ARBEITSZEIT

SOUVERÄNITÄT IST DIE LÖSUNG

SPIELRÄUME NUTZEN, AKZENTE NEU SETZEN

Was ist die Ausgangslage?

ARBEITSZEITKONFLIKTE VERSCHÄRFEN SICH. Kaum ein Thema wird so heiß diskutiert wie die Arbeitszeit, denn sie strukturiert unsere Arbeitswelt wie unser gesamtes Leben. Wer wann wie viel Zeit wofür und mit welchem Grad an Souveränität aufwendet – das entscheidet über Einkommen, Berufsbiografien, Weiterbildungsmöglichkeiten, selbst über die Familiengründung. Um die »richtige« Arbeitszeit ringen nicht nur Arbeitgeber und Gewerkschaft en: Zwischen Beschäftigten, in Arbeitsteams und sogar in Partnerschaft en und Familien finden diese Aushandlungsprozesse statt. Auch ist der Arbeitsmarkt immer noch gespalten in (zumeist männliche) Vollzeit und (zumeist weibliche) Teilzeit. Diese Spaltung entspricht immer weniger den Bedürfnissen; die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei der Arbeitszeit wird in immer neuen Studien nachgewiesen.

Angesichts der drängenden Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit sowie der wachsenden Qualifizierungsanforderungen für die Beschäftigten ist ein Ausgleich der Interessen unabdingbar. Zeit wird zur Schlüsselfrage in der digitalen Transformation; gleichzeitig liegt hier auch eine Antwort: Wenn es gelingt, den technischen Fortschritt (also die erwartete »digitale Dividende«) in Zeitsouveränität umzuwandeln, lassen sich andere Konflikte entschärfen, etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

ARBEIT WIRD FLUIDE. Der Fortschritt bei den Informations- und Kommunikationstechnologien macht zunehmend mobiles Arbeiten möglich. Die damit einhergehende Flexibilität entspricht vielfach den Wünschen der Beschäftigten und eröffnet Potenziale für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Allerdings hat nur ein Bruchteil der Beschäftigten Zugang zu mobilem Arbeiten – und es zeigen sich weitere Schattenseiten: Die Forschung verweist auf die negativen Effekte eines nicht klar definierten Arbeitsendes; viele mobil Arbeitende haben das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen. Auch wird eine Wiederaufnahme der Arbeit oft nicht als Arbeitszeit erfasst, sodass es zu einer schleichenden Expansion der Arbeitszeit kommen kann. Für die fluide Arbeitswelt fehlen noch die Spielregeln.

Was ist zu tun?

MOBILES ARBEITEN ERMÖGLICHEN Die Verfügbarkeitserwartungen der Unternehmen und der Wunsch der Beschäftigten nach Zeitsouveränität müssen besser miteinander vereinbart werden. Mobiles Arbeiten stellt für viele Beschäftigte eine Option für Zeitsouveränität dar, doch entstehen neben Freiheitsgewinnen auch Belastungen und mitunter berufliche Nachteile. Herausforderungen und Tücken des Modells zeichnen sich immer klarer ab. Wo aber Vor- und Nachteile so dicht beieinanderliegen, ergibt sich eine große Gestaltungsaufgabe. Weil mobile Arbeit eine tragfähige Vertrauenskultur und verantwortungsvolles Handeln von Führungskräften und Beschäftigten gleichermaßen erfordert, empfiehlt die Kommission, gemeinsam Rahmenrichtlinien für die Gestaltung von Homeoffice und mobiler Arbeit festzulegen. Nötig ist auch ein Informations- und Erwartungsmanagement: Es sind klare Regelungen nötig, wer wann im Homeoffice bzw. mobil erreichbar ist.

Angesichts des wachsenden Wunschs nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf empfiehlt die Kommission, einen rechtlichen Anspruch auf mobiles Arbeiten einzuführen. Die Begründungspflicht für eine Ablehnung sollte beim Arbeitgeber liegen. Darüber hinaus sollte das Recht auf eine individuelle Wahl der Lage der Arbeitszeit gestärkt werden. mehr ...

RECHT AUF EINE BEGRÜNDUNGSFREIE AUSZEIT Die Debatte um Arbeitszeiten konzentriert sich zumeist auf Kindererziehung und Pflege, zunehmend auch auf Qualifizierung. Unbeachtet bleibt hingegen, dass es Menschen in einem langen Erwerbsleben auch möglich sein muss, die Arbeit einfach einmal für eine längere Pause zu unterbrechen – und zwar ohne jede Begründung. Arbeitnehmer/ innen brauchen »Luftlöcher« im Lebensverlauf, die auch wirtschaftlich von Vorteil sind, wenn Arbeitsmotivation und Gesundheit erhalten bleiben. Eine kreative Arbeitsgesellschaft setzt solche Pausen zwingend voraus. Es ist darum an der Zeit, so starke Voten in der Kommission, das Sabbatical aus der Nische ins Zentrum der Arbeitsmarktpolitik zu holen. Dafür sind gesetzliche, tarifliche und betriebliche Ansprüche zu schaffen, insbesondere ist die Finanzierung zu regeln. Dabei verdienen die untersten Einkommensgruppen besondere Aufmerksamkeit: Sollen Auszeiten kein Privileg für Gutverdienende bleiben, muss über Lohnersatzleistungen für diese Gruppen nachgedacht werden. mehr ...

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