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04.06.2019

„Maria-Weber-Grant“ verliehen

Hans-Böckler-Stiftung fördert herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Hans-Böckler-Stiftung unterstützt mit Fördermitteln herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten bei ihrer Hochschulkarriere. Die jetzt zum zweiten Mal verliehenen „Maria-Weber-Grants“ geben vier Hochschulbeschäftigten die Möglichkeit, sich für einige Zeit stark auf ihre Forschungsarbeit zu konzentrieren – eine wesentliche Voraussetzung, um eine feste Professur zu erhalten. Die Grants dienen dazu, für ein bis zwei Semester eine Teilvertretung für die Lehrverpflichtungen der Geförderten zu finanzieren. Dafür wendet das Begabtenförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes 120.000 Euro im Jahr auf. Maria-Weber-Grants werden jährlich ausgeschrieben und richten sich an Habilitanden, Juniorprofessorinnen und –professoren aller Fachrichtungen.

Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Post-Doc-Phase durchlaufen eine Rush-Hour des akademischen Lebens: Sie müssen forschen und viel publizieren, sie sind sehr stark in die Lehre eingebunden, übernehmen Verwaltungsarbeit, sollen sich auf Konferenzen vernetzen und müssen dabei immer den akademischen Arbeitsmarkt im Blick halten. All das unter enormem Zeitdruck: Mehr als 80 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren nach einer Erhebung des Wissenschaftsrats von 2014 befristet beschäftigt.

„Wir schenken mit dem Maria-Weber-Grant Zeit, damit exzellente junge Forscherinnen und Forscher sich profilieren und damit ihre Chancen auf eine dauerhafte Karriere im Wissenschaftsbetrieb verbessern können“, sagt Michael Guggemos, Geschäftsführer der Hans-Böckler-Stiftung. „Damit stärken wir die Innovationskraft und wissenschaftliche Expertise an deutschen Universitäten.“ Dabei gehe es keineswegs darum, Forschung gegen Lehre auszuspielen, sondern im Gegenteil gute Lehre durch stabile Beschäftigung langfristig abzusichern: „Die eingegangenen Bewerbungen zum Grant zeigen: Gerade die Postdocs und Juniorprofessoren machen sich besonders für eine gute Lehre stark, sie bilden sich methodisch fort und engagieren sich enorm. Und das in der wichtigsten Phase der Qualifizierung!“ Die chronische Unterfinanzierung deutscher Hochschulen verhindere jedoch bislang, dass die Aufgaben in der Lehre besser und vor allem auf Dauerstellen verteilt werden können.

Die Gewerkschaften machen sich seit langem für eine verlässliche Personalentwicklung an Hochschulen stark. Trotz einiger Verbesserungen wie der neuen Bund-Ländervereinbarung „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ sei man an den Hochschulen von stabilen Beschäftigungsbedingungen aber noch weit entfernt, betont Michael Guggemos: „Wir sehen deshalb bis auf weiteres einen großen Bedarf an Initiativen wie unserer.“

Die vier Preisträgerinnen und Preisträger arbeiten in ganz unterschiedlichen Disziplinen – Offenheit für alle Fachrichtungen und auch kleine Forschungsgebiete ist Prinzip bei den Maria-Weber-Grants. „Wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter haben uns stets dafür eingesetzt, eine breite Wissensbasis zu fördern“, sagt der Geschäftsführer der Hans-Böckler-Stiftung. Gemeinsam haben die Ausgezeichneten, dass sie sich nicht nur mit sehr interessanten Forschungsinhalten beworben haben, sondern durch eine besondere Qualität ihrer Arbeit überzeugen konnten. Juniorprofessoren, die sich auf den Grant bewerben, müssen bereits eine positive Zwischenevaluation durchlaufen haben. Die Habilitanden müssen ein fachliches Gutachten beilegen, zusätzlich wird durch die Hans-Böckler-Stiftung ein Peer-Review Verfahren durchgeführt.

Die Geförderten 2019:

Prof. Dr. Jörg Fehr ist Juniorprofessor am Institut für Technische und Numerische Mechanik der Universität Stuttgart. Hier erforscht er, wie komplexe technische Systeme mit Hilfe von Computersimulationen schneller, besser und robuster entwickelt werden können. Dazu zählen etwa Simulationen von Autounfällen, die aussagekräftigere Ergebnisse liefern können als traditionelle Crashtests. Für die digitale Simulation von Fahrzeugsicherheitssystemen arbeitet er unter anderem an virtuellen Menschmodellen, die das menschliche Unfallverhalten bestmöglich abbilden.

Dr. Anne-Kristin Kuhnt arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am soziologischen Institut der Universität Duisburg-Essen. Sie verfolgt zwei Forschungsgebiete: Zum einen untersucht Kuhnt die individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen der Nutzung von Reproduktionsmedizin. Zum anderen erforscht sie die Lebensbedingungen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland. Dabei geht es ihr auch um die subjektive Komponente. So fragt sie beispielsweise nach der individuellen Wahrnehmung sozialer Einbindung – und ob sich Unterschiede zwischen der Mehrheitsbevölkerung und Menschen mit Migrationshintergrund auftun.

Dr. Sarah Schulz ist evangelische Theologin und Akademische Rätin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihrer Forschungsarbeit legt sie Spuren vergangener Kulturen frei, Schicht um Schicht und sehr behutsam. Ihr Ausgrabungsfeld aber ist keine antike Stadt – sondern das Alte Testament. In ihrem Habilitationsprojekt untersucht sie aktuell anhand exemplarischer Bibeltexte, wie sich das Amt des Jerusalemer Hohepriesters als religiöses und politisches Führungsamt zwischen dem sechsten und dem ersten vorchristlichen Jahrhundert herausgebildet und entwickelt haben könnte.

Prof. Dr. Sandhya Sundaresan ist Juniorprofessorin am Institut für Linguistik der Universität Leipzig. Ihr Thema ist die Rolle von Subjektivität und Perspektive in der Grammatik. Diese ist in manchen Sprachen stärker ausgeprägt als in anderen. So gibt es beispielsweise in Tamil so genannte „perspektivische Anaphern“, die eindeutig an die Perspektive einer bestimmten Person gebunden sind. Warum machen einzelne Sprachen von dieser Möglichkeit Gebrauch und andere nicht?, fragt die Forscherin. Und: Welche Rolle spielt Perspektive in der universellen Grammatik und darüber hinaus in der menschlichen Kognition überhaupt? Überlegungen, die im Social-Media-Zeitalter, in dem Subjektivität zur Leitwährung aufsteigt, drängende gesellschaftliche Relevanz bekommen können.

Hintergrundinformation zum Grant: Maria Weber war eine deutsche Gewerkschafterin, die sich stark für Bildungsgerechtigkeit engagiert hat. Von 1972 bis 1982 war sie stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Jeder Trägerin/jedem Träger des Grants werden pauschal 20.000 Euro pro Semester gewährt, um eine personelle Unterstützung bei den Lehrverpflichtungen einzurichten. Dafür ist durch die Universität mindestens eine halbe Stelle einzurichten, die nach der Tarifstufe E13 bezahlt wird.

Weitere Informationen:

Mehr zu den Ausschreibungsbedingungen (pdf) auf der letzten Seite unseres Dossiers.

Kontakt:

Dr. Silke Tönsjost
Abteilung Studienförderung

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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