Böckler Impuls Ausgabe 14/2014

Mitbestimmung

Von Wahlmüdigkeit keine Spur

Bei den Betriebsratswahlen bleibt die Beteiligung auf hohem Niveau. Die große Mehrheit der Gewählten ist gewerkschaftlich organisiert und erfahren, beim Frauenanteil besteht zum Teil noch Nachholbedarf.

 

 

 

Von März bis Ende Mai 2014 hatten Beschäftigte in zahlreichen Unternehmen Gelegenheit, über die Zusammensetzung ihrer Betriebsräte zu entscheiden. Nach Berechnungen von Ralph Greifenstein, Leo Kißler und Hendrik Lange machten im Schnitt etwa vier Fünftel von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Diese hohe Beteiligung spreche für eine ausgeprägte Verankerung der betrieblichen Interessenvertretungen in den Belegschaften, urteilen die Soziologen von der Universität Marburg. Ihre von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Analyse basiert auf Daten von knapp 15.000 Betrieben aus den Organisationsbereichen von IG Metall, ver.di, IG BCE und NGG.

Stabile Beteiligung: Die durchschnittliche betriebliche Wahlbeteiligung lag 2014 insgesamt bei 79 Prozent. Um Aussagen über Trends ableiten zu können, haben Greifenstein, Kißler und Lange die Zahlen mit Ergebnissen aus dem Jahr 2010 verglichen. Damals lag die Wahlbeteiligung auf vergleichbarem Niveau. Das ausgeprägte Interesse dürfte nach Einschätzung der Wissenschaftler zu einer wirksamen Mitbestimmung beitragen: „Die Wahlbereitschaft der Beschäftigten stärkt in der betrieblichen Verhandlungsarena die betriebliche Schutz- und Gestaltungsfunktion der Betriebsräte auch nach den Betriebsratswahlen 2014.“

Überwiegend Gewerkschafter: Eine tiefgreifende Veränderung im gewerkschaftlichen Organisationsgrad der Betriebsräte zeigten die Wahlergebnisse nicht, so die Forscher. Etwa drei Viertel der Mandate entfielen auf Kandidaten aus DGB-Gewerkschaften. Im Vergleich zu 2010 blieb der Anteil weitgehend gleich.

Frauenanteil stagniert: Auch was die Vertretung von Frauen angeht, scheint es keine gravierenden Veränderungen gegeben zu haben. Der Anteil der Mandatsträgerinnen in den neu gewählten Betriebsräten beträgt der Auswertung zufolge 30 Prozent und ist im Trendvergleich nahezu identisch geblieben. Ähnlich sieht es bei den Vorsitzenden und ihren Stellvertretern aus. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Branchen: Im Dienstleistungsbereich könne mit 46 Prozent Frauenanteil von einer nahezu „paritätischen Genderbesetzung“ gesprochen werden, so die Forscher. Einen grundlegenden Umbruch in der geschlechtsspezifischen Zusammensetzung der Betriebsratsgremien können sie allerdings nicht erkennen. Sie empfehlen daher eine genderorientierte Strategie sowohl bei der Nachwuchsförderung als auch bei der Besetzung von Vorsitzenden-Positionen.

Viel Erfahrung: Eine Mehrheit der 2014 gewählten Betriebsräte hat der Auswertung zufolge mindestens eine Amtszeit hinter sich, im Bereich der IG Metall beispielsweise rund zwei Drittel. Diese personelle Kontinuität spreche für den Professionalisierungsgrad der betrieblichen Mitbestimmungsarbeit, konstatieren die Soziologen. Die Routine der länger amtierenden Betriebsratsmitglieder führe in Verbindung mit ihrer anerkannten Vertretungspolitik augenscheinlich dazu, dass sie mehrfach wiedergewählt werden. Die „Verberuflichung der Betriebsratsarbeit“ habe allerdings auch einen Nachteil: Die Gremien befänden sich in einem Zyklus der Alterung. Um den professionellen Standard nach dem absehbaren Ausscheiden älterer und bewährter Mitglieder nachhaltig zu gewährleisten, gelte es daher, noch mehr junge Beschäftigte für die Betriebsratsarbeit zu gewinnen.

Wählen wird einfacher: Mehr als die Hälfte der Betriebe mit 51 bis 100 Beschäftigten wendet mittlerweile das vereinfachte Wahlverfahren an. Der Anteil betrug 2014 knapp 55 Prozent, 2010 waren es erst 51 Prozent. Auch wo es nicht obligatorisch ist, habe sich das vereinfachte Wahlverfahren im Konsens zwischen Arbeitnehmervertretern und Arbeitgebern also etabliert, so Greifenstein, Kißler und Lange.

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Quellen

Ralph Greifenstein, Leo Kißler, Hendrik Lange: Trendreport Betriebsrätewahlen 2014 (pdf), Zwischenbericht, September 2014


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