WSI GenderDatenPortal: Zeitverwendung

Zeitaufwand für Hausarbeit 2012/2013

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Hausarbeit ist in Deutschland immer noch eine Domäne der Frauen, denn sie verbringen deutlich mehr Zeit damit als Männer. Im Durchschnitt wenden Frauen im Erwerbsalter (18 bis 64 Jahre) etwa 1,6-mal so viel Zeit für die tägliche Haushaltsführung auf wie Männer. Die geschlechtsspezifische Lücke bei der Hausarbeit ist zu einem Teil darauf zurückzuführen, dass Frauen an den Befragungstagen etwas häufiger als Männer überhaupt Hausarbeit leisten: Mit 95 Prozent weisen sie einen höheren Beteiligungsgrad daran auf als die Männer mit 85 Prozent (vgl. Tabelle ZV 02). Würde man für den Vergleich der Frauen und Männer nur die „Ausübenden“ heranziehen, so würde die geschlechtsspezifische Lücke mit 1,4 etwas kleiner ausfallen.

Der geschlechtsbezogene Abstand bei der Hausarbeit bleibt auch bestehen, wenn man nur Erwerbstätige vergleicht. Auch unter Erwerbstätigen verbringen Frauen (mit 3:01 Stunden) 1,6-mal so viel Zeit mit Hausarbeit wie Männer (1:53 Stunden). Dabei wirkt sich der Erwerbsumfang bei Frauen und Männern unterschiedlich auf den Umfang ihrer Hausarbeit aus: Bei Frauen variiert die täglich geleistete Hausarbeit stark mit dem Erwerbsumfang, bei den Männern hat er jedoch keinen Einfluss auf den Umfang der Hausarbeitszeiten. Der Vorsprung der Frauen besteht für Teilzeit- wie Vollzeitbeschäftigte:

  • Teilzeitbeschäftigte Frauen leisten täglich rund eineinhalb Stunden mehr Hausarbeit (1,7-mal so viel) als teilzeitbeschäftigte Männer.
  • Vollzeitbeschäftigte Frauen leisten das 1,4-fache an Hausarbeit pro Tag im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Männern. Der geschlechtsbezogene Abstand fällt mit 41 Minuten pro Tag also selbst unter Vollzeitbeschäftigten noch beträchtlich aus.(1)


Neben dem Erwerbsumfang hat auch das Vorhandensein von Kindern einen Einfluss darauf, wie ungleich die Hausarbeit auf Frauen und Männer verteilt ist:

  • Vollzeitbeschäftigte Mütter, die in einem Paarhaushalt mit Kindern leben, erledigen täglich 3:01 Stunden Hausarbeit und damit eine volle Stunde mehr als vollzeitbeschäftigte Väter (2:00 Stunden). Sie leisten damit das 1,5-fache an Hausarbeit.
  • In Teilzeit beschäftigte Mütter – und dies trifft auf die übergroße Mehrheit der Frauen mit Kindern zu – bringen sogar 1:48 Stunden pro Tag mehr für tägliche Hausarbeit auf als vollzeitbeschäftigte Väter. Dies entspricht dem 1,9-fachen an täglicher Hausarbeit.
  • Nur unter Alleinerziehenden übernehmen Mütter und Väter vergleichbar viel Hausarbeit. Bei Vollzeitbeschäftigten beträgt der geschlechtsbezogene Abstand nur 5 Prozent.(2)


Das Qualifikationsniveau der erwerbstätigen Mütter und Väter (mit Kindern unter 18 Jahren) hat wenig Einfluss auf den geschlechtsspezifischen Abstand bei der Hausarbeit.

  • Für Personen mit beruflichem Abschluss beträgt die geschlechtsbezogene Hausarbeitslücke 1:38 Stunden pro Tag. Mütter mit beruflichem Abschluss leisten also täglich das 1,8-fache an Hausarbeit wie vergleichbare Väter.
  • Für Akademiker/innen mit Kind fällt die geschlechtsspezifische Hausarbeitslücke mit fast 1,5 Stunden pro Tag geringfügig kleiner aus. Akademikerinnen leisten das 1,7-fache an Hausarbeit wie Akademiker.


Insgesamt wenden Erwerbstätige mit akademischem Abschluss etwas weniger Zeit für Hausarbeit auf als Erwerbstätige mit beruflichem Abschluss. Dies dürfte daran liegen, dass Akademiker/innen sich häufiger über den Zukauf von haushaltsnahen Dienstleistungen entlasten.

Der Befund einer höheren Belastung der Frauen durch Hausarbeit bestätigt sich für alle einzelnen Einkommensgruppen. Die geschlechtsbezogene Hausarbeitslücke wird mit steigendem individuellem Nettoeinkommen allerdings kleiner: Frauen mit niedrigem Nettoeinkommen (500 bis unter 1.100 Euro) übernehmen das 1,8-fache an Hausarbeit pro Tag im Vergleich zu den Männern dieser Einkommensgruppe. Demgegenüber leisten die Frauen mit höherem Nettoeinkommen (2.300 bis unter 3.600 Euro) ‚nur‘ noch das 1,4-fache an täglicher Hausarbeit. Bei den Frauen nimmt der Umfang der täglichen Hausarbeit mit höherem Einkommen deutlich ab – bei den Männern ist er über alle Einkommensgruppen hinweg fast konstant.

Fazit: Es bestehen deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, aber – je nach Erwerbsumfang – auch zwischen den Frauen: Ein Mehr an Erwerbsarbeitszeit
geht bei Frauen Hand in Hand mit einer leichten Reduzierung der Hausarbeitszeiten.(3) Vor allem in Haushalten mit Kind(ern) leisten Frauen besonders viel Hausarbeit, sodass die geschlechtsbezogene Hausarbeitslücke hier besonders groß ausfällt.


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl


Literatur


Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für Fürsorgearbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

Maier, Lucia (2014): Methodik und Durchführung der Zeitverwendungserhebung 2012/13. In: Wirtschaft und Statistik, November 2014, Wiesbaden.

OECD (2016): Dare to Share. – Deutschlands Weg zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf. Paris: OECD Publishing.

Statistisches Bundesamt (2014): Aktivitätenliste (Stand 16.09.2014).

Statistisches Bundesamt (2016): Zeitverwendungserhebung, ZVE 2012/13. Qualitätsbericht, Wiesbaden.


(1) Diese Befunde stehen im Einklang mit den Ergebnissen einer Studie der OECD für Deutschland: Hausarbeit wird in solchen Paaren ausgewogener verteilt, in denen Frauen umfangreicher am Arbeitsmarkt teilhaben. Allerdings übernehmen die Frauen stets mehr Hausarbeit als die Männer. Dies trifft auch zu, wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, und sogar dann, wenn sie die gleiche Anzahl an Wochenstunden haben (vgl. OECD 2016: 182 f).

(2) Allerdings ist die Aussagekraft der Angaben für die alleinerziehenden Männer aufgrund geringer Fallzahlen deutlicheingeschränkt.

Datentabelle zu den Grafiken




Methodische Anmerkungen

Die Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2012/13 wurde vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Landesämtern durchgeführt. Verteilt über einen Zeitraum von 12 Monaten erfolgte eine schriftliche Befragung von mehr als 5.000 Privathaushalten (am Hauptwohnsitz) und 11.000 Personen (ab 10 Jahren). Für jeweils 3 vorgegebene Tage (2 Wochentage sowie Samstag oder Sonntag) füllten die Teilnehmer/innen dazu ein Tagebuch aus, in welches sie ihre Tätigkeiten im 10-Minuten-Takt eintrugen. Für die einzelnen Tätigkeiten wurde auch angegeben, ob es sich dabei um die Haupttätigkeit oder eine gleichzeitig stattfindende Nebentätigkeit handelt (z. B. Bügeln und nebenbei Radio hören), und welche anderen Personen zugegen waren.(1)

Für die vorliegenden Analysen zur Fürsorgearbeit und Hausarbeit von Frauen und Männer im Erwerbsalter (18 bis 64 Jahre) wurde dabei jeweils der durchschnittliche Zeitumfang für diese Tätigkeitsbereiche ermittelt. Da diese Tätigkeiten oftmals ungleich über die Wochentage verteilt sind – etwa weil sie gehäuft an Wochentagen stattfinden (z. B. Erwerbstätigkeit) oder vorwiegend am Wochenende (Hausarbeit bei Vollzeiterwerbstätigen) – werden die einzelnen Tage (Wochentage und Tage am Wochenende) für die Berechnung der durchschnittlichen Zeitdauer gewichtet. Als Ergebnis erhält man die durchschnittliche Zeitdauer eines Tätigkeitsbereiches pro Tag. Dies ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten, denn dadurch entsprechen die Werte nicht dem gewohnten Zeitverständnis: Beispielsweise kann die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeiterwerbstätigen – obwohl die Wegezeiten als Teil der Arbeitszeit berücksichtigt werden – weniger als 5 Stunden pro Tag betragen. In die Durchschnittswerte gehen auch tatsächliche Abwesenheitszeiten vom Arbeitsplatz wie Urlaubszeiten, Feiertage und krankheitsbedingte Ausfallzeiten ein. Außerdem ist zu beachten, dass die Analysen ausschließlich auf den Angaben zu den Haupttätigkeiten beruhen. Dies kann vor allem im Bereich der Fürsorgearbeit zu einer zeitlichen Untererfassung führen, wenn Phasen der Kinderbetreuung als Nebentätigkeit eingetragen wurden (z. B. Unterhaltung mit dem Kind während der Essensvorbereitung).


(1) Grundlegende Informationen zur Zeitverwendungserhebung 2012/13 bieten: Maier, Lucia (2014): Methodik und Durchführung der Zeitverwendungserhebung 2012/13, in: Wirtschaft und Statistik, November 2014, Wiesbaden; sowie Statistisches Bundesamt (2016): Zeitverwendungserhebung, ZVE 2012/13. Qualitätsbericht, Wiesbaden.

Hausarbeit: Hausarbeit umfasst hier sämtliche Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit der Haushaltsführung stehen, inklusive aller damit verbundenen Wegezeiten. Ausgenommen hiervon sind alle Tätigkeiten, die auf die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen abzielen.(1) Hausarbeit umfasst damit: Zubereitung von Mahlzeiten, Instandhaltung von Haus und Wohnung, Herstellung und Pflege von Textilien, Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege, sämtliche handwerkliche Tätigkeiten, Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen (z. B. Arztbesuch, Behördengänge), sämtliche Vorbereitungen im Haushalt sowie die Organisation des Haushalts selbst.(2)

Nicht berücksichtigt wurden hingegen Hausarbeiten, die für Personen aus anderen Haushalten verrichtet werden, z. B. Fenster putzen im Haushalt der Eltern. Der Grund dafür ist methodischer Natur: Alle Tätigkeiten, die sich auf Personen beziehen, die nicht im Haushalt der Befragten leben, werden in der in der ZVE 2012/13 als „Unterstützung anderer Haushalte“ (Tatigkeitscode: 52) erfasst. Da hierunter auch ehrenamtliche Tätigkeiten fallen können, oder Nachbarschaftshilfe im weitesten Sinne (Beratung der Nachbarn beim Autokauf), wurde diese Kategorie nicht in die Analyse einbezogen. Folglich konnten in den vorliegenden Analysen nur Hausarbeiten erfasst werden, die sich auf den eigenen Haushalt beziehen.


(1) Vgl. dafür: Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für Fürsorgearbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Vgl. Statistisches Bundesamt (2014): Aktivitätenliste (Stand 16.09.2014), S. 6 ff.

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