EINKOMMEN

ARBEIT AUFWERTEN

Auskommen garantieren, Leistung honorieren

Was ist die Ausgangslage?

EINKOMMENSSPREIZUNGEN NEHMEN ZU. So verkürzt es wäre, Erwerbstätigkeit nur als Mittel zum Gelderwerb zu sehen, so naiv wäre es, zu ignorieren, dass Menschen auf eine materielle Absicherung ihrer Existenz angewiesen sind. Die Möglichkeiten, ein auskömmliches Einkommen zu erzielen, differieren allerdings stark. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Einkommensschere geöffnet: Die Einkommen der reichsten Haushalte wuchsen erheblich (um 26 %), die mittleren immerhin deutlich (12 %), die niedrigen Einkommen jedoch gingen real zurück. Einkommensspreizungen zeigen sich auf unterschiedlichen Ebenen: zwischen Industrie- und vielen Dienstleistungsberufen, zwischen Männern und Frauen, zwischen Ost und West, zunehmend auch innerhalb von Branchen, sogar innerhalb von Unternehmen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zu ihnen gehören die Ausweitung des Dienstleistungssektors, die Expansion von (kleiner) Teilzeit, auch die abnehmende Tarifbindung. Allen Beschäftigungsprognosen zufolge wird der Bereich der sozialen Dienstleistungen weiter expandieren. Hier arbeiten überwiegend Frauen. Die Einkommen steigen in diesem Sektor nicht automatisch mit der Nachfrage – die (sozialen) Dienstleistungen drohen von der Wohlstandsentwicklung abgehängt zu werden. Gleichzeitig wächst ein Sektor, der hohe Gewinne, aber bislang wenig Erwerbseinkommen generiert: die Plattformökonomie. Hier greifen die üblichen Instrumente der Lohnfindung bisher nur begrenzt.

DIE VERTEILUNGSFRAGE WIRD ZUM POLITIKUM. Eine wachsende Zahl von Menschen macht die Erfahrung, am wirtschaftlichen Erfolg alter und neuer Geschäftsmodelle nicht (mehr) teilzuhaben; die Existenzsicherung und damit das Leben insgesamt werden als fragil empfunden. Der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht attestiert Deutschland eine »verfestigte Ungleichheit«. Diese wird inzwischen nicht nur medial skandalisiert, sondern sie bereitet auch der Wirtschaft Sorge: Soziale Ungleichheit wird zunehmend als lähmender Faktor für wirtschaftliche Dynamik begriffen. Gelingt es nicht, die »Digitalisierungsdividende« gerecht zu verteilen, wird der technologische Fortschritt die soziale Spreizung befördern.

Was ist zu tun?

Produktivität neu denken Prognosen zufolge sind die sozialen Dienstleistungen die größte Wachstumsbranche der kommenden Jahre. Zum einen gehen die geburtenstarken Jahrgänge auf das Rentenalter zu, was zu einem steigenden Beschäftigtenbedarf bei den Pflegedienstleistungen führen wird. Zum anderen benötigen immer mehr berufstätige Eltern eine Betreuung für ihre Kinder – bei steigenden Ansprüchen an Quantität und Qualität. Konsens besteht inzwischen darüber: Die sozialen Dienstleistungen leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand und zur Lebensqualität.

Der bisherige Produktivitätsbegriff ist jedoch kein guter Maßstab, um diesen Beitrag sichtbar zu machen und angemessene Entlohnung zu erreichen. Vielmehr sind Messkriterien und Indikatoren nötig, die dem besonderen Charakter von sozialen Dienstleistungen besser gerecht werden und deren Wert für Gesellschaft und Wirtschaft realistischer abbilden. Ein neues Verständnis von Produktivität ist nötig, um das Ziel der Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen besser mit den Zielen der ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Damit ein solches Verständnis arbeitsmarktpolitische Wirkung entfaltet (z. B. durch den Ausbau von Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur und durch höhere Löhne in diesen Bereichen), müsste dieses Verständnis fest im staatlichen Berichtswesen verankert werden. Es sollte – neben dem Bruttoinlandsprodukt – ein neues Referenzsystem für die Wohlstandsentwicklung eingeführt werden. Vorstellbar wäre ein Jahreswohlstandsbericht. mehr ...

Das Eigentum an Daten sicherstellen Daten sind der Rohstoff der Zukunft. Die Auswertung und der Verkauf von Nutzerdaten sind bereits jetzt lukrativ für Internetgiganten wie Facebook, Google und Amazon. Die Nutzerdaten werden von den Kund/innen bislang kostenlos – und zumeist unabsichtlich – zur Verfügung gestellt. Wenn die Nutzung und Verwertung von Daten jedoch einen immer größeren Teil der Wertschöpfung ausmachen und damit immer größere Gewinne erzielt werden, liegt die Frage auf der Hand, wem diese Daten gehören und wie es möglich ist, die  »Daten-Geber« an den Gewinnen zu beteiligen, die durch die Nutzung ihrer Daten erzielt werden. Bislang kennt das deutsche Rechtssystem zwar ein Eigentum an Dingen, aber nicht an persönlichen Daten. Nötig ist daher eine Reform sowohl des Eigentumsrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch als auch der Vorschriften für die Gestaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Datenüberlassung. mehr ... 

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