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07.10.2015

Neue Berechnungen

IMK: Weitere Wachstumsabschwächung in China für deutsche Wirtschaft verkraftbar

Wie stark wäre die deutsche Wirtschaft betroffen, wenn sich die Wachstumsschwäche in China deutlich verschärfen würde? Das hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung im Risikoszenario seiner neuen Konjunkturprognose berechnet. Ergebnis: Eine wirtschaftliche Eintrübung im Reich der Mitte über das bisher prognostizierte Maß hinaus könnte Deutschland in diesem Jahr maximal 0,2 und 2016 maximal 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten. „Der Effekt wäre also unangenehm, aber für die deutsche Wirtschaft insgesamt verkraftbar“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Dass der Wachstumsverlust relativ überschaubar bleibt, erklären die Konjunkturforscher mit der regen Nachfrage nach deutschen Waren aus den USA, Großbritannien und verschiedenen Euroländern. Vor allem aber wirke sich die stabile Inlandsnachfrage positiv aus, die wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrage. „Noch vor wenigen Jahren hätte ein Wachstumseinbruch in China weitaus stärker auf Deutschland durchgeschlagen“, sagt Horn.

In seiner am Montag vorgelegten Konjunkturanalyse prognostiziert das IMK, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 um 1,8 Prozent und 2016 um 2,0 Prozent wächst. Das Risikoszenario halten die Forscher für weitaus weniger wahrscheinlich als diese Hauptprognose, aber angesichts der schwachen Tendenz und der Datenunsicherheit in China für denkbar.

Darin spielen die Konjunkturexperten die weltweiten Folgen einer weiteren deutlichen Wachstumsabschwächung in der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Erde durch. Sie gehen in ihrer Simulation davon aus, dass die chinesische Inlandsnachfrage im Vergleich zur Hauptprognose 2015 um acht Prozent und 2016 um vier Prozent abnimmt. Das würde dazu führen, dass Chinas BIP 2015 um lediglich rund 5,5 Prozent und 2016 um nur noch 4,5 Prozent wächst. Die Simulation mit dem globalen makro-ökonometrischen Modell NiGEM berücksichtigt nicht nur die Auswirkungen, welche die direkten Nachfrageausfälle aus China bei ausgewählten Handelspartnern haben, sondern auch die Folgen durch das schwächere Wachstum in Drittländern.

Am stärksten leiden würde nach der IMK-Simulationsrechnung Japan, dessen Wirtschaftswachstum 2015 um 0,3 Prozentpunkte und 2016 um 0,5 Prozentpunkte geringer ausfiele als in der Hauptprognose. Die deutsche BIP-Entwicklung würde sich auf 1,6 in diesem und 1,7 Prozent im kommenden Jahr verlangsamen. Am wenigsten betroffen wäre die amerikanische Wirtschaft: In diesem Jahr würden die hypothetischen China-Turbulenzen das US-Wachstum gar nicht schmälern, 2016 allenfalls um 0,1 Prozentpunkte.

In einer Variante des Risikoszenarios kalkulieren die Konjunkturforscher, was passieren würde, wenn China auf die verschärfte interne Nachfrageschwäche mit einer Abwertung des Renminbi reagieren würde. Das hätte zwei gegenläufige Effekte: Einerseits würden grundsätzlich Einfuhren verteuert und so die Nachfrage nach ausländischen Gütern und Dienstleistungen reduziert. Andererseits würde eine schwächere Währung Chinas Exporte befördern. Über den positiven Beschäftigungs- und Einkommenseffekt stärkt das wiederum die Inlandsnachfrage, was zu vermehrten Importen führt. Dieser zweite Effekt überwiegt laut IMK. Dementsprechend fielen die globalen Wachstumsverluste bei einer parallelen Abwertung der chinesischen Währung spürbar geringer aus. Das deutsche BIP würde in diesem Fall 2015 um 1,6 und 2016 unverändert um 2,0 Prozent zunehmen.

Weitere Informationen:
Die aktuelle IMK-Konjunkturprognose (pdf)

Kontakt:

Dr. Thomas Theobald
IMK

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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