WSI-Mitteilungen Ausgabe 03/2014

Matthias Knuth, Petra Kaps

Arbeitsmarktreformen und „Beschäftigungswunder“ in Deutschland


Volltext (pdf)

WSI-Mitteilung 3/2014, Seiten 173-181

Zusammenfassung

Kurz nach den Arbeitsmarktreformen der Jahre 2002 bis 2005 setzte eine Trendwende am deutschen Arbeitsmarkt ein. Die zeitliche Koinzidenz legt es nahe, die Reformen als ursächlich für die Trendwende anzusehen und Kritik an ihren negativen Nebenfolgen mit dem Verweis auf ihre angeblichen Beschäftigungswirkungen zurückzuweisen. Tatsächlich jedoch ist die Evidenz für die Wirksamkeit der Reformen eher schwach. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei mäßigem Wirtschaftswachstum ist vor allem auf schrumpfende Arbeitskraftreserven, verlangsamte Produktivitätsentwicklung und die Verteilung des Arbeitsvolumens auf mehr Köpfe zurückzuführen. Aber auch negative Entwicklungen, die mit diesen Reformen in Verbindung gebracht werden, haben sich überwiegend schon vorher vollzogen. Die mit den Reformen und den sie begleitenden Diskursen einhergehenden Einschüchterungseffekte haben jedoch zusammen mit der Verschlechterung betrieblicher Einstiegspositionen bezüglich Lohn und Beschäftigungsstatus einen paradoxen Effekt auf den Arbeitsmarkt insgesamt: Flexibilisierung in Form vergrößerter Dispositionsmacht des einzelnen Arbeitgebers führt zur Verringerung der Allokationsleistung des Arbeitsmarktes.

Abstract

Shortly after the labour market reforms of 2002 to 2005, German labour market trends reversed. This temporal coincidence suggests that it may be reasonable to assume a causal link between the reforms and the trend reversal and to refute criticism of the reforms’ negative incidental consequences by referring to their alleged effects on employment. Actually, however, evidence for the efficacy of the reforms is rather weak. Falling unemployment despite only moderate economic growth must be attributed to the shrinking of the labour force, retarded productivity growth and the volume of work being shared among more individuals. Negative developments attributed to the reforms have, for the larger part, occurred previously. However, the intimidation of workers by the reforms and the discourses associated with their implementation, in conjunction with deteriorating job entry positions with regard to wages and employment status, are exerting a paradoxical effect on the labour market as a whole: Flexibilisation, in the sense of one-sidedly increasing employers’ discretion while reducing workers’ opportunities, leads to a reduction of the allocative capacity of the labour market.

 


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