Inanspruchnahmeprobleme bei öffentlichen Sachleistungen

Forschungsschwerpunkt: Zukunft des Wohlfahrtstaats

Status: abgeschlossen

Projektende: 30.09.2014

Projektnummer: 2012-607-4

Projekttitel: Inanspruchnahmeprobleme bei öffentlichen Sachleistungen

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Projektziel:

Die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen hat die Sicherstellung der grundlegenden Versorgung mit gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen zum Ziel und ist ein staatliches Instrument für den Ausgleich sozialer Ungleichheiten. Das geförderte Projekt untersucht den Verteilungseffekt öffentlicher Sachleistungen und identifiziert Barrieren bei der Inanspruchnahme dieser Leistungen.

 

Veröffentlichungen:

Holler, Markus, Ernst Kistler und Constantin Wiegel, 2015. Inanspruchnahme und Verteilungseffekte gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen, Stadtbergen, 124 Seiten.

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Projektbeschreibung:

1. Kontext

Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sind von hoher Lebenslagenrelevanz für die Bevölkerung. Ihre Betrachtung als Staatskonsum trägt zu einer Geringschätzung bei (auch in der Entlohnung der Beschäftigten). Dabei sind sie wichtige Beschäftigungsmotoren und Schlüsselsektoren einer modernen Dienstleistungsgesellschaft. Aus verteilungspolitischer Perspektive stellt die Inanspruchnahme öffentlicher Sachleistungen geldwerte Vorteile dar, die verschiedene Gruppen in unterschiedlichem Maße besser oder schlechter stellen. In der Verteilungsdebatte wurden diese Effekte in den letzten Dekaden vernachlässigt. Erst jüngst beginnt die europäische Sozialpolitik und Sozialberichterstattung wieder, dieses Thema zu betonen. Dies hat auch mit der umgekehrten Fragestellung zu tun, welche geldwerten Vorteile den privaten Haushalten entzogen werden, wenn solche Leistungen (z. B. aufgrund von Sparmaßnahmen oder Privatisierung) eingeschränkt werden oder in manchen Regionen nicht zur Verfügung stehen.


2. Fragestellung

Das Projekt fokussiert folgende Teilfragen:

1) Welche Verteilungswirkung lässt sich durch partielle Ausgabeninzidenzanalysen am Beispiel von Betreuungs- und Bildungskosten bei unterschiedlichen Sozialgruppen feststellen? 2) Welche Unterschiede bei der Inanspruchnahme von öffentlichen Sachleistungen (Kinderbetreuung, Schulbesuch, ärztliche Leistungen, gesundheitliche Präventionsangebote, kulturelle Veranstaltungen) lassen sich identifizieren? 3) Welche Erfordernisse im Hinblick auf die Gestaltung der Leistungen ergeben sich daraus, insbesondere wenn davon ausgegangen wird, dass diese Leistungen schwächere soziale Gruppen nicht ausschließen bzw. diese sogar besonders begünstigen sollten? Welche politischen und sozialen Handlungsfelder ergeben sich aus den empirischen Analysen und was wird - zumindest in Ansätzen - bereits umgesetzt?


3. Untersuchungsmethoden

Um gruppenspezifische Unterschiede in der Verteilung der Inanspruchnahme von öffentlichen Sachleistungen bzw. Filtermechanismen der Nutzung zu analysieren und zu quantifizieren, werden vor allem der Mikrozensus, das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) und der deutsche Teil der Erhebung "Leben in Europa" (EU-SILC) verwendet. Darauf aufbauend werden die Verteilungswirkungen im Sinne von geldwerten Vorteilen finanzwissenschaftlich mittels einer partiellen Ausgabeninzidenzanalyse dargestellt und untersucht, inwiefern sich die Verteilungsposition von Haushalten ändert. Zusätzlich wird auch aus einer Analyse der einschlägigen Literatur abgeleitet, welche Hinweise sich für die (Um-)gestaltung der Dienstleistungen und Dienstleistungsarbeit ergeben.


4. Darstellung der Ergebnisse

Die partiellen Ausgabeninzidenzanalysen zeigen auf der Haushaltsebene keinen "merklichen" Verteilungseffekt bei Berücksichtigung staatlich geförderter Subventionen. So bleiben nach der simulierten Einberechnung der Transferleistungen die Armutsrisikoquoten auf der Haushaltsebene nahezu unverändert. Bei der genaueren Untersuchung von Inanspruchnahmehemmnissen zeigen sich Bildungs-, Herkunfts-, Status- und Einkommenseffekte. So sind es eher Kinder aus gehobenen Bildungs- und Sozialschichten, die eine frühe Kinderbetreuung in Anspruch nehmen oder eine höhere Schule besuchen. Es sind auch wohlhabendere und gebildetere Personen, die häufiger gesundheitliche Präventionsangebote nutzen oder hochkulturelle Veranstaltungen besuchen. Personen, die trotz Notwendigkeit keinen Arzt aufsuchen, sind häufiger in den unteren Einkommens- und Sozialschichten zu finden. Personen mit Migrationshintergrund nehmen den Untersuchungen zufolge generell öffentliche Dienstleistungen seltener in Anspruch als Personen ohne Migrationshintergrund. Die Ergebnisse verweisen auf eine notwendige politische Diskussion über die Wirksamkeit und Verteilungswirkung von gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen.


 

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. rer.pol. Ernst Kistler
INIFES Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie gGmbH
E-Mail: info(at)inifes.de


Bearbeiter/in:

Markus Holler
INIFES Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie gGmbH
E-Mail: holler(at)inifes.de

Constantin Wiegel
INIFES Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie gGmbH
E-Mail: wiegel(at)inifes.de

 

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss
Hans-Böckler-Stiftung Abt. Forschungsförderung
Zukunft des Wohlfahrtsstaats
E-Mail: dorothea-voss(at)boeckler.de

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