Um gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene wissenschaftliche Betreuung der Doktorandinnen und Doktoranden zu gewährleisten, richtet die Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Universitäten Promotionskollegs ein. Ein Teil der Promotionsstipendien wird gezielt an Doktorandinnen und Doktoranden vergeben, die in diese Promotionskollegs aufgenommen werden möchten.
Die Ausbildung der DoktorandInnen ist dringend reformbedürftig. Zu diesem Ergebnis kommen sowohl die wissenschaftlichen Untersuchungen, als auch die Stellungnahmen von Wissenschaftsrat und Hochschulrektorenkonferenz . Die aufgezeigten Defizite entsprechen den Befunden aus der Promotionsförderung der Hans-Böckler-Stiftung:
- Viele DoktorandInnen arbeiten in wissenschaftlicher und sozialer Isolation.
- Dissertationsthemen sind häufig zu spezialisiert und zu wenig in Forschungszusammenhänge eingebunden.
- Es fehlt eine strukturierte Betreuung durch die HochschullehrerInnen.
- Die Vorbereitung auf die spätere konkrete berufliche Praxis ist unzulänglich, da notwendige Schlüsselqualifikationen nicht systematisch vermittelt werden.
- Die Promotionszeiten sind zu lang und verschlechtern die Berufs- und Karrierechancen am Arbeitsmarkt.
- Die deutsche Form der Graduiertenausbildung genügt den internationalen Standards nicht mehr. Dies trägt zur nachlassenden Attraktivität deutscher Hochschulen und somit des Wissenschaftsstandortes Deutschland bei.
Wissenschaftsrat, Hochschulrektorenkonferenz, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und insbesondere das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie haben aus dieser Analyse Empfehlungen abgeleitet, die die Hans-Böckler-Stiftung mit ihrer Initiative für die Einrichtung von Promotionskollegs aufgreift. Promotionskollegs sollen:
- die individuelle Förderung mit den Vorteilen einer Integration in wissenschaftliche Arbeitszusammenhänge verbinden.
- ein Förderprogramm anbieten, das Kooperation, wissenschaftlichen Austausch und auch ein notwendiges Maß an Wettbewerb und gegenseitiger Kontrolle mit dem Ziel zulässt, die Ausbildungsbedingungen zu optimieren und die Bearbeitungszeiten zu reduzieren.
- gezielte Angebote machen, z. B. in Methodenfragen, Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, Einladung von GastdozentInnen oder in speziellen Wissenschaftswerkstätten. Denkbar sind auch internationale Kontakte und Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, die angesichts der Europäisierung und Internationalisierung der Wissenschaftslandschaft und der wissenschaftlichen Politikberatung vonnöten sind.
- eine gemeinsame Betreuung durch die beteiligten WissenschaftlerInnen gewährleisten, um das wissenschaftliche Expertiseangebot zu erweitern.
- den PromovendInnen die Beteiligung an der Lehre und die Teilnahme an wissenschaftlichen Tagungen ermöglichen, Feedback-Chancen eröffnen, die Orientierung in der Scientific Community fördern, soziale und wissenschaftliche Isolation überwinden und Risiken der Promotionsphase minimieren.