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15.12.2014

Neue Prognose

IMK: Konjunktur nimmt langsam Fahrt auf

Die Konjunktur in Deutschland belebt sich wieder. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legt 2014 um 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. Im kommenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft um durchschnittlich 1,6 Prozent wachsen. Die Beschäftigung entwickelt sich in beiden Jahren positiv, die Arbeitslosigkeit wird sinken. Gestützt auf die positive Arbeitsmarktentwicklung und auf steigende Löhne wird die Binnennachfrage tragende Säule der Wirtschaftsentwicklung bleiben. Zusätzlich verbessert sich im kommenden Jahr das Klima im Außenhandel, weil in den USA, den Schwellenländern (außer Russland) und auch innerhalb Europas die Nachfrage nach deutschen Waren zunehmen wird. Der niedrigere Ölpreis und der relativ schwache Eurokurs stützen die deutschen Exporte zusätzlich. In diesem Umfeld dürften auch die Unternehmen wieder mehr investieren, nachdem sie sich 2014 weitgehend zurückgehalten haben. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Das IMK stellt sie heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vor.

„2014 war konjunkturell ein Jahr der großen Gefühle. Wir haben fast alles gesehen: Euphorie im Frühjahr, dann eine drastische Eintrübung und im Herbst sogar Rezessionsängste“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. Unter dem Strich habe sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen Umfeld gut behauptet, so Horn. „Vor allem, weil eine stabile Konsumnachfrage die Abschwächung bei Exporten und Investitionen abfangen konnte. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die Konjunktur auf zwei Beinen steht. Das zweite, die private Nachfrage der Konsumenten, sollte noch weiter gestärkt werden. Dieser Prozess geht voran, wenn es im kommenden Jahr zu spürbaren Lohnerhöhungen kommt und zusätzlich der allgemeine gesetzliche Mindestlohn eingeführt wird.“ Die Düsseldorfer Konjunkturexperten rechnen damit, dass durch die neue Untergrenze die Bruttolohn- und Gehaltssumme in 2015 und den Folgejahren um insgesamt rund ein Prozent wachsen wird. „Auch deshalb sind wir recht optimistisch: Der Trend geht nach oben“, erklärt Horn.

Gegenüber ihrer Voraussage vom Oktober behalten die Konjunkturforscher die Wachstumserwartung für 2014 bei. Für 2015 reduzieren sie ihre Prognose leicht von 1,9 auf 1,6 Prozent im Jahresmittel. Das hat aber nichts mit einer echten Abschwächung zu tun. Wesentlicher Grund dafür ist die relativ schwache Konjunkturentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Sie führt zu einem so genannten „statistischen Unterhang“, der rechnerisch auf das durchschnittliche BIP-Wachstum im nächsten Jahr drückt. Die Wachstumsrate im Jahresverlauf, die in erster Linie die konjunkturelle Dynamik des Jahres 2015 widerspiegelt, liegt daher auch spürbar höher: Bei 2,1 Prozent, nach 0,9 Prozent in diesem Jahr. Das IMK rechnet in seiner Prognose damit, dass sich die weltwirtschaftliche Entwicklung beschleunigt und es auch in den Krisenländern des Euroraums zu einer Belebung kommt. Hier sehen die Forscher allerdings auch die größten Risiken für die skizzierte Aufwärtsentwicklung: Sollten innerhalb der Währungsunion die deflationären Tendenzen zunehmen, könnte das zu einem „abermaligen gravierenden Vertrauensverlust führen“.

Kerndaten der Prognose für Deutschland:

Arbeitsmarkt
Das Wirtschaftswachstum lässt die Beschäftigung weiter steigen und die Arbeitslosigkeit sinken, und zwar nach der neuen Prognose noch etwas stärker als im Oktober angenommen. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nimmt 2014 um rund 370.000 Personen oder 0,9 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. 2015 steigt sie um weitere 280.000 (0,7 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen nimmt im Jahresdurchschnitt 2014 um etwa 51.000 auf rund 2,9 Millionen Menschen ab. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent. 2015 wird die Zahl der Menschen ohne Job erneut um 64.000 im Jahresdurchschnitt zurückgehen. Die Quote liegt dann bei 6,5 Prozent.

Außenhandel
Die internationale Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen verstärkt sich wieder, besonders gefragt sind Investitionsgüter. Davon profitiert insbesondere 2015 der deutsche Export: 2014 wächst die Ausfuhr um durchschnittlich 3,7 Prozent, 2015 um 7,2 Prozent. Die Importe legen infolge der stärkeren Binnennachfrage 2014 um 4 Prozent im Jahresmittel zu, 2015 um 8 Prozent. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss bleibt aber nach wie vor sehr groß.

Private Investitionen
Die verhaltene Entwicklung im Euroraum hat die Investitionsbereitschaft der Unternehmen 2014 stark gebremst. Zum Jahresende wird die Zurückhaltung immerhin langsam nachlassen: 2014 wachsen die Ausrüstungsinvestitionen um 3,6 Prozent. 2015 legen sie um 4,4 Prozent zu.

Einkommen und Konsum
Die real verfügbaren Einkommen steigen 2014 um durchschnittlich 1,2 Prozent, die realen privaten Konsumausgaben nehmen um 1 Prozent zu. 2015 werden die real verfügbaren Einkommen um 2 Prozent und die privaten Konsumausgaben um 1,8 Prozent wachsen.

Inflation und öffentliche Finanzen
Die allgemeine Preisentwicklung in Deutschland ist sehr moderat. Im Jahresdurchschnitt 2014 und 2015 liegt die Teuerungsrate laut IMK bei lediglich 0,9 und 1,2 Prozent. Das ist jeweils ein halber Prozentpunkt mehr als im Durchschnitt des Euroraums, „aber dennoch sehr deutlich unter dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank“, warnen die Wissenschaftler.

Von der wirtschaftlichen Entwicklung profitiert auch die öffentliche Hand. Das Staatsbudget wird 2014 einen Überschuss von 15,7 Milliarden Euro ausweisen, das entspricht 0,5 Prozent des BIP. Für 2015 prognostiziert das IMK einen Überschuss von 12 Milliarden Euro bzw. 0,4 Prozent. Die staatliche Schuldenstandsquote wird laut IMK auf rund 70 Prozent des BIP sinken.

Weitere Informationen:

IMK Arbeitskreis Konjunktur: Konjunktur nimmt nur langsam Fahrt auf. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2014/2015 (pdf). IMK Report Nr. 101, Dezember 2014.

Videostatement von IMK-Konjunkturforscher Peter Hohlfeld zur Prognose

Kontakt:

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Peter Hohlfeld
IMK, Experte für Konjunkturprognosen

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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