Eine Woche für die Demokratie

Zum ersten Mal veranstalteten die 13 Begabtenförderungswerke in Deutschland eine gemeinsame Sommerakademie für ihre Stipendiaten. Das Motto: „Demokratie gestalten!“.

Von Joachim F. Tornau, Journalist in Kassel und Hamburg


Das hatte es so noch nie gegeben. Eine Woche langdiskutierten rund 200 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus allen 13 Begabtenförderungswerken in Heidelberg über die Demokratie der Zukunft.
Für Michael Guggemos, Geschäftsführer der federführenden Hans-Böckler-Stiftung, zeigte die Sommerakademie das gemeinsame Engagement für eine offene, pluralistische, demokratische Gesellschaft. Denn so unterschiedlich die Stiftungen ausgerichtet sind, ob parteipolitisch oder religiös, gewerkschaftlich oder wirtschaftsnah: Alle, so Guggemos, teilen die Werte der Aufklärung, von Freiheit, Gleichheit und Solidarität und achten die Rechte der Minderheiten. „Das ist, was uns von den Gegnern und den Feinden der Demokratie unterscheidet.“

In einer Zeit, in der diese Gegner und Feinde vielerorts in Europa, in der Welt und auch in Deutschland im Aufwind sind, setzte diese erste gemeinsame Sommerakademie ein deutliches Zeichen. Unter dem Motto „Demokratie gestalten!“ trafen sich die Stipendiaten und Stipendiatinnen über politische, konfessionelle und weltanschauliche Grenzen hinweg in Seminaren, von denen jede der beteiligten Stiftungen eines beisteuerte.

Vorträge namhafter Gäste, vom ehemaligen Bundesverfassungsrichter Prof. Paul Kirchhof bis zur ZDF-Journalistin Petra Gerster, sorgten für zusätzlichen Diskussionsstoff. Die Marburger Politikwissenschaftlerin Prof. Ursula Birsl hielt die Festrede zur Eröffnung. Der Heidelberger Historiker Prof. Manfred Berg verglich Europa und die USA und fragte: „Wie gefährdet ist die Demokratie?“ Prof. Sonja Buckel, die in Kassel politische Theorie lehrt, beleuchtete die rechtlichen Auseinandersetzungen um das europäische Migrationsrecht.

Zu einer Podiumsdebatte kamen mehrere Mitglieder des Europaparlaments. Auch mit den beiden prominentesten Gästen konnten die Stipendiaten ganz direkt ins Gespräch kommen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Schirmherr der Sommerakademie, und seine Frau Elke Büdenbender stellten sich anderthalb Stunden lang den Fragen und Statements von Geförderten aller 13 Werke.
Um ein starkes Europa ging es, um Rechtsstaatlichkeit, um die Rolle der Zivilgesellschaft. Gleich zu Beginn unterstrich Steinmeier, wie wichtig es ist, sich die Frage zu stellen, die die Sommerakademie auf die Agenda gehoben hat: Welchen Beitrag können wir selbst leisten zur Zukunft der Demokratie? „Die Frage ist genau die richtige“, sagte der Bundespräsident und machte gleich noch etwas klar: „Die Demokratie ist entweder liberal oder sie ist nicht.“ Eine „illiberale Demokratie“, wie sie etwa von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán proklamiert wird, sei keine.

Für das Staatsoberhaupt und seine Frau war der Besuch bei den Stipendiaten zugleich so etwas wie eine Reise in die eigene Vergangenheit: Steinmeier wurde einst von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert, Büdenbender von der Hans-Böckler-Stiftung. „Wir haben beide mit Hilfe von Begabtenförderungswerken unseren Weg gemacht“, sagte der Bundespräsident. „Dieser Weg wäre vielleicht ganz anders verlaufen, hätten wir diese Unterstützung nicht gehabt.“

Die gemeinsame Sommerakademie war eine Premiere, aber sie soll kein einmaliges Ereignis bleiben: Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, sind Fortsetzungen für 2020 und 2021 bereits geplant.


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