Bildung

Starke geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahl des Studienfaches

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Frauen beginnen in Deutschland nahezu gleich häufig ein Studium wie Männer. Obwohl die Zahl der Studienanfänger/innen seit 2000 stark gestiegen ist (um mehr als 60 Prozent bei Frauen und Männern) ändert sich am Frauenanteil in den einzelnen Fächergruppen nur wenig. Die Geschlechter wählen immer noch stark unterschiedliche Fächer.

Die meisten Fächergruppen weisen eine stark ausgeprägte Dominanz des einen oder des anderen Geschlechts auf. Daran hat sich zwischen 2000 und 2013 nur wenig geändert: Die Hälfte der Studienanfänger/ innen ist weiblich, dennoch stellen die Frauen nur etwa ein Drittel in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern und weniger als ein Viertel in den Ingenieurwissenschaften. Stark überrepräsentiert sind Frauen hingegen in den Sprach- und Kulturwissenschaften mit fast drei Viertel aller Studienanfänger/innen. Auch in der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften stellen Frauen mit zwei Dritteln die Mehrheit unter den Studienanfänger/innen (tendenziell ansteigend).

Betrachtet man die absoluten Zahlen, dann fällt der starke Anstieg der Studienanfängerinnen zwischen 2000 und 2013 in allen Fächergruppen auf:

  • In den Bereichen Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften sowie den Ingenieurswissenschaften beginnen mehr als doppelt so viele Frauen ein Studium als zwölf Jahre zuvor.
  • Auch in den beiden Fächergruppen mit den meisten Studienanfängerinnen sind die Zahlen seit 2000 stark angewachsen: Im Jahr 2013 beginnen fast 40 Prozent mehr Frauen ein Studium der Sprach- und Kulturwissenschaften als noch 2000. Im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beträgt der Anstieg sogar 70 Prozent.

Bei den Männern haben die Studienanfänger zwischen 2000 und 2013 ebenfalls stark zugenommen:

  • In den Ingenieurwissenschaften verdoppelte sich die Zahl der Studienanfänger.
  • Ebenfalls starke Anstiege der Studienanfänger finden sich bei Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften (75 Prozent), Mathematik und Naturwissenschaften (45 Prozent) und bei den Rechts, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (45 Prozent).

Betrachtet man die Studienanfängerinnen und Studienanfänger jeweils getrennt, werden die Unterschiede bei der Studienwahl noch deutlicher. Für das Jahr 2013 zeigt sich:

  • In den Rechts- Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beginnt mehr als ein Drittel der Frauen ihr Studium, aber auch 29 Prozent der Männer.
  • Ein Viertel der Frauen hat sich für ein sprach- oder kulturwissenschaftliches Fach eingeschrieben, im Vergleich zu nicht einmal jedem elften Mann.
  • Das umgekehrte Bild zeigt sich bei der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften, die von jedem fünften Mann, aber nur von jeder achten Frau gewählt wird.
  • Die größten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Studienwahl finden sich bei den Ingenieurswissenschaften, in denen jeder dritte Mann, aber nur jede zehnte Frau ein Studium aufnimmt.
  • Schließlich spielt das Fachgebiet der Humanmedizin und der Gesundheitswissenschaften bei den Frauen mit sieben Prozent eine größere Rolle als bei den Männern (drei Prozent).

Für die Studienwahl von Frauen und Männer ist damit zu konstatieren: Trotz stark steigender Studierendenzahlen bleibt die Fächerwahl weiterhin stark geschlechtsspezifisch geprägt.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Statistisches Bundesamt (2014): Fachserie 11, Reihe 4.1, Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen, Wintersemester 2013/2014.

Datentabelle zu Grafik 2

 

 


 

Datentabelle zu den Grafiken 1 und 3

 

 

Methodische Anmerkungen

Die vorliegenden Analysen basieren auf Daten der Hochschulstatistik, die in der Fachserie 11, Reihe 4.1 „Bildung und Kultur. Studierende an Hochschulen“ veröffentlicht wurden. Bei diesen Daten handelt es sich um „(...) Verwaltungsdaten der Hochschulen, die für administrative Zwecke erhoben werden. Die Studentenstatistik ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung) auf der Basis der Verwaltungsdaten der Hochschulen.“ (1) Die Erhebung erfolgt jeweils am Anfang des Semesters. Erhebungseinheit sind Studierende, „d.h. in einem Fachstudium eingeschriebene Personen, ohne Beurlaubte, Studienkollegiaten und Gasthörer.“ (2)


(1) Statistisches Bundesamt (2014): Fachserie 11, Reihe 4.1, Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen, Wintersemester 2013/2014, S.5

(2) a. a. O., S.4

Studienanfänger/innen:
„Studienanfänger/innen sind Studierende im ersten Hochschulsemester (Erstimmatrikulierte) oder im ersten Semester eines bestimmten Studienganges.“(1)

In den vorliegenden Tabellen und Abbildungen werden als Studienanfänger/innen nur die Studierenden erfasst, die an einer Hochschule im ersten Hochschulsemester eingeschrieben sind.

Fächergruppen:
Für die Zwecke der bundeseinheitlichen Hochschulstatistik werden jeweils mehrere verwandte Fächer zu Studienbereichen und diese zu Fächergruppen zusammengefasst. Für die vorliegenden Analysen wurden die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesenen neun Fächergruppen teilweise zu größeren Einheiten zusammengefasst. (2)

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften:
Die Fächergruppe der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften umfasst neben den bereits in der Bezeichnung genannten Fächern auch Politikund Verwaltungswissenschaften, Sozialwesen und Regionalwissenschaften.

Sprach- und Kulturwissenschaften:
Die Sprach- und Kulturwissenschaften umfassen neben den sprach- und kulturwissenschaftlichen Fächern auch Theologie (ev. und kath.), Philosophie, Geschichte, Bibliotheks- und Literaturwissenschaften, Psychologie, Sonderpädagogik und Erziehungswissenschaften.

Ingenieurwissenschaften:
Die Ingenieurwissenschaften umfassen die Fächer Bergbau/Hüttenwesen, Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Elektrotechnik und Vermessungstechnik, Architektur, Raumplanung und Bauingenieurswesen sowie Verkehrstechnik.

Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften:
Zur Fächergruppe der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften zählt auch die Zahnmedizin.

Sonstige Fächer:
Die sonstigen Fächer umfassen alle Künste und Kunstwissenschaften, die Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, die Veterinärmedizin, Sport und die Sportwissenschaften. In diese Kategorie fallen auch alle Fächer, die außerhalb der Studienbereichsgliederung (z. B. Studienkolleg) liegen, und schließlich alle Studierenden, für die keine Angaben zur Fachrichtung vorliegen.

 


(1) Vgl. Statistisches Bundesamt (2014): Fachserie 11, Reihe 4.1, Bildung und Kultur, Studierende an Hochschulen Wintersemester 2013/2014, S.11.

(2) a. a. O., S.447-449.

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