Hans Böckler Stiftung
Home
Die Stiftung
Veranstaltungen
Veröffentlichungen
Projekte
Themen
Forschungsförderung
Mitbestimmungsförderung
Studienförderung
WSI
WSI-Tarifarchiv
IMK
Presse
Pressemitteilungen
Fotos & Grafiken
Experten der Stiftung
Pressekontakt
Links
English


Profisuche | Sitemap


Kontakt
Newsletter | RSS
Druckansicht
Bestellliste ansehen
Archiv Pressemitteilungen
2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | 2000 | 1999 | 1998 | 1997 | 1996 |
29.11.2006
Neuer Verteilungsbericht des WSI
Lohnkaufkraft in Deutschland auf historischem Tiefstand
Die Schere zwischen den Gewinneinkommen einerseits und den Arbeitseinkommen andererseits öffnet sich weiter. Der langjährige Rückgang beim Kaufkraftpotenzial der Arbeitnehmer setzt sich fort. Die Nettolohnquote, der Anteil der Arbeitseinkommen am verfügbaren Einkommen aller privaten Haushalte, hat in 2005 mit 41,2 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht; 2006 könnte sie sogar unter 40 Prozent sinken. Parallel wächst der Anteil der Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen, die überwiegend einer relativ kleinen Personengruppe zufließen. Sie machten 2005 knapp ein Drittel des verfügbaren Einkommens aller Privathaushalte aus. Das zeigt der neue WSI-Verteilungsbericht, der in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen erscheint.

"Angesichts der schwachen Entwicklung bei den Masseneinkommen kann eine nachhaltige Belebung von Wachstum und Arbeitsmarkt durch den Schlüsselfaktor Binnennachfrage nicht gelingen", analysiert der WSI-Verteilungsexperte Dr. Claus Schäfer. Das vergrößere die Risiken für die Konjunkturentwicklung. Zentrale Vorhaben der Bundesregierung wie Mehrwertsteuererhöhung, Unternehmensteuersenkung oder die Gesundheitsreform verstärkten die Ungleichheit und die Wachstumsbelastung weiter.

"Die Politik der Bundesregierung schmälert vor allem niedrige Einkommen erneut", sagt der Wissenschaftler. Das widerspreche dem selbst gesteckten Ziel, Armut wirksam zu bekämpfen und auch Kindern aus benachteiligten Familien bessere Bildungschancen zu eröffnen. Der Experte erwartet, dass vielmehr die ohnehin schon hohe Armutsquote weiter steigen werde. Von Armut seien - einschließlich der zunehmenden Überschuldung von Privathaushalten - bereits jetzt über 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. "Mit wachsender Armut aber sinken auch die materiellen und psychosozialen Möglichkeiten der Betroffenen, Bildungs- und Qualifizierungschancen zu ergreifen", so Schäfer.

Die Eckpunkte der aktuellen Verteilungsentwicklung:

  • Die Netto-Lohnquote ist drastisch von 48,1 Prozent des privat verfügbaren Volkseinkommens im Jahr 1991 auf 41,2  Prozent 2005 gesunken. Wie stark die Arbeitseinkommen seit langem zurückfallen, zeigt der Vergleich über mehrere  Jahrzehnte: 1960 betrug die Netto-Lohnquote noch 55,8 Prozent.
  • Wesentliche Gründe für diesen Rückgang sind nach der WSI-Analyse die hohe Arbeitslosigkeit, ein wachsender  Niedriglohnsektor und dauerhaft geringe Lohnzuwächse.
  • Aber auch die öffentliche Steuer- und Abgabenpolitik tragen dazu bei. Das zeigt etwa die durchschnittliche  Lohnsteuerbelastung der Arbeitseinkommen. Sie stieg von 6,3 Prozent 1960 auf 19,5 Prozent 1998. Die rot-grüne Reform  der Einkommensteuer reduzierte die Belastung bis 2005 wieder auf 17,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2006 jedoch  "scheint der Reformeffekt schon wieder abzuklingen", so WSI-Fachmann Schäfer; die Quote stieg auf 18 Prozent. Schon  vorher hatten steigende Sozialversicherungsbeiträge die steuerliche Entlastung teilweise aufgezehrt. Die  durchschnittliche Belastung der Arbeitseinkommen mit Beiträgen stieg von 9,4 Prozent im Jahr 1960 auf 14,3 Prozent  1991 und 16,7 Prozent 2005.
  • Der Anteil von Gewinn- und Vermögenseinkommen am gesamten privat verfügbaren Volkseinkommen ist 2005 gegenüber dem  Vorjahr von 31,2 auf 32,6 Prozent gewachsen. Hauptgrund: gestiegene Unternehmensgewinne. So nahmen die Gewinne der  Kapitalgesellschaften noch einmal um 11,5 Prozent zu - nach 15,1 Prozent im Jahr 2004.
  • Im Vergleich zur Steuer- und Beitragsbelastung der Arbeitseinkommen ist die durchschnittliche Belastung der Einkommen  aus Unternehmertätigkeit und Vermögen mit direkten Steuern niedrig. 1960 betrug die Belastung 20 Prozent, 1991 waren  es noch 8,1 Prozent. Bis 1997 sank die Steuerbelastung sogar auf einen Tiefststand von 3,4 Prozent. Unter der rot- grünen Regierung stieg dieser Anteil letztlich wieder bis 2005 auf sechs Prozent. "Damit lag sie aber weiter auf sehr  niedrigem Niveau", so Schäfer. "Selbst die erhebliche Gewinnzunahme der Unternehmen 2005, insbesondere der  Kapitalgesellschaften, scheint auf der privaten Ebene beziehungsweise bei den persönlichen (Anteils-) Eignern der  Unternehmen nicht sonderlich auf deren steuerliche Belastung durchzuschlagen."

Kontakt:

Dr. Claus-Schaefer@boeckler.de   Persönliches Fenster

Rainer-Jung@boeckler.de   Persönliches Fenster


Weitere Informationen:
Claus Schäfer, Unverdrossene "Lebenslügen-Politik" - Zur Entwicklung der Einkommensverteilung, in: WSI-Mitteilungen 11/2006; Download (pdf)
Infografiken zum Download im Böckler Impuls 19/2006 (pdf)
Wissenschaftliche Befunde zu den Themen soziale Grundsicherung, Hartz IV und Armut
Forschungsergebnisse zu den Themen Niedriglohn, Kombilohn, Mindestlohn



 

RSS-Feed
 
Pressemitteilungen als RSS abonnieren
Basiswissen Mitbestimmung
Mitbestimmung in Deutschland
Mitbestimmung in Europa
Arbeitnehmerrechte in 27 europäischen Ländern - eine Übersicht
Grafiken
Alle Grafiken aus Böckler Impuls als Downloads
Unsere Zeitschriften aktuell
 
Ausgabe 02/2010
 
Kräftemessen. Die soziale Bändigung des Marktes
 
Herausforderungen für die Wirtschafts- politik 2010
 
Der Infodienst rund um Arbeit, Wirtschaft und Soziales
Demokratie aus Kohle und Stahl: Hans-Böckler im O-Ton hören