QUALIFIZIERUNG

TALENTSCHMIEDE DEUTSCHLAND

NEUGIER WECKEN, POTENZIALE ERSCHLIESSEN

Was ist die Ausgangslage?

BILDUNG WIRD IMMER WICHTIGER. Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg basiert nicht auf Rohstoffen, sondern auf den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen, auf ihrem Wissen und ihren kreativen Ideen. Diese gewinnen in der digitalen Transformation und einer auf permanente Innovation angewiesenen Wirtschaft an Bedeutung. Im Strukturwandel entstehen neue Beschäftigungsfelder, andere gehen verloren. Dies verlangt den Beschäftigten inhaltliche Flexibilität ab und macht lebensbegleitendes Lernen zum Schlüssel der Existenzsicherung. Die Beschäftigungsszenarien für die nächsten Jahrzehnte sind zwar widersprüchlich, auch weil es noch an verlässlichen Prognoseinstrumenten fehlt, doch ist absehbar, dass viele Tätigkeiten komplexer werden, den Arbeitenden mehr Verantwortung abverlangen, kommunikative Kompetenzen und vernetztes Denken erfordern. Allseits werden Aus- und Weiterbildung als Schlüssel einer erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik beschworen – aber die nötigen Strukturen dafür fehlen.

DAS BILDUNGSSYSTEM IST NICHT ZUKUNFTSFEST. Das Bildungssystem muss seine Ziele ebenso wie seine Angebote überprüfen: Wird es den Anforderungen der Arbeitswelt von morgen gerecht? Das Bildungssystem ist immer noch höchst selektiv, bereits in der frühkindlichen Erziehung wird soziale Ungleichheit reproduziert, teilweise sogar verschärft , weil Kinder aus bildungsfernen Milieus nicht ausreichend gefördert werden. Das duale System ist international hoch geschätzt, Garant für niedrige Jugendarbeitslosigkeit und Bedingung für Innovation in kleineren Unternehmen, aber es schrumpft und ist vielen jungen Menschen verschlossen. Das Weiterbildungssystem ist unterfinanziert und ungerecht: Es benachteiligt bestimmte Gruppen wie Geringqualifizierte, Teilzeitarbeitende (das sind ins besondere Mütter) und Menschen mit Migrationshintergrund – und es wird überwiegend privat finanziert. Insgesamt ist es nicht gerüstet, um dem für viele Bereiche prognostizierten Fachkräftemangel zu begegnen und mehr Menschen eine echte Zukunftsperspektive zu geben.

Was ist zu tun?

ARBEITSBEDINGUNGEN IM BILDUNGSSEKTOR VERBESSERN Allen Prognosen zufolge wird die Beschäftigung im Bildungsbereich in den kommenden Jahren stark anwachsen, das gilt von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung. Hier geht es nicht nur um einen zahlenmäßigen Zuwachs, sondern auch um einen Zuwachs an Bedeutung und an Verantwortung: Es ist das Bildungspersonal, das die Arbeitnehmer/innen fit macht für die digitalisierte Arbeitswelt.

Damit rücken die Qualifikationen der im Bildungsbereich Tätigen, vor allem aber ihre konkreten Arbeitsbedingungen ins Blickfeld: Sie sind Schlüssel dafür, dass Bildungsreformen auch die an sie geknüpften Erwartungen erfüllen können – und müssen daher verbessert werden. In allen Bildungseinrichtungen gehören Ressourcen und Personalausstattung auf den Prüfstand. Hier realistischer zu kalkulieren befördert zudem den Schutz vor Verschleiß und Erschöpfung von Beschäftigten, die ihren Bildungsauftrag ernst nehmen. Im Bereich der Erzieher/innen müssen die Vergütungen überprüft, im Weiterbildungssektor die Beschäftigungsverhältnisse stabiler angelegt werden. Das ist Voraussetzung dafür, in diesem wachsenden Beschäftigungsfeld ausreichend Personal anzuwerben und zu halten – und die Qualität der Bildung zu sichern. Die Qualifikation der Qualifizierer ist die Herausforderung unserer Zeit. mehr ...

EIN HOCHSCHULPAKT FÜR WEITERBILDUNG Viele Menschen werden nach einer längeren Berufstätigkeit ihre Qualifikationen aufstocken wollen oder müssen. Universitäten und Fachhochschulen sind prinzipiell bestens geeignet, Weiterbildungsangebote zu entwickeln und auszubauen, z. B. in Form von Seminaren oder Aufbau- und Ergänzungsstudiengängen. Bislang bleiben sie aber hinter ihren Möglichkeiten zurück; auch zielt das Weiterbildungsangebot bislang hauptsächlich auf Menschen, die bereits einen Hochschulabschluss haben bzw. noch studieren. Dies muss sich ändern.

Nötig sind Angebote unterhalb der Schwelle eines kompletten Hochschulstudiums oder Aufbaustudiengangs – auch für Personen ohne Abitur. Damit Hochschulen sich zu echten Anbietern für Weiterbildung auch jenseits der »Kernklientel« entwickeln und ihre Angebote neu zuschneiden können, sind finanzielle Unterstützung und Anreize sowie Planungssicherheit nötig. Bislang konnten sich Hochschulen kaum flächendeckend auf die Rolle als Weiterbildner vorbereiten: Lehrzeiten, Personalbestände, didaktische Konzepte und Lehretats sind noch nicht auf eine solche Aufgabe ausgelegt. Es bietet sich daher an, das Auslaufen des Hochschulpaktes im Jahr 2020 zu nutzen, um die Weiterbildung zu stärken: Ein Teil der Gelder des neu aufzulegenden (und möglicherweise aufzustockenden) Programms könnte für besondere Anstrengungen reserviert werden, Weiterbildungsangebote für Personen aus der Praxis anzubieten. mehr ...

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