WSI GenderDatenPortal: Zeitverwendung

Zeitaufwand für Hausarbeit und Fürsorgearbeit im mittleren Lebensalter 2012/2013

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In den Privathaushalten Deutschlands wird Haus- und Fürsorgearbeit noch immer überwiegend von Frauen erledigt. Dies gilt besonders für Erwerbstätige im mittleren Lebensalter zwischen 25 und 50 Jahren. Erwerbstätige Frauen dieser Altersgruppe wenden deutlich mehr Zeit für Haushaltsführung und Fürsorgearbeit auf als erwerbstätige Männer.

Auf die täglich für Hausarbeit (Abb.1) verwendete Zeit wirkt sich der Erwerbsumfang für beide Geschlechtergruppen unterschiedlich aus: Bei Frauen variiert die geleistete Hausarbeit stark mit ihrem Erwerbsumfang, nicht jedoch bei Männern. Ein zeitlicher Mehraufwand der Frauen ist dabei sowohl unter Teilzeit- wie auch Vollzeitbeschäftigte festzustellen:

  • Teilzeitbeschäftigte Frauen verbringen (mit durchschnittlich 03:35 Stunden) etwa 1,9-mal so viel Zeit mit Hausarbeiten wie teilzeitbeschäftigte Männer.
  • Vollzeitbeschäftigte Frauen leisten im Vergleich zu vollzeittätigen Männern das 1,4-fache an Hausarbeit pro Tag. Der geschlechtsbezogene Abstand fällt mit 42 Minuten ro Tag immer noch beträchtlich aus.(1)

Wie ungleich die Hausarbeit auf Frauen und Männer im mittleren Lebensalter verteilt ist, wird neben dem Erwerbsumfang auch davon beeinflusst, ob Kinder im Haushalt leben:

  • Frauen wenden generell mehr Zeit für Hausarbeit auf, wenn Kinder im Haushalt zu versorgen sind. Dieser Zusammenhang ist bei Männern nicht festzustellen. (Im Durchschnitt verbringen Männer sogar etwas weniger Zeit pro Tag mit Hausarbeit, wenn sie in einem Haushalt mit minderjährigen Kindern leben.)
  • Vollzeitbeschäftigte Mütter aus Paarhaushalten (mit Kindern), erledigen im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Vätern täglich das 1,5-fache an Hausarbeit. Mütter, die Teilzeit arbeiten, leisten sogar das 1,9-fache an täglicher Hausarbeit wie vollzeitbeschäftigte Väter.
  • Besonders viel Zeit verbringen teilzeitbeschäftigte Mütter mit Hausarbeit, wenn ihre Kinder bereits im Schulalter sind. Mit 4:00 Stunden wenden sie täglich fast doppelt so viel Zeit für Hausarbeit auf wie vollzeitbeschäftigte Väter von Schulkindern (2:07 Stunden).

Noch größer fallen die Geschlechterunterschiede unter den 25- bis 50-Jährigen im Bereich der Fürsorgearbeit aus (Abb. 2). Für Frauen ist – wie schon bei der Hausarbeit – ein starker Zusammenhang zwischen Erwerbsumfang und Fürsorgearbeit festzustellen. Bei den Männern bleibt der Zeitaufwand für Fürsorgearbeit hingegen annähernd unverändert – unabhängig von ihrem Erwerbsumfang.

Für Frauen sind Teilzeitarbeit und die Übernahme von Fürsorgearbeit auf das Engste miteinander verknüpft: Im mittleren Lebensalter bringen teilzeitbeschäftigte Frauen annähernd fünfmal so viel Zeit für Fürsorgearbeit auf wie vollzeitbeschäftigte Frauen. Erwerbstätige Frauen in Deutschland reduzieren ihre Arbeitszeit vor allem, um familiäre Fürsorgearbeit (Betreuung von Kindern und Pflege von Angehörigen) zu übernehmen. Demgegenüber sind Männer in Deutschland vorwiegend aus anderen Gründen teilzeitbeschäftigt.(2) Teilzeitbeschäftigte Männer wenden daher auch kaum mehr Zeit für Fürsorgearbeit auf als vollzeitbeschäftigte Männer.

Bei Frauen wie Männern steigt der Zeitaufwand für Fürsorgearbeit stark an, wenn sie in einem Haushalt mit Kindern leben: Im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Vätern (00:52 Stunden) leisten vollzeitbeschäftigte Mütter jeden Tag das 1,4-fache an Fürsorgearbeit und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar das 1,9-fache. Damit bestätigt sich die Existenz einer geschlechtsbezogenen Lücke bei der Fürsorgearbeit selbst für jeweils vollzeitbeschäftigte Eltern in der Familienphase.

Die meiste Fürsorgearbeit fällt in Paarhaushalten mit Kindern unter 6 Jahren an. Hier ist die geschlechtsbezogene Lücke daher besonders groß: Im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Vätern wenden vollzeitbeschäftigte Mütter das 1,6-fache und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar das 2,1-fache an täglicher Fürsorgearbeit auf.(3)

Die vorgestellten Befunde decken sich mit den Ergebnissen des erstmals für Deutschland berechneten Gender Care Gap (der geschlechtsbezogenen Lücke bei der Sorgearbeit) aus dem Gutachten zum Zweiten Gleichstellungsbericht.(4)


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath


Literatur:

Maier, Lucia (2014): Methodik und Durchführung der Zeitverwendungserhebung 2012/2013, in: Wirtschaft und Statistik, November 2014, Wiesbaden.

OECD (2016): Dare to Share. – Deutschlands Weg zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf. Paris: OECD Publishing.

Sachverständigenkommission zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2017): Erwerbs- und Sorgearbeit gemeinsam neu gestalten. Gutachten für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Berlin. Online verfügbar unter www.gleichstellungsbericht.de/gutachten2gleichstellungsbericht.pdf.

Statistisches Bundesamt (2014): Aktivitätenliste (Stand 16.09.2014).

Statistisches Bundesamt (2016): Zeitverwendungserhebung, ZVE 2012/2013. Qualitätsbericht, Wiesbaden.


(1) Diese Befunde stehen im Einklang mit den Ergebnissen einer Studie der OECD für Deutschland: Hausarbeit wird in solchen Paaren ausgewogener verteilt, in denen Frauen umfangreicher am Arbeitsmarkt teilhaben. Allerdings übernehmen die Frauen stets mehr Hausarbeit als die Männer. Dies trifft auch zu, wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, und sogar noch dann, wenn sie die gleiche Anzahl an Wochenstunden haben (vgl. OECD 2016: 182f).

(2) Dieser Zusammenhang wurde auch in Untersuchungen der OECD bestätigt (vgl. OECD 2016).

(3) Für Paare in Deutschland bestätigen auch die OECD-Analysen, dass Väter weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen als Mütter, wobei die „Fürsorgelücke“ bei Paaren mit kleineren Kindern noch einmal größer ausfällt als bei Paaren mit schulpflichtigen Kindern. Der Mehraufwand an Zeit der Mütter für die Kinderversorgung fällt dabei an Werktagen deutlich größer aus als an den Tagen des Wochenendes. Dies dürfte dem kürzerem Erwerbsumfang der (zumeist teilzeitbeschäftigten) Mütter bzw. den längeren Arbeitszeiten der (häufig vollzeitbeschäftigten) Väter geschuldet sein (OECD 2016: 198).

(4) Vgl. Sachverständigenkommission zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2017): Erwerbs- und Sorgearbeit gemeinsam neu gestalten. Gutachten für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Berlin. Online verfügbar unter www.gleichstellungsbericht.de/gutachten2gleichstellungsbericht.pdf. Allerdings unterscheiden sich die Analysen des Gutachtens in zwei Punkten von den hier vorliegenden Analysen: Erstens werden im Gutachten auch ehrenamtliches Engagement und informelle Hilfen für andere Haushalte zur Sorgearbeit gerechnet. Zweites beziehen sich die Auswertungen des Gutachtens auf alle Personen, während hier der Fokus auf den Erwerbstätigen liegt.

Datentabellen zu den Grafiken


Methodische Anmerkungen

Die Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2012/2013 wurde vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Landesämtern durchgeführt. Verteilt über einen Zeitraum von 12 Monaten erfolgte eine schriftliche Befragung von mehr als 5.000 Privathaushalten (am Hauptwohnsitz) und 11.000 Personen (ab 10 Jahren). Für jeweils 3 vorgegebene Tage (2 Wochentage sowie Samstag oder Sonntag) füllten die Teilnehmer/innen dazu ein Tagebuch aus, in welches sie ihre Tätigkeiten im 10-Minuten-Takt eintrugen. Für die einzelnen Tätigkeiten wurde auch angegeben, ob es sich dabei um die Haupttätigkeit oder gleichzeitige Nebentätigkeit handelt (z. B. Bügeln und nebenbei Radio hören), und welche anderen Personen zugegen waren.(1)

Für die vorliegenden Analysen zur Fürsorgearbeit und Hausarbeit von Frauen und Männer im Erwerbsalter (18 bis 64 Jahre) wurde dabei jeweils der durchschnittliche Zeitumfang für diese Tätigkeitsbereiche ermittelt. Da diese Tätigkeiten oftmals ungleich über die Wochentage verteilt sind – etwa weil sie gehäuft an Wochentagen stattfinden (z. B. Erwerbstätigkeit) oder vorwiegend am Wochenende (Hausarbeit bei Vollzeiterwerbstätigen) – werden die einzelnen Tage (Wochentage und Tage am Wochenende) für die Berechnung der durchschnittlichen Zeitdauer gewichtet. Als Ergebnis erhält man die durchschnittliche Zeitdauer eines Tätigkeitsbereiches pro Tag. Dies ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten, denn dadurch entsprechen die Werte nicht dem gewohnten Zeitverständnis: Beispielsweise kann die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeiterwerbstätigen weniger als 5 Stunden pro Tag betragen, obwohl sogar Arbeitspausen und Wegezeiten als Teil der Arbeitszeit berücksichtigt werden. In die Durchschnittswerte gehen auch tatsächliche Abwesenheitszeiten vom Arbeitsplatz wie Urlaubszeiten, Feiertage und krankheitsbedingte Ausfallzeiten ein. Außerdem ist zu beachten, dass die Analysen ausschließlich auf den Angaben zu den Haupttätigkeiten beruhen. Dies kann vor allem im Bereich der Fürsorgearbeit zu einer zeitlichen Untererfassung führen, wenn Phasen der Kinderbetreuung als Nebentätigkeit eingetragen wurden (z. B. Unterhaltung mit dem Kind während der Essensvorbereitung).


 

(1) Grundlegende Informationen zur Zeitverwendungserhebung 2012/2013 bieten: Maier, Lucia (2014): Methodik und Durchführung der Zeitverwendungserhebung 2012/2013, in: Wirtschaft und Statistik, November 2014, Wiesbaden; sowie Statistisches Bundesamt (2016): Zeitverwendungserhebung, ZVE 2012/2013. Qualitätsbericht, Wiesbaden.

Hausarbeit
Hausarbeit umfasst sämtliche Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit der Haushaltsführung stehen, inklusive aller damit verbundenen Wegezeiten. Ausgenommen hiervon sind alle Tätigkeiten, die auf die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen abzielen.(1) Hausarbeit umfasst damit: Zubereitung von Mahlzeiten, Instandhaltung von Haus und Wohnung, Herstellung und Pflege von Textilien, Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege, sämtliche handwerkliche Tätigkeiten, Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen (z. B. Arztbesuch, Behördengänge), sämtliche Vorbereitungen im Haushalt sowie die Organisation des Haushalts selbst.

Nicht berücksichtigt wurden hingegen Hausarbeiten, die für Personen aus anderen Haushalten verrichtet werden, z. B. Fenster putzen im Haushalt der Eltern. Der Grund dafür ist methodischer Natur: Alle Tätigkeiten, die sich auf Personen beziehen, die nicht im Haushalt der Befragten leben, werden in der Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2012/2013 als „Unterstützung anderer Haushalte“ (Tatigkeitscode: 52) erfasst. Da hierunter auch ehrenamtliche Tätigkeiten fallen können, oder Nachbarschaftshilfe im weitesten Sinne (Beratung der Nachbarn beim Autokauf), wurde diese Kategorie nicht in die Analyse einbezogen. Folglich konnten in den vorliegenden Analysen nur Hausarbeiten erfasst werden, die sich auf den eigenen Haushalt beziehen.

Fürsorgearbeit
Fürsorgearbeit umfasst in den vorliegenden Analysen sowohl die Zeiten für Kinderbetreuung als auch die Zeiten für Pflege von Angehörigen sowie alle Wegezeiten, die in Verbindung mit diesen Tätigkeiten anfallen.

Für Kinderbetreuung gilt: „Die Kinderbetreuung bezieht sich auf (eigene) Kinder, die im Haushalt leben. Die obere Altersgrenze für ein Kind ist bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres (17 Jahre).“(2) Unter Kinderbetreuung werden sämtliche Tätigkeiten mit dem und für das Kind gefasst, z. B. Körperpflege, Hausaufgabenbetreuung, Spielen und Sport, Begleitung zu Terminen, Vorlesen, Gespräche führen etc.(3)

Zu den Pflegetätigkeiten „zählen sowohl Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern aufgrund des Alters, einer Krankheit oder einer Pflegebedürftigkeit als auch normale Unterstützungsleistungen (z. B. dem Ehemann
die Haare schneiden).“(4)

Die Abgrenzung zwischen Kinderbetreuung und Pflege erfolgt über das Alter der zu pflegenden und zu betreuenden Person, so dass die Pflege von minderjährigen Haushaltsmitgliedern (z. B. auf Grund von Behinderung) unter Kinderbetreuung erfasst wird.

Alle Tätigkeiten, die sich auf Personen beziehen, die nicht im Haushalt der Befragten leben, werden in der in der ZVE 2012/2013 als „Unterstützung anderer Haushalte“ (Tatigkeitscode: 52) erfasst. Da hierunter auch ehrenamtliche Tätigkeiten fallen können, oder Nachbarschaftshilfe im weitesten Sinne (Beratung der Nachbarn beim Autokauf), wurde diese Kategorie nicht in die Analyse einbezogen. Als Folge können in den vorliegenden Analysen nur Kinderbetreuungszeiten und Pflegezeiten erfasst werden, die sich auf im selben Haushalt lebende Kinder bzw. Pflegebedürftige richten.


 

(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2014): Aktivitätenliste (Stand 16.09.2014), S. 6 ff.

(2) Vgl. Statistisches Bundesamt (2014): Aktivitätenliste (Stand 16.09.2014), S.10.

(3) a. a. O.

(4) a. a. O., S.11.

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