Deutscher BetriebsräteTag

Expertise in Sachen Arbeit

Die Digitalisierung von Dienstleistungen und Industrie, psychische Belastung am Arbeitsplatz und die Erfolgsfaktoren guter Betriebsratsarbeit waren Themen in den prominent besetzten Fachforen am zweiten Tag des Deutschen BetriebsräteTages.


Benjamin Mikfeld, Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesarbeitsministerium, sprach zum Thema „Arbeit 4.0“ –  und stellt die Agenda seines Ministeriums vor.  Arbeit 4.0 ist für Mikfeld ein Versuch, mit Begriffen die Debatte um „Industrie 4.0“ zu politisieren. Im Ministerium kursiert eine Studie, nach der etwa 12 Prozent aller Jobs  bis zum Jahr 2030 automatisierbar sein könnten. In welchem Ausmaß das geschieht, ist aber unklar.  In kompakter Form erfuhr man, welche Leitgedanken das Arbeitsministerium verfolgt. Stichworte wie „gerechte Löhne“, „gute Arbeit“, „demokratische Teilhabe“ wurden vom Bonner Publikum sicher gerne gehört. Zu erfahren war auch, dass das Ministerium neuerdings nach Brüsseler Manier mit Grün- und Weißbüchern arbeitet. Ende 2016 soll ein Weißbuch herauskommen. 

GESUNDHEITSFÖRDERUNG SPART GELD

Reimund Oberhage, ebenfalls vom Arbeitsministerium zum Betriebsrätetag entsandt, und Sabrina Sebbesse vom BKK Dachverband thematisierten in einem anderen Forum die psychischen Belastungen, die seit einem knappen Jahrzehnt immer wichtiger für die Beratungspraxis werden und hohe gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden verursachen. Sie warben intensiv für das Projekt und das gleichnamige Webportal psyGA, wobei das Kürzel für „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ steht. Das Präventions-Projekt bietet neben Selbstchecks, Hörbüchern, einem E-Learning-Tool und Führungskräfte-Seminaren eine Fülle an Material, das die Betriebsräte jetzt am besten selbst für sich entdecken sollen. Eine Zahl hatten die Referenten auch mitgebracht. Angeblich führt jeder Euro, der in die betriebliche Gesundheitsförderung investiert wird, zu Einsparungen von 2,70 Euro. 

Monika Niebuhr von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die sonst im Bildungszentrum Oberjosbach Betriebsräte schult, referierte über die Erfolgsfaktoren guter Betriebsratsarbeit in kleinen und mittleren Betriebsstrukturen. Während in kleinen Strukturen der Kontakt zur Belegschaft leichter fällt als in Großbetrieben, ist es für die Kollegen, die in der Regel ohne Freistellungen auskommen müssen, schwerer sich Zeit freizuschaufeln. Die Verhältnisse und Traditionen, so Niebuhr, seien extrem unterschiedlich – deshalb komme es darauf an, eine Kommunikation zu entwickeln, die zum Betrieb passe, eigene Themen einzubringen, und auch Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Kleine Betriebsratsgremien, so wurde in der Diskussion deutlich, haben nicht nur Nachteile, sondern können die Entscheidungsfindung vereinfachen – auch wenn nicht alle Teilnehmer dieser Diagnose folgen wollten.

DIE DIGITALE BAHN

Was die Digitalisierung ganz konkret für den Verkauf eines Alltagsproduktes bedeutet, veranschaulichte Gunnar Rothenburg, Betriebsrat bei der DB Vertrieb GmbH. Er vertritt rund 5000 Mitarbeiter in 400 Reisezentren, die mit derzeit noch 6500 Verkaufsautomaten, dem Internetportal der Bahn und der Bahn-App konkurrieren, dazu mit den digitalen Vertriebsstrukturen anderer Fernverkehrsangebote. Die Dynamik, so Rothenburg, habe die Bahn unterschätzt. Er plädierte dafür, jenseits von Kennzahlen auch auf menschlichen Service und nicht nur  auf Automatisierung zu setzen. Video-Reisezentren, von denen die Bahn derzeit rund 30 an Kleinstbahnhöfen betreibt, werden nur eine Nischenlösung sein. Seit 2004 hat sich der Internet-Umsatz  versechsfacht, der Umsatz in den Reisezentren aber halbiert. 

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