Studieren ohne Abitur

Soziale Durchlässigkeit fördern

Trotz beträchtlicher finanzieller Förderung durch die öffentliche Hand blieb der "Dritte Bildungsweg", das Studieren ohne Abitur, bisher im Schatten. Mit dem Projekt "Dritter Bildungsweg" hat die Hans-Böckler-Stiftung nun ein Modellprogramm aufgelegt, das offenkundige Hindernisse beim Übergang vom Beruf ins Studium aufgreift.


Der direkte Weg ins Studium steht auch beruflich Qualifizierten ohne Abitur offen, seit die Kultusministerkonferenz 2009 einen entsprechenden Beschluss fasste. Damit soll nicht nur dem zunehmenden Fachkräftemangel begegnet, sondern auch die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung in Deutschland verbessert werden – so wie es die europäischen Bildungsreformen vorsehen.

In der Praxis ist es mit der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung jedoch noch nicht weit her. Trotz beträchtlicher finanzieller Förderung durch die öffentliche Hand blieb der "Dritte Bildungsweg", das Studieren ohne Abitur, bisher im Schatten. Unter den Studienanfänger/-innen 2012 waren bundesweit nur 2,5 Prozent, die kein Abitur vorweisen konnten. Mehr noch: die Zahl der Studienabsolventen ohne Abitur verharrte zwischen 2007 und 2010 unter 1 Prozent (2007: 0,66 Prozent, 2010: 0,79 Prozent).

Mit dem Projekt „Dritter Bildungsweg“ hat die Hans-Böckler-Stiftung nun ein Modellprogramm aufgelegt, das offenkundige Hindernisse beim Übergang vom Beruf ins Studium aufgreift:

  • Die Hochschulen kämpfen aktuell mit der vorübergehend dramatisch ansteigenden Zahl der Studienanfängern und knappen Mittel: Sie sind weder willens noch in der Lage, den besonderen Bedürfnissen beruflich erfahrener Studienanfänger zu entsprechen.
  • Insbesondere die Universitäten haben Probleme mit einer umfangreicheren Integration von Angeboten für das "Lebenslange Lernen" ins eigene Studiensystem.
  • Die in der beruflichen Bildung Qualifizierten schrecken vor einem Studium zurück, weil sie ohne Vorbereitung in eine fremde akademische Lernwelt kämen. Es fehlen individuelle Beratung und strukturierte Studieneingangskurse.
  • Nur durch den Ausbau eines attraktiven Stipendienprogramms können mehr Studierende für den "Dritten Bildungsweg" gewonnen werden. Derzeit bietet aber keine Stiftung in der Bundesrepublik ein spezifisches Stipendienprogramm für berufserfahrene Studierende an. Auch unter den Stipendienprogrammen der Länder, Unternehmen und Wirtschaftsverbände ist nichts dergleichen zu finden.

Zentrale Aufgabe unseres über fünf Jahre angelegten Modellprojekts ist darum folgendes:

  • leicht zugängliche Informationen zum Studium ohne Abitur anbieten,
  • die Entscheidung für ein Studium zu unterstützen,
  • einen erfolgreichen Studienstart gewährleisten sowie
  • die Studierenden des Dritten Bildungsweges zu einem erfolgreichen Studienabschluss führen.

Das Modellprojekt führen wir in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Ingenieurwissenschaften und der Fachhochschule Niederrhein, Fachbereich Gesundheitswesen durch. Entsprechend ist es auf die ingenieurwissenschaftlichen und gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge fokussiert. Gefördert werden ausschließlich Bachelor-Abschlüsse im Vollzeitstudium.

Praktisch und beispielhaft werden wir erkunden, wie neue Brücken vom Beruf ins Studium aussehen müssen, um das Studieren ohne Abitur zu erleichtern und die soziale Durchlässigkeit an den Hochschulen voranzutreiben.


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