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28.11.2012

Neue Eropa-Studie von IMK, OFCE und ECLM

Austeritätskurs hält Euroraum 2012 und 2013 in der Rezession

Der Euroraum wird in diesem und im kommenden Jahr in einer hartnäckigen Rezession verharren, weil der drastische Sparkurs in fast allen Euro-Ländern die Wirtschaftsentwicklung schädigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2012 im Durchschnitt der Währungsunion um 0,4 Prozent zurückgehen und 2013 um 0,3 Prozent sinken. Am stärksten geht das BIP in den Euro-Krisenländern zurück. In ihnen schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr um Werte zwischen 6,2 Prozent (Griechenland) und 0,4 Prozent (Irland). 2013 reicht die Spannweite der BIP-Rückgänge von 3,7 Prozent in Griechenland und 0,4 Prozent in Irland (siehe Tabellen in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Doch auch in den Niederlanden (-0,9/-0,4) und Belgien (-0,2/-0,2) schrumpft die Wirtschaft in beiden Jahren. In Italien ist der BIP-Rückgang mit 2,1 und 1,5 Prozent sogar deutlich größer als in Spanien. Die beiden größten Euro-Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich wachsen zwar, doch so schwach, dass davon nur wenig Impulse für den Euroraum ausgehen. Zu diesem Ergebnis kommen das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, das Observatoire Francais des Conjonctures Economiques (OFCE, Paris) und der Economic Council of the Labour Movement (ECLM, Kopenhagen) in einer neuen Studie.

Die drei Forschungsinstitute führen die fortgesetzte Wirtschaftskrise wesentlich auf den in fast allen Euroländern gleichzeitig eingeschlagenen Austeritätskurs zurück. So werde in diesem Jahr die restriktive Fiskalpolitik in allen Staaten der Währungsunion das Wachstum bremsen. Im Durchschnitt des Euroraums beträgt der negative fiskalische Impuls in diesem Jahr -1,7 Prozent und 2013 erneut -1,4 Prozent, zeigen die Forscher. Sie verweisen auf neue Untersuchungen von Experten des Internationalen Währungsfonds, die belegen, dass derartige Sparversuche in einer wirtschaftlichen Krisensituation weitaus gravierender auf die Konjunktur wirken als bislang angenommen. „Die Austerität hat eindeutig selbstzerstörerisch gewirkt“, schreiben IMK, OFCE und ECLM in ihrem ersten „Independent Annual Growth Survey“. Die Untersuchung im Auftrag der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament wurde heute in Brüssel vorgestellt, am selben Tag wie das „Annual Growth Survey“ der EU-Kommission.

Die Institute rechnen damit, dass die Arbeitslosenquote im Durchschnitt des Euroraums 2012 bei 11,3 Prozent liegen wird und sich 2013 auf 12,1 Prozent erhöht. Gegenüber dem 1. Quartal 2008, also unmittelbar vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise, ist die Arbeitslosigkeit bis zum 2. Quartal 2012 um knapp vier Prozentpunkte angestiegen. Allein die hohen Folgekosten der Arbeitslosigkeit machten es für die Euro-Staaten fast unmöglich, ihre Konsolidierungsziele zu erreichen, so die Wissenschaftler. Eine Verschärfung des Austeritätskurses würde die Probleme noch weiter zuspitzen. Vielmehr sei es unbedingt notwendig, die wirtschaftliche Entwicklung wieder zu stimulieren, um zu verhindern, dass sich die hohe Arbeitslosigkeit in Europa verfestige. Ergänzend empfehlen die Forscher Qualifizierungsinitiativen und eine aktive Arbeitsmarktpolitik.

Weitere Informationen:

OFCE, ECLM, IMK: Independent Annual Growth Survey (pdf). First Report, November 2012

Die Pressemitteilung mit Tabellen (pdf)

Kontakt:

Prof. Dr. Gustav Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Andrew Watt
Leiter IMK

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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