Böckler Impuls Ausgabe 07/2019

Rente mit 67

Die Schwächsten trifft es am härtesten

In den kommenden Jahren wird das Renteneintrittsalter steigen – damit könnte auch die Ungleichheit im Alter zunehmen.

Die Schwächsten trifft es am härtesten

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Länger arbeiten, später in den Ruhestand – darauf müssen sich die Menschen einstellen. Das tatsächliche Renteneintrittsalter, das aktuell im Schnitt bei gut 64 Jahren liegt, wird bis zum Beginn der 2030er-Jahre um bis zu anderthalb Jahre ansteigen. Das zeigt eine aktuelle Prognose des DIW, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Das wesentliche Ziel der Rente mit 67, nämlich die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, wäre damit erreicht. Aber: „Den entlastenden fiskalischen Wirkungen stehen große sozialpolitische Risiken gegenüber“, schreiben die DIW-Wissenschaftler.

Wer nicht bis zur Regelaltersgrenze durchhält, etwa aus gesundheitlichen Gründen oder weil er keinen Job findet, muss mit deutlichen Abschlägen bei der gesetzlichen Rente rechnen – schließlich hat er auch weniger Rentenbeiträge eingezahlt. Bei einer Anhebung der Altersgrenze könnten Frührentner noch weiter zurückzufallen, da sich ihr Rückstand zu denjenigen, die künftig länger arbeiten, vergrößert. Beispiel: Aktuell verfügt eine Person, die nach mehr als zwei Jahren Erwerbslosigkeit in die Rente wechselt, im Schnitt über ein zehn Prozent geringeres Haushaltseinkommen als jemand, der bis zum Renteneintritt erwerbstätig ist. Im Jahr 2032 – bis dahin wird die Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre abgeschlossen sein – würde die Lücke je nach Arbeitsmarktentwicklung laut DIW auf 16 bis 17 Prozent wachsen. Besonders betroffen seien Menschen mit geringer Bildung oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten. Am besten könnten sich Hochqualifizierte und Personen mit stabilen Beschäftigungsverhältnissen anpassen.

Menschen, die im höheren Erwerbsalter arbeitslos werden, hätten „ein überdurchschnittlich hohes Risiko eines prekären Übergangs in den Ruhestand“, schreiben die Forscher. Zumal künftig nicht nur die Altersgrenze angehoben, sondern gleichzeitig auch das Niveau der gesetzlichen Renten sinken werde. Dadurch steige das Armutsrisiko zusätzlich. Nur bei einer sehr günstigen weiteren Arbeitsmarktentwicklung würden weniger Menschen aus Arbeitslosigkeit in die Rente wechseln. „Neben der Frage, wie man den Arbeitsmarkt für Ältere so gestaltet, dass es für viele Menschen möglich ist ihre Erwerbstätigkeit lange auszuüben, steht die Frage der Absicherung bei langfristigen Erwerbsunterbrechungen“, so das Fazit der Wissenschaftler.

Quelle

Hermann Buslei, Patricia Gallego-Granados, Johannes Geyer, Peter Haan: Rente mit 67: der Arbeitsmarkt für Ältere wird entscheidend sein, DIW-Wochenbericht 16 + 17/2019, April 2019 
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