Böckler Impuls Ausgabe 06/2018

Betriebsräte

Mitbestimmung macht produktiv

Betriebliche Mitbestimmung erhöht die Produktivität. Das zeigt eine Auswertung der aktuellen Forschung zu Betriebräten, die der Trierer Ökonom Uwe Jirjahn gemeinsam mit seinem US-Kollegen Stephen Smith erstellt hat.

Zu den in ihrer Literaturstudie verwendeten Quellen gehört eine Arbeit von Steffen Müller aus dem Jahr 2012. Darin kommt der Wirtschaftswissenschaftler zu dem Schluss, dass mitbestimmte Firmen im Schnitt 6,4 Prozent produktiver arbeiten. Der wahre Effekt dürfte laut Müller sogar noch größer ausfallen. Die Begründung: Im Untersuchungszeitraum – den Jahren 2001 bis 2005 – schwächelte die deutsche Wirtschaft. Die höhere Beschäftigungsstabilität, zu der Betriebsräte beitragen und die sich in Boomphasen auszahlt, wirke sich im Abschwung tendenziell ungünstig auf die Produktivität aus. Hinzu komme, dass für Beschäftigte Arbeitnehmervertretungen insbesondere dann wichtig sind, wenn sich ihr Arbeitgeber in einer Krise befindet. Das heißt: Es gibt eine „Selbstselektion“, die darin besteht, dass in Betrieben mit Produktivitätsproblemen eher Betriebsräte gegründet oder beibehalten werden. Das führt zu einer Unterschätzung der positiven Auswirkungen.  

Bereits 2003 haben Bernd Frick und Iris Möller den gleichen Zusammenhang untersucht und erhebliche Effekte dingfest gemacht. Ihren Berechnungen zufolge erhöhen Betriebsräte die Arbeitsproduktivität in Westdeutschland um 25 Prozent und im Osten um 30 Prozent. Im gleichen Jahr hat Olaf Hübler eine Studie veröffentlicht, die der betrieblichen Mitbestimmung ebenfalls signifikant positive Auswirkungen auf die Produktivität von Unternehmen mit 100 bis 300 Beschäftigten bescheinigt – allerdings nur dann, wenn Betriebe tarifgebunden sind. 

Die Erklärungen für die produktivitätssteigernde Wirkung ähneln sich in den zitierten Untersuchungen. Als Sprachrohr der Beschäftigten können Betriebsräte demnach den Informationsaustausch zwischen Belegschaft und Management erleichtern, zu mehr Vertrauen beitragen und so die Kooperationsbereitschaft erhöhen. Zugleich dürfte die Personalfluktuation sinken. 

Quelle

Uwe Jirjahn, Stephen C. Smith: Nonunion Employee Representation: Theory and the German Experience with Mandated Works Councils, IZA Discussion Paper Nr. 11066, Oktober 2017
 
Bernd Frick, Iris Möller: Mandated Works Councils and Firm Performance: Labor Productivity and Personnel Turnover in German Establishments, Schmollers Jahrbuch 3/2003

Olaf Hübler: Zum Einfluss des Betriebsrats in mittelgroßen Unternehmen auf Investitionen, Löhne, Produktivität und Renten – Empirische Befunde, in: Nils Goldschmidt (Hg.): Wunderbare Wirtschaftswelt – Die New Economy und ihre Herausforderungen, Baden-Baden, 2003 

Steffen Müller: Works Councils and Establishment Productivity, Industrial and Labor Relations Review 4/2012

 

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden