Praxisblätter für Betriebsräte und Aufsichtsräte

Produktionsarbeit im Wandel - Industrie 4.0, Smart factory

Die industrielle Fabrikarbeit wandelt sich. Ingenieure und IT-Experten haben dafür das Schlagwort Industrie 4.0 („vierte industrielle Revolution“) geprägt. Danach folgt auf Mechanisierung (Dampfmaschine), Industrialisierung (Fließband) und Automatisierung (Roboter) nun die technologische Vernetzung der Produktion. Mensch, Maschine und Produkt kommunizieren entlang der Wertschöpfungskette in Echtzeit über das Internet miteinander.

Die Vernetzung soll Produktion auf Nachfrage (production on demand) ermöglichen, ohne die Vorteile der Massenproduktion aufzugeben. Das Produkt trägt in einem Speicher die individuellen Wünsche des Kunden mit sich. Der Auftrag soll sich so selbstständig steuern: Er bucht Kapazitäten bei verschiedenen Maschinen, ordert die notwendigen Teile und Rohstoffe und meldet Verzögerungen an den Kunden. Braucht die Maschine zusätzliche Informationen - etwa weil sie mit einem Werkstoff noch nie gearbeitet hat - müssen die entsprechenden Programme nicht umständlich aufgespielt werden. Die Maschine lädt sich die benötigten Daten stattdessen vom Hersteller herunter. Ziel sind eine höhere Effizienz und eine schnellere Reaktionsgeschwindigkeit. Die Hoffnung dabei ist, dass die Smart Factory (intelligente Fabrik) flexibler auf Anforderungen des Marktes reagieren kann. Über die Auswertung der dabei anfallenden Daten ergibt sich stets ein Blick in Echtzeit auf die Auslastung der Fabrik. Der Mensch wird über Schnittstellen - etwa ein Tablet oder ein Smartphone - mit der Technik verbunden und so Teil des Netzwerkes.

Aber ist die Smart Factory Zukunftsmusik oder schon Realität? In einigen Unternehmen wird es bereits konkret. Doch wie viele Jahre oder Jahrzehnte es noch dauert, bis die in den Szenarien skizzierten Datenmengen zwischen Maschinen, Produkten und Produktionsstätten fließen und ob es je soweit kommt, ist umstritten. Unklar ist auch welche Rolle der Mensch in der Fabrik der Zukunft spielen wird. Die „menschenleere Fabrik“ wird nicht zu erwarten sein, so der Konsens unter Experten. Aussagen zu den Folgen für die Beschäftigten in der Industrie gehen jedoch weit auseinander: Wird der Einzelne Dirigent oder Handlanger der autonomen Maschinen?

Chart Grafik Evolution, Siemens AG

Die Rolle der Beschäftigten
Angesichts der zu erwartenden Veränderungen stellt sich die Frage nach der Rolle der Beschäftigten: Wenn künftig Maschinen mit Maschinen kommunizieren, was wird dann Aufgabe der Beschäftigten? Bekommen sie künftig Arbeitsanweisungen von der Technik? Oder übernehmen sie eine vollkommen neue Rolle? Vermutlich wird sich die Arbeitswelt des Fabrikarbeiters grundlegend ändern. Damit werden neue Qualifikationen und Kompetenzen nötig. Fragen der Weiterbildung werden damit dringlicher.
Industrie 4.0 verändert die Arbeitswelt. Gewerkschaftliche Gestaltungsimpulse für „bessere“ Arbeit, Gegenblende, November 2013
Weil wir eine Revolution auf Ansage machen, hinkt die Ausbildung nach, VDI-Nachrichten, 31.1.2014


Datenschutz
Die Smart Factory wird enorme Datenmengen erzeugen. Dabei stellt sich die Frage, wie sich die Systeme vor Angriffen von außen schützen lassen. Aber auch der Hunger der Unternehmen selbst diese Daten zu analysieren und auszuwerten wird enorm sein. Der Börsenwert von Unternehmen wie Google und Facebook spricht dafür, dass Daten das Öl (oder das "Datengold") des 21. Jahrhunderts sind. Damit bieten sich vermutlich auch Möglichkeiten, die Beschäftigten zu kontrollieren und zu überwachen, die sich jetzt noch gar nicht abschätzen lassen. Die Bedeutung des Datenschutzes wird also weiter zunehmen. Laut der WSI-Betriebsrätebefragung geht schon jetzt jedes siebte Unternehmen mit diesen Fragen zu nachlässig um.
Laxer Umgang mit Beschäftigten-Daten, Böckler-Impuls 17/2010
"Datengold": IG-Metall online v. 18.03.14
DGB Dossier: Datenschutz in einer digitalen Welt

Zu Besuch in der digitalen Fabrik
Am Stadtrand von Amberg steht eine der ersten digitalen Fabriken der Welt. Seit 25 Jahren stellen die Beschäftigten im Elektronikwerk von Siemens Waschmaschinen her. Von hier aus gehen diese an Kunden auf der ganzen Welt. Der Betriebsrat ist von Anfang an in die Planung der smart factory involviert gewesen.
Zum Beitrag im Magazin Mitbestimmung

Beim Umgang mit Personaldaten, bei Gesundheitsbelangen, Betriebsänderungen und der Planung technischer Anlagen muss der Betriebsrat laut Betriebsverfassungsgesetz einbezogen werden. Die vierte industrielle Revolution ist damit mitbestimmungspflichtig!

Betriebliche Vereinbarungen
Die Vernetzung im Rahmen von Industrie 4.0 geschieht über Informations- und Kommunikationstechnologien. Betriebsvereinbarungen können sicherstellen, dass die Rechte der Beschäftigten im Arbeits- und Datenschutz gewahrt werden. Zudem können sie negative Folgen abfedern. Auch bieten sie die Möglichkeit, die Leistungs- und Verhaltenskontrolle zu begrenzen, die sich mit der steigenden Datenmenge verschärfen könnte.
Das Archiv Betriebliche Vereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt Betriebsräte bei der Entwicklung von Betriebsvereinbarungen. Regelmäßig werden neue Analysen, Trendbeschreibungen und Gestaltungshilfen zu ausgesuchten Themen betrieblicher Vereinbarungen ausgewertet:
IKT-Rahmenvereinbarung
Mobile Arbeit
Umgang mit psychischen Belastungen und Fehlbeanspruchungen
Betrieblichen Qualifizierungsbedarf ermitteln
Betriebliche Weiterbildung
Zum Archiv Betriebliche Vereinbarungen

Gute Arbeit beim Einsatz von Funketiketten
Auswirkungen und Gestaltungsansätze beim RFID-Einsatz
Eine Handlungshilfe für Betriebsräte der TBS NRW e.V. aus der Reihe: Arbeit, Gesundheit, Umwelt, Technik (2013) 
Broschüre zum Download (pdf)

ver.di-Broschüre: RFID-Basisinformation. Was Betriebsräte über den Einsatz von Funkchips wissen sollten
Mit Funkchips lassen sich Produkte etwa im Handel oder der Logistik schon heute jederzeit orten. Künftig dürfte sich diese Technik auch in der Produktion durchsetzen. Die Werkstücke können dann jederzeit lokalisiert werden und Auskunft darüber geben, in welchem Bearbeitungszustand sie sich gerade befinden. Die Einführung dieser Technik berührt zahlreiche mitbestimmungspflichtige Themen.
Broschüre zum Download (pdf)

Wandel von Produktionsarbeit - "Industrie 4.0"
Hartmut Hirsch-Kreinsen befasst sich in dem Beitrag mit dem Thema "Wandel von Produktionsarbeit" unter den Bedingungen anpassungsintelligenter Produktionssysteme. WSI-Mitteilungen 6/2014, Seiten 421-429
Zum Artikel

Industriearbeit 4.0 – Die Zukunft mitgestalten
Die Broschüre der IG Metall NRW greift Impulse ihrer Fachkonferenz »Industriearbeit 4.0« auf und informiert hinsichtlich Möglichkeiten mitbestimmter Technologiegestaltung. Eine Umfrage bei Betriebsräten zeigt zum Beispiel, dass die Arbeitgeber in ihren Unternehmen bisher kaum über Industrie 4.0 informieren. Neben wichtigen Informationen zur digitalen Qualifizierung und zum Datenschutz gibt es zahlreiche Links und Literaturhinweise zur Arbeit der Zukunft.
Broschüre zum Download (pdf)

IT und Beschäftigung: Wie soll gute Arbeit in der IT-Industrie und bei den IT-Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie künftig aussehen?
Der Arbeitskreis Informations- und Kommunikationstechnologie des IG Metall Bezirks Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit dem Forum Soziale Technikgestaltung des DGB ein Thesenpapier zu den Anforderungen an die Arbeitsbedingungen in dieser Branche verfasst. Die Autoren warnen, dass es unter den Vorzeichen einer völlig neuen Produktionslogik in der Smart Factory nicht zur Aushebelung von Mitbestimmungsrechten nach dem BetrVG kommen darf. Macht z.B. Cloud-Working auch „Cloud-Betriebsräte“ notwendig, die betriebsübergreifend kommunizieren und sich wechselseitig informieren?
Zum ITK Memorandum

Was passiert mit der Fabrikarbeit? Eine Debatte zwischen dem zweiten Vorsitzenden der IG Metall Jörg Hofmann und dem Trumpf-Personalchef Stefan Gryglewski, VDI Nachrichten vom 4. April 2014,
Zum Artikel  (Log in erforderlich)

Industrie 4.0: Die menschenleere Fabrik bleibt eine Illusion
Autonome Fertigungssysteme machen Arbeit nicht überflüssig, sagt der Industriesoziologe Hartmut Hirsch-Kreinsen, Professor an der Universität Dortmund und Autor des folgenden Artikels. Neue Arbeitsplätze erwartet er in der Fabrikplanung, in der Systemauslegung und der laufenden Systemanpassung. Der Forscher warnt vor einer ausschließlich technologischen Sichtweise, mit der die Einführung von Industrie 4.0 scheitern würde.
VDI Nachrichten vom 20.09.2013,
Zum Artikel (Log in erforderlich)

Industrie 4.0 im Aufbruch?
Der aktuelle Report gibt Hinweise darauf, welche  Auswirkungen die digitalisierte Industriearbeit auf die Arbeitsorganisation, die Weiterbildung und die Berufsbilder, die Ressourcen, die Ergonomie, den demografischen Wandel, aber auch auf die strategische Ausrichtung der Betriebsratsarbeit und die Mitbestimmung haben wird. Befragt wurde Betriebsräte und Unternehmensvertreter aus sechs Fallbetrieben.
MBF-Report Nr. 5/2015 (pdf)

Innovations- und Effizienzsprünge in der chemischen Industrie? Wirkungen und Herausforderungen von Industrie 4.0 und Co.
Die VDI Technologiezentrum GmbH Düsseldorf ist in Kooperation mit der IG BCE der Frage nachgegangen: Wie zeigen sich Innovations- und Effizienzsprünge in der chemischen Industrie im Kontext von Industrie 4.0 und Co? Welche Wirkungen und Herausforderungen sind zu erwarten? In der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Kurzexpertise konnten zunächst lediglich erste Erkenntnisse ermittelt werden. Eines jedoch wird schon deutlich: Die chemische Industrie geht bei dieser Thematik ihren eigenen Weg. (2014)
Kurzexpertise zum Download (pdf)

Wandel von Produktionsarbeit – "Industrie 4.0"
Thema des vorliegenden Papiers ist der Wandel von Produktionsarbeit unter den Bedingungen anpassungsintelligenter Produktionssysteme. Aufgegriffen werden damit technologische Entwicklungstendenzen, die auf eine neuartige Form der Produktionsautomatisierung zielen und die in der deutschen ingenieurwissenschaftlichen und innovationspolitischen Debatte seit längerem unter dem prominenten Label "Industrie 4.0" thematisiert werden. Hartmut Hirsch-Kreinsen, Soziologisches Arbeitspapier Nr. 38/2014 TU Dortmund
Arbeitspapier zum Download (pdf)

Das Internet der Dinge - Die Informatisierung der Arbeitswelt und des Alltags
Den hohen wirtschaftlichen Potenzialen und den auch im privaten Umfeld zu erwartenden nützlichen und angenehmen Anwendungen stehen Missbrauchspotenziale entgegen, die ethische und rechtliche Fragen aufwerfen. Diese sollten im Rahmen einer gesellschaftlichen Debatte beleuchtet werden. In der weiteren Begleitung und aktiven Mitgestaltung dieser Technologieentwicklung sehen die Gewerkschaften daher ein wichtiges Handlungsfeld. DGB, IG Metall und ver.di haben im Rahmen der Fachtagung "Das Internet der Dinge - die Informatisierung des Alltags und der Arbeitswelt" (Dezember 2008) die Diskussion über gewerkschaftlich relevante Aspekte und Handlungsoptionen begonnen. Die Ergebnisse dieser Phase sind im Arbeitspapier dokumentiert.
Arbeitspapier zum Download (pdf)

Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0
Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schreibt 2011 das Forschungsprogramm "Industrie 4.0" mit einem Fördervolumen von 400 Millionen Euro aus. Der Arbeitskreis setzt sich aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschungsunion und Verbänden zusammen. Für die IG Metall war Constanze Kurz vom Vorstandsbereich (Ressort "Zukunft der Arbeit") im Autoren-Kernteam. 
Zum Abschlussbericht (pdf)
Interview mit Constanze Kurz

Nachhaltige Wertschöpfungsstrategie
Unternehmensstrategie im Kontext von Industriepolitik und Megatrends. Jürgen Dispan und Heinz Pfäfflin in der Reihe: edition der Hans-Böckler-Stiftung, Bd. 283
Mehr Infos und Bestellmöglichkeit (pdf)

Magazin Mitbestimmung Ausgabe 12/2013: Titelthema Industrie 4.0 - Arbeiten in der Cloud
Plattform Industrie 4.0
Bundesministerium für Bildung und Forschung Zukunftsprojekte: Industrie 4.0
IG Metall: die Gewerkschaft in der ITK
Das Online Angebot der IG Metall für die Informations- und Telekommunikationstechnologie-Branche.
Schwerpunkt der VDI-Nachrichten zum Thema Industrie 4.0 mit zahlreichen Praxisbeispielen
Kostenloser Download der drei VDI Statusreports Industrie 4.0: Wertschöpfungskette; Gegenstände, Entitäten, Komponenten sowie Referenzmodell
Fraunhofer IAO-BLOG – Industrie 4.0
IKT.NRW Cluster Informations- und Kommunikationstechnologien – Mit Innovationen Zukunft gestalten
Technologie-Initiative SmartFactory


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Kontakt

Dr. Norbert Kluge
Tel.: 0211 - 7778 198
Mail an Dr. Norbert Kluge senden

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