"Digitale Bohème" und Mitbestimmung

Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung im Wandel

Status: laufend

Projektende: 31.12.2020

Projektnummer: 2017-451-2

Projekttitel: "Digitale Bohème" und Mitbestimmung

Projektbeschreibung  |  Projektteam  |  Kontakt

 

Projektziel:

Zu den bislang kaum erforschten Facetten der Digitalisierung von Arbeit gehört der von ihr induzierte Wandel des Verhältnisses betrieblicher Formalität und Informalität. Neues informelles Wissen, daran angekoppelte Praxisformen und Machtressourcen einer betrieblichen digitalen Bohème überlagern, so die These, sukzessive die traditionellen und offiziellen betrieblichen Strukturen und Prozesse sowie die sich an diese anlehnende institutionelle Mitbestimmung. Das geplante Forschungsprojekt hat das Ziel, diesem Wissen und den damit verbundenen Machtkonfigurationen auf die Spur zu kommen.

 

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Durch digitale Technologien gestützte Arbeit findet sich mittlerweile in praktisch allen Sektoren und Branchen, sodass sie keineswegs nur ein Randphänomen für eine kleine Avantgarde von freiberuflich oder in so genannten Start-Ups Tätigen ist. Ein Großteil des – wenngleich oftmals inkrementellen – digitalen Wandels und die Majorität der Betroffenen lässt sich vielmehr in Großunternehmen mit einer traditionell gewachsenen Mitbestimmungsstruktur finden. In den Großunternehmen manifestieren sich Inkompatibilitäten zwischen althergebrachten Normensystemen und digitalen Neuerungen sowie eine Sprachlosigkeit zwischen den jeweiligen Akteursgruppen. Wächst im Zuge von Digitalisierung der Abstand der Gruppe der technikaffinen, tendenziell individualistisch orientierten, jungen, weißen, hoch qualifizierten Männer, die wir in einem ersten Zugriff als Kerngruppe einer betrieblichen digitalen Bohème betrachten wollen, so läuft die Mitbestimmung Gefahr, als „outdated“ und technikavers zu gelten.


2. Fragestellung

Ausgehend von der Annahme, dass sich manche Gruppen von Beschäftigten funktions- oder interessenbedingt frühzeitiger als andere Digitalisierungstechnologien aneignen, fragen wir nach deren informellem Wissen und der darauf aufbauenden Praxis. Diese betriebliche digitale Bohème – so vermuten wir – verfügt zum einen über informelle Lösungsstrategien zum anderen auch über wichtige Problemwahrnehmungen hinsichtlich heutiger und zukünftiger Herausforderungen. Unser Ziel ist es, diese Wissens- und Praxisbestände innerhalb der neuen soziotechnischen Ungewissheitszone zu rekonstruieren und auf ihre Anschlussfähigkeit für die etablierte Mitbestimmungsarbeit und die darin aufgebauten Kenntnisse über organisationale Problemlagen zu befragen.


3. Untersuchungsmethoden

Das Design der avisierten sozialwissenschaftlichen empirischen Forschung umfasst eine explorative Phase mit einem Mix aus quantitativen (Sekundärauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2016) und qualitativen (Expert*inneninterviews) Methoden, eine ethnografische Phase der Beforschung der betrieblichen digitalen Bohème und eine Transferphase.


 

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Tanja Paulitz
Technische Universität Darmstadt Institut für Soziologie
E-Mail: paulitz(at)ifs.tu-darmstadt.de

Prof. Dr. Ulrich Brinkmann
Technische Universität Darmstadt Institut für Soziologie
E-Mail: brinkmann(at)ifs.tu-darmstadt.de


Bearbeiter/in:

Irmi Diewald
Technische Universität Darmstadt Institut für Soziologie
E-Mail: diewald(at)ifs.tu-darmstadt.de

Uli Hartl
Technische Universität Darmstadt Institut für Soziologie
E-Mail: hartl(at)ifs.tu-darmstadt.de

 

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
E-Mail: stefan-luecking(at)boeckler.de

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