Stiftung

Starke Stimme für Mitbestimmung

Will ein Institut Wirkung erzielen, muss es sich im Konzert einer vielstimmigen analogen wie digitalen Kommunikation durchsetzen. Das junge Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) arbeitet über viele Kanäle daran, dem Zukunftsthema Mitbestimmung eine deutlichere Stimme zu verleihen. Von Ines Gollnick


Wer, wie das I.M.U., nach außen stimmgewaltiger werden will, muss wissen, wie man Aufmerksamkeit erringt. Deshalb lädt man sich gerne mal Medienexperten wie den Radiomoderator Tom Hegermann für ein Medientraining ein. 

Institutsdirektor Norbert Kluge legt Wert darauf, dass die rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter höchst professionell für Mitbestimmung agieren, damit ihr Anliegen noch mehr Menschen erreicht: „Das Institut will mit einer stärkeren Außenpräsenz zeigen, welche Vorteile die Mitbestimmung für Unternehmen, Demokratie und Wirtschaft hat. Wir wollen die Mitbestimmung mit überzeugenden Argumenten zum Zukunftsthema unserer Gesellschaft machen.“ 

Die Qualifizierung und Beratung der Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten ist und bleibt die wesentliche Aufgabe des I.M.U. „Weil wir die Bedarfe und Probleme aus der Praxis gut kennen, entsteht daraus unsere Kompetenz für Mitbestimmung“, sagt Kluge. „Dazu gehört auch, Betriebsräten, Aufsichtsräten und Arbeitsdirektoren eine Plattform für Service, Information und den fachlichen Austausch zur Verfügung zu stellen.“ Diese Rolle erfüllt seit drei Jahren unter anderem das Mitbestimmungsportal (www.mitbestimmung.de). Es ist als ein Kanal konzipiert, der die direkte Kommunikation mit den Betriebs- und Aufsichtsräten sowie mit den Arbeitsdirektoren und ihren engeren Mitarbeitern verstärken soll. 

Angesichts der Veränderungen durch Digitalisierung und Finanzkapitalismus arbeitet das I.M.U. daran, seine Mitbestimmungsberatung strategischer aufzusetzen. Zum Beispiel in der Frage: Was kann Mitbestimmung im Aufsichtsrat antizipativ für Beschäftigung und Standorte bewegen, wenn Unternehmen über Grenzen hinweg organisiert, fusioniert oder aufgeteilt werden? Bei solchen Themen will das I.M.U. als Moderator und Impulsgeber fungieren und Unterstützung bieten, auch über einen längeren Zeitraum. 

Um Praxiserfahrungen sichtbarer zu machen, organisiert das I.M.U. den öffentlichen Austausch und den Input für aktuelle Herausforderungen für die Mitbestimmung. Ein Highlight im Veranstaltungsjahr ist die „Böckler Konferenz für Aufsichtsräte“, zu der alljährlich rund 300 Mitbestimmungspraktikerinnen und -praktiker zusammenkommen, um mit prominenten Rednern aus der Politik ihr Anliegen zum Ausbau der Mitbestimmung zu adressieren und um sich über die Arbeit im Aufsichtsrat auszutauschen. Am 26. und 27. Juni 2019 bildet die „Offensive Mitbestimmung im Finanzkapitalismus“ den Schwerpunkt. „So ein ergebnisorientierter, methodisch sehr innovativer Austausch, mit dem jeder etwas anfangen kann, wirkt wieder in die Praxis hinein“, ist Kluge überzeugt. 

Ein anderes heißes Eisen sind Fortentwicklungen im europäischen Gesellschaftsrecht, wie aktuell das Company Law Package, bei dem es auch um die Erleichterung von Firmensitzverlegungen in der EU geht. Es birgt die Gefahr, dass die Unternehmen dort ihren Sitz wählen, wo die Mitbestimmung nur wenig Einfluss hat. „Uns beunruhigt, dass die EU nicht in der Lage ist, dabei nationale Mitbestimmungsregeln ausreichend zu schützen“, sagt Kluge, der Mitglied der Arbeitnehmergruppe im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) ist. „Das kommt hierzulande als eine Schwächung unserer Mitbestimmung an. Wir sind deshalb auch in Brüssel unterwegs, setzen uns für die Stärkung europäischer Mitbestimmungsrechte ein und geben Fachexpertise.“ Das Engagement der Stiftung und der Gewerkschaften zeigt Erfolge: Das EU-Parlament (EP) will das Mobilitätspaket nur mit stärkeren Schutzmaßnahmen als im ursprünglichen Gesetzesvorschlag auf den Weg bringen. „Das ist ein richtiges Pfund“, freut sich Kluge. „Wichtig ist jetzt, dass mit dieser Substanz die Trilogverhandlungen von EU-Kommission, Europäischem Rat und EP beginnen können.“

Neben solcher politischen Interessenvertretung setzt das I.M.U. auf die Forschung. Wie beim „Mitbestimmungs-Index (MB-ix)“, einem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekt am Wissenschaftszentrum Berlin. Er zeigt die institutionelle Verankerung der Mitbestimmung in Unternehmen an. So lassen diese sich im Hinblick auf Leistungsindikatoren miteinander vergleichen, die aus Sicht der Beschäftigten wichtig sind. Wo die Mitbestimmung institutionell stark verankert ist, investieren Unternehmen beispielsweise viel in Forschung und Entwicklung. Dort engagierte man sich auch in der Wirtschaftskrise stärker für die Ausbildung und verfügte deshalb später schnell über die notwendigen Fachkräfte.

Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn betriebliche Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung ausgewertet werden, wie das regelmäßig der I.M.U.-Arbeitsbereich „Praxiswissen Betriebsvereinbarungen“ macht. So erweist sich beispielsweise die Digitalisierung als ein nachhaltig im Sinne der Beschäftigten gestaltbares Thema: Mitbestimmung, ausgeübt von stabilen Verhandlungspartnern, ermöglicht hier praxisgerechte Lösungen im Zusammenwirken mit Tarifverträgen und Gewerkschaften. 

Das I.M.U. kommuniziert auch auf den digitalen Plattformen. Um junge Köpfe für die Mitbestimmung zu gewinnen, hat das Institut den Twitterkanal @zukunftMB. „Es gelingt uns hier, mit nicht in Mitbestimmungswolle gefärbten Menschen ins Gespräch zu kommen“, beobachtet Kluge. Das funktionierte auch am Infostand der Hans-Böckler-Stiftung auf der re:publica mit Diskussionsangeboten zu Szenarien zur Zukunft der Mitbestimmung im digitalen Zeitalter. 

Das neue Institut weiß, was Praktikerinnen und Praktiker an direkter Unterstützung erwarten. Sie wollen „ihr“ Institut aber auch als eine Zukunftswerkstatt für Mitbestimmung arbeiten sehen. Um Handlungs- und Orientierungswissen für Beratung und Qualifizierung für sie zu erzeugen, will das I.M.U. neue Wege digitaler und medialer Vermittlung und Kommunikation beschreiten. Mitbestimmte Unternehmensführung ist immer nachhaltig – deshalb ist Mitbestimmung für das junge I.M.U. ein Zukunftsthema.  

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