Psychosoziale Arbeitsbelastungen und Patientenversorgung

Forschungsschwerpunkt: Wohlfahrtsstaat

Status: abgeschlossen

Projektende: 31.07.2010

Projektnummer: 2007-960-4

Projekttitel: Psychosoziale Arbeitsbelastungen und Patientenversorgung

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Projektziel:

Das Ziel der Untersuchung bestand darin, durch eine Befragung von Krankenhausärzten den Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und ausgewählten Aspekten der Patientenversorgung zu analysieren. Zur Stärkung des Anwendungsbezugs der Studie wurden durch eine parallele Befragung der Mitarbeitervertretungen Erfahrungen mit betrieblicher Gesundheitsförderung in Krankenhäusern erhoben.

 

Veröffentlichungen:

Grosse Frie, Kirstin, 2010. Psychosoziale Arbeitsbelastungen und Versorgungsqualität bei chirurgisch tätigen Krankenhausärzten in Deutschland: Ein Strukturierungsmodell, Berlin: LIT Verlag, 142 Seiten.

von dem Knesebeck, Olaf, 2009. Arbeitsbedingungen und Patientenversorgung: Eine Befragung von Chirurgen und Gynäkologen zur psychosozialen Arbeitsbelastung, Arzt und Krankenhaus, 07/2009, S. 210-213.

Blum, Karl, 2009. Betriebliches Gesundheitsmanagement im Krankenhaus, das Krankenhaus, 8/2009, S. 731-738.

Blum, Karl, 2010. Betriebliche Gesundheitsförderung für Krankenhausärzte, Arzt und Krankenhaus, 01/2010, S. 17-21.

von dem Knesebeck, Olaf, 2010. Psychosoziale Arbeitsbelastungen bei chirurgisch tätigen Krankenhausärzten: Ergebnisse einer bundesweiten Befragung. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung, Deutsches Ärzteblatt, 107(14), S. 248-253.

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Klein, Jens, 2011. Psychosocial stress at work and perceived quality of care among physicians in surgery, BMC Health Services Research, 11/2011, S. 109.

Klein, Jens und Kirstin Grosse Frie, 2010. Psychosoziale Arbeitsbelastungen und Patientenversorgung chirurgisch tätiger Krankenhausärzte, In: Hanneli Döhner, Heidrun Kaupen-Haas, Olaf von dem Knesebeck (Hrsg.), Medizinsoziologie in Wissenschaft und Praxis, Berlin: LIT Verlag, S. 121-130.

Klein, Jens, 2010. Burnout and perceived quality of care among German clinicians in surgery, International Journal of Quality in Health Care, 22/2010, S. 525-530.

 

Weitere Informationen:

 

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Arbeitssituation des Krankenhauspersonals ist gekennzeichnet durch steigende Patientenzahlen und eine Leistungsverdichtung infolge sinkender Verweildauern. Daher besteht ein verstärkter Bedarf, sich mit den Arbeitsbelastungen des Krankenhauspersonals auseinanderzusetzen. Dabei gilt es, etablierte theoretische Modelle zur Erfassung psychosozialer Arbeitsbelastungen zu berücksichtigen. In der vorliegenden Studie wird auf das Anforderungs-Kontroll-Modell und auf das Modell beruflicher Gratifikationskrisen zurückgegriffen. Das Projekt enthält eine gesundheitspolitische Dimension, da die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus nicht nur ein bedeutsamer Faktor für die Beschäftigten sind, sondern zugleich eine potentielle Einflussgröße für die Qualität der Patientenversorgung darstellen.


2. Fragestellung

Im Hinblick auf die Ärztebefragung wurden u.a. folgende Fragestellungen verfolgt:

Wie stark ausgeprägt sind psychosoziale Arbeitsbelastungen bei Krankenhausärzten in Deutschland? Gibt es einen Zusammenhang zwischen psychosozialen Arbeitsbelastungen und ausgewählten Aspekten der Patientenversorgung (Umgang mit Patienten, Wahrnehmung der Qualität der selbst geleisteten Versorgung, Organisation und Ablauf der Versorgung)?

Bei der Befragung der Mitarbeitervertretung standen u.a. folgende Fragen im Vordergrund:

Welche Erfahrungen liegen im Krankenhaus im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung vor und inwieweit sind bzw. waren die Mitarbeitervertretungen beteiligt? Welchen Stellenwert haben Maßnahmen zur Prävention psychosozialer Belastungen bei den bisher durchgeführten Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung im Krankenhaus?


3. Untersuchungsmethoden

Zur Datenerhebung wurde eine bundesweite, repräsentative postalische Befragung von 1311 Ärzten in 489 Krankenhäusern durchgeführt. Zur Erfassung von psychosozialen Arbeitsbelastungen wurde auf validierte Instrumente zurückgegriffen (z.B. Fragebögen zum Modell beruflicher Gratifikationskrisen und zum Anforderungs-Kontroll-Modell). Im Hinblick auf die Patientenversorgung wurden neben Daten aus der Befragung der Krankenhausärzte (Umgang mit Patienten, Patientenorientierung, wahrgenommene Qualität der eigenen Versorgung) objektive Daten der Krankenhäuser zur Organisation und zum Ablauf der Patientenversorgung einbezogen. Im Zuge der Kontaktaufnahme mit den ausgewählten Krankenhäusern wurden auch die jeweiligen Mitarbeitervertretungen (N= 291) angeschrieben und mit einem eigenen Erhebungsinstrument befragt.


4. Darstellung der Ergebnisse

- Gemäß der beiden o.g. Modelle psychosozialer Arbeitsbelastung sind chirurgisch tätige Krankenhausärzte verglichen mit der deutschen Erwerbsbevölkerung hoch belastet. Insbesondere Assistenzärzte haben gegenüber Chef- und Oberärzten ein höheres Risiko, unter psychosozialen Arbeitsbelastungen zu leiden.

- Psychosoziale Arbeitsbelastungen weisen sowohl zu allen erhobenen Gesundheitsindikatoren und Burnout, als auch zu einzelnen Aspekten der Patientenversorgung (z. B. subjektive Qualität der geleisteten Versorgung) einen signifikanten Zusammenhang auf.

- Die Befragung der Mitarbeitervertretungen ergab, dass verhaltenspräventive Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung im Krankenhaus bislang eher sporadisch oder selektiv durchgeführt werden, während verhältnispräventive Maßnahmen häufiger und der betriebliche Arbeitsschutz sowie das Qualitätsmanagement weitgehend umgesetzt sind. Mitarbeitervertretungen sind an Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung selten beteiligt.

- Das betriebliche Gesundheitsmanagement hat bisher kaum Auswirkungen auf die Reduzierung psychosozialer Belastungen und die gesundheitliche Befindlichkeit der chirurgisch tätigen Krankenhausärzte.


 

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Karl Blum
Deutsches Krankenhausinstitut
Leiter des Forschungsbereichs
E-Mail: karl.blum(at)dki.de

Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Institut für Medizin-Soziologie
E-Mail: o.knesebeck(at)uke.uni-hamburg.de

Prof. Dr. Johannes Siegrist
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Medizinische Soziologie
E-Mail: siegrist(at)uni-duesseldorf.de


Bearbeiter/in:

Kirstin Grosse Frie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Abteilung für Medizinische Soziologie
E-Mail: k.grosse-frie(at)uke.uni-hamburg.de

 

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
E-Mail: dorothea-voss(at)boeckler.de

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