Zalando

Führungskraft führt SE-Betriebsrat

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert die Wahlen zum SE-Betriebsrat beim Onlinehändler Zalando als Schaulaufen, bei dem sich die Kandidaten auf Englisch vorstellen mussten. Von Gunnar Hinck


Bei Zalando hat sich im September ein SE-Betriebsrat gebildet – nach europäischem Recht für das gesamte Unternehmen, das in Europa inzwischen 7000 Mitarbeiter hat. Der für den Onlinehandel zuständige ver.di-Sekretär Stefan Najda kritisiert die Wahl zum SE-Betriebsrat scharf: „Kritische Kandidaten hatten keine Chance.“ Hintergrund ist das zweistufige Wahlverfahren, bei dem die Beschäftigten erst Delegierte wählten und die dann aus einem Kandidatenkreis die Betriebsratsmitglieder. Najda kritisiert die Vorstellung vor den Delegierten als „Schaulaufen“. Kandidaten mussten wie bei einer Jobbewerbung über ihre Ziele und ihre Stärken und Schwächen sprechen, wie ein Bewerber gegenüber dem „Magazin Mitbestimmung“ berichtete. Gesprochen werden musste auf Englisch, was Najda als weitere Form der Auslese kritisiert, weil es Mitarbeiter diskriminiert, die die Sprache nicht fließend beherrschen – selbst wenn die Belegschaft sehr international ist. Außerdem ist Zalando eine deutsche Firma mit Sitz und Zentrale in Berlin. Im europäischen Ausland werden nur kleine Büros und Verkaufsfilialen unterhalten. 

Die Wahlbeteiligung lag bei 25 Prozent, bei normalen Betriebsratswahlen beteiligen sich im Schnitt 78 Prozent. Von Arbeitnehmerseite wird eingeräumt, dass man die Bedeutung der SE-Betriebsratswahlen nicht richtig eingeschätzt und zu wenig mobilisiert habe. Vorsitzender des sechsköpfigen SE-Betriebsrats ist eine Führungskraft, der 36-jährige Schwede Michael Lindskog, der in Berlin das Skandinaviengeschäft verantwortet. Sein Stellvertreter ist Dustin Köster, Teamleiter im Logistikzentrum in Erfurt. Lindskog sieht die Aufgabe des firmenintern „International Employee Board“ getauften Gremiums darin, die Zukunft des Unternehmens zu sichern und in einen „offenen und konstruktiven Dialog“ mit dem Management zu treten. „Es ist kein deutscher Betriebsrat“, sagt er. In der Tat hat ein SE-Betriebsrat, der den Informationsaustausch zwischen nationalen Standorten gewährleisten soll, lediglich Informations- und Konsultationsrechte. Aber keine Mitbestimmungsrechte. Zalando stand in der Pflicht, einen SE-Betriebsrat zu gründen, weil das Unternehmen die Rechtsform einer Europäischen Aktiengesellschaft, SE, angenommen hat. 

Doch ist ein SE-Betriebsrat „kein Ersatz für einen Betriebsrat nach dem deutschen Mitbestimmungsrecht“, sagt Martin Lemcke, Bereichsleiter Mitbestimmung bei ver.di. Nur wenn es einen nationalen Betriebsrat als „Unterbau“ gebe, könne man den SE-Betriebsrat als wichtige Ergänzung betrachten, so Lemcke. Üblicherweise hat ein SE-Betriebsrat Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats, der aktuelle Aufsichtsrat bei Zalando wurde allerdings noch vor der Konstituierung des Betriebsrats besetzt – auf umstrittene Weise.

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