieren. Auch die Ankündigung eines strukturellen Ausbaus der öffentlichen Investitionen wäre jetzt hilfreich, da diese die Nachfrageaussichten der Unternehmen zu einem konjunkturell sinnvollen Zeitpunkt verbessert“, sagt der Forscher.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert. Am 30. September legt das IMK auf einer Pressekonferenz in Berlin seine neue Konjunkturprognose für 2019 und 2020 vor.

Zum IMK-Konjunkturindikator

Kontakt:

Prof. Dr. Sebastian Dullien
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Dr. Thomas Theobald
IMK, Experte für Finanzmärkte und Konjunktur

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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