Pro & Contra

Sind Selbstbedienungskassen ein Fortschritt für den Einzelhandel?

Ja - sagt Frank Horst, Projekteiter der Self-Checkout-Initiative am EHI Retail Institute in Köln. Nein - sagt Stefanie Nutzenberger, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs Handel.


Ja - sagt Frank Horst, Projekteiter der Self-Checkout-Initiative am EHI Retail Institute in Köln. (Foto: EHI)

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Stefanie Nutzenberger, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs Handel (Foto: ver.di)
Ja - sagt Frank Horst, Projekteiter der Self-Checkout-Initiative am EHI Retail Institute in Köln.
Selbstbedienungskassen sind ein Fortschritt, um allen Kunden gerecht zu werden. Moderne SB-Kassen stellen einen zusätzlichen Service ohne Zwang zur Nutzung dar. Denn die Kunden können weiter zwischen bedienten oder selbst bedienten Kassen wählen. Mit den SB-Kassen ist es oft möglich, die lästige Wartezeit am Schluss des Einkaufs zu verkürzen. Das ist für viele Nutzer die Hauptmotivation. Aber auch das selbstbestimmte Tempo sowie die bessere Preiskontrolle werden von Kunden positiv bewertet. Handel ist Wandel: Die Veränderung der Kassenorganisation gehört ebenso dazu wie Veränderungen beim Sortiment oder im Ladenbau.
Der vielfach angeprangerte mögliche Personalabbau ist derzeit kein Thema. Denn im Handel besteht ein stetiger Bedarf nach qualifiziertem Kassenpersonal, der das Angebot deutlich übersteigt. Die Arbeit an den SB-Kassen gestaltet sich nur anders. 
Die Mehrheit der Mitarbeiter beurteilt Aspekte ihrer neuen Arbeit wie die aktive Unterstützung von Kunden im Umgang mit der neuen Technik, mehr Abwechslung, den höheren Anspruch an die Tätigkeit oder die Bewegung am Arbeitsplatz als Vorteile. Die Akzeptanz der neuen Tätigkeit drückt sich auch im eigenen Nutzungsverhalten aus. Mehr als 50 Prozent der Beschäftigten im Handel nutzen SB-Kassen bei eigenen Einkäufen – das wissen wir aus unseren Untersuchungen. 

Nein - sagt Stefanie Nutzenberger, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs Handel.
Nicht generell. Wenn Unternehmen in SB-Kassen investieren, dann nicht aus reiner Kundenfreundlichkeit. Sie wollen damit langfristig Personalkosten einsparen. Solche Kassensysteme sind in Deutschland noch nicht so verbreitet wie in anderen Ländern. Wie oft man sie künftig auch bei uns sehen wird, hängt davon ab, wie viele Unternehmen in die teure Anschaffung investieren. Eine Gewerkschaft kann das nicht aufhalten – aber dafür kämpfen, dass es nicht zulasten der Beschäftigten geht. Wichtig ist: Betriebsräte müssen früh eingebunden und Arbeitnehmer so weiterqualifiziert werden, dass sie andere Tätigkeiten übernehmen können und keine Entgelteinbußen erleiden. Die Arbeitgeber sind in der Pflicht, Beschäftigte umfassend zu informieren und die Mitbestimmungsrechte von Betriebsräten zu respektieren. 
Und die Kunden? Es wäre viel gewonnen, wenn die Konsumenten verstehen, dass SB-Kassen auch deshalb so attraktiv erscheinen, weil im Einzelhandel oft zu wenig Personal eingesetzt wird und Kunden Aufgaben übernehmen, die ihnen eigentlich abgenommen werden sollten. Man kann sich über lange Schlangen an der Kasse zu Recht ärgern. Aber den Ärger sollte man bei den Arbeitgebern abladen – und nicht bei den Beschäftigten, die schon genug mit Stress und teilweise prekären Arbeitsverhältnissen zu kämpfen haben.

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