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Projektbeginn
Flexible Familienernährerinnen
Projekttitel:
Flexible Familienernährerinnen. Prekarität im Lebenszusammenhang von ostdeutschen Frauen?
Im Mittelpunkt der Studie stehen abhängig beschäftigte Frauen in Ostdeutschland, die das Haupteinkommen ihrer Familie beziehen und damit zu "Familienernährerinnen" geworden sind. Familienernährerinnen sind zum einen allein Erziehende, die mit ihrem Einkommen für sich und ihre Kinder sorgen. Zum anderen handelt es sich um Frauen in Partnerschaften, die ein höheres Einkommen als ihre Partner beziehen. Letzteres kann durch eine besser bezahlte Tätigkeit der Frau gegenüber ihrem Partner bedingt sein, oder es kann aus der verunsicherten Erwerbsposition (Arbeitslosigkeit, geringfügige Beschäftigung, Erwerbsunfähigkeit) des Mannes resultieren.

Ziel des Projektes ist erstens, einen Beitrag zur Beantwortung der Frage zu leisten, wie es dazu kommt, dass Frauen zu Familienernährerinnen werden. Wie wirkt sich diese Konstellation auf die Geschlechterarrangements aus? Welche Wandlungsprozesse der Geschlechterverhältnisse werden damit angestoßen oder weitergeführt? Dazu ist die Stellung von Familienernährerinnen innerhalb der Partnerschaften, innerhalb der Betriebe und in der Gesellschaft in den Blick zu nehmen.

Zentrales Anliegen des Projektes ist zweitens, Arbeits- und Lebensbedingungen einer (Teil-)Gruppe von Familienernährerinnen genauer zu analysieren: Frauen, die in Arbeitsverhältnissen arbeiten, die vom Normalarbeitsverhältnis abweichen und die zugleich Fürsorgeaufgaben (Kindererziehung, Pflege) haben. Die qualitative Untersuchung soll auch Aufschluss darüber geben, ob und unter welchen Umständen Prekarität im Lebenszusammenhang von Familienernährerinnen entsteht. Im Rahmen des Projektes wird der Zusammenhang flexibler und prekärer Beschäftigung mit den anderen Bereichen des Lebens beleuchtet. Besonderes Augenmerk gilt den Widersprüchen zwischen Erwerbsarbeit und Fürsorgearbeit.
Dr. Christina Klenner
in Kooperation mit:  SowiTra- Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer, www.sowitra.de
Vorgehen:
Durch eine Analyse der Daten des Sozioökonomischen Panels werden Ausmaß und Bestimmungsfaktoren dieser familiären Konstellationen untersucht. Der qualitative Teil des Projektes analysiert den Lebenszusammenhang, die Handlungsstrategien und Ressourcen von Familienernährerinnen bei der Bewältigung der vielfältigen Anforderungen aus beruflicher und familiärer Sphäre. Befragt werden sollen Familienernährerinnen mit mittleren oder niedrigen Einkommen, die von verschiedenen Formen atypischer Arbeit bzw. Flexibilisierung ihrer Arbeitszeiten betroffen sind. Die Befragung findet in ausgewählten Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland statt.
Veröffentlichungen zum Projekt:
Erosion des Ernährermodells, in: Böckler Impuls 03/2009.

Klenner, Christina/ Klammer, Ute (2009): Weibliche Familienernährerinnen in West- und Ostdeutschland - Wunschmodell oder neue Prekarität? In: Rollenleitbilder und -realitäten in Europa: rechtliche, ökonomische und kulturelle Dimensionen, Forschungsreihe Band 8 des BMFSFJ, Nomos-Verlag, S. 62-84.

Klenner, Christina (2009): Wer ernährt die Familie? Erwerbs- und Einkommenskonstellationen in Ostdeutschland, in: WSI-Mitteilungen Heft 11/2009, S. 619-626.

Klenner, Christina (2009): Die Frau als Familienernährerin, in: DGB Infobrief  "Frau geht vor", Dezember 2009.


08/2007
Projektende:
06/2010
WSI-Eigenprojekt