Lange Arbeitszeiten sind kein Garant für niedrige Arbeitslosenzahlen - kurze Arbeitszeiten stehen einem hohen Beschäftigungsniveau nicht im Wege. Darauf hat Dr. Hartmut Seifert, Arbeitsmarktexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, am Montag hingewiesen. "Internationale Vergleiche zeigen, dass beschäftigungspolitisch erfolgreiche Länder die kürzesten tatsächlichen Arbeitszeiten haben. Nirgendwo in Europa arbeiten die Beschäftigten so kurz wie in den Niederlanden. Dort lag die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit aller Arbeitnehmer einschließlich Überstunden einerseits und Teilzeitarbeit andererseits im Jahre 2002 bei nur 29,5 Stunden gegenüber 35,5 Stunden im Durchschnitt der 15 EU-Länder," erklärte der Wissenschaftler. Gleichzeitig wies in den Niederlanden die Arbeitslosenquote mit 3,2 Prozent nach Luxemburg (2,4 Prozent) den niedrigsten Wert unter den EU-Ländern auf, deren Durchschnittswert bei 8,0 Prozent lag. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Dänemark. Hier arbeiten die Beschäftigten mit 33,7 Stunden pro Woche durchschnittlich wesentlich kürzer als in den übrigen europäischen Ländern. Zugleich zeigt sich der Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 4,7% in einer deutlich besseren Verfassung als im europäischen Durchschnitt.
Hartmut Seifert: "Umgekehrt schützen lange Arbeitszeiten nicht vor hoher Arbeitslosigkeit. So arbeiten die Beschäftigten in Griechenland mit durchschnittlich 39,4 Stunden zwar vergleichsweise lange, mit 10,1 Prozent gehört die griechische Arbeitslosenquote aber zu den höchsten in Europa." In Deutschland bewegen sich beide Größen, Arbeitszeit und Arbeitslosenquote mit 36,1 Stunden bzw. mit 8,2 Prozent nahe an den entsprechenden europäischen Durchschnittswerten.
"Die Dauer der Arbeitszeit lässt also keine zwingenden Schlussfolgerungen über die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu," erklärte Seifert. Für den Zusammenhang von Arbeitszeit und Arbeitskosten seien vielmehr drei Aspekte bedeutsam: "Erstens sind kürzere Arbeitszeiten von den Beschäftigten stets mit einem Verzicht auf ansonsten möglich höhere Einkommen bezahlt worden. Wird der Produktivitätsfortschritt für Arbeitszeitverkürzungen genutzt, wächst der Zeitwohlstand an Stelle des Geldwohlstands. Zweitens ist es wichtig, ob Arbeitszeiten flexibel verteilt werden können. Hierfür bieten kurze Arbeitszeiten größeren Spielraum. Und drittens führen verringerte Arbeitszeiten in aller Regel zu höherer Arbeitsproduktivität."
Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit für beschäftigte Arbeitnehmer 2002
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|
Stunden |
|
NL |
29,5 |
|
DK |
33,7 |
|
IT |
33,8 |
|
SE |
34,0 |
|
BE |
34,3 |
|
FI |
35,3 |
|
EU 15 |
35,5 |
|
IE |
35,5 |
|
UK |
35,5 |
|
DE |
36,1 |
|
FR* |
36,6 |
|
AT |
36,7 |
|
ES |
37,1 |
|
LU |
37,6 |
|
PT |
38,0 |
|
GR |
39,4 |
*Angaben für 2001.
Quelle: Eurostat 2003.
Kontakt: Hartmut-Seifert@boeckler.de Hartmut Seifert