Vorwerk: Heimspiel für Reiner Hoffmann

Die Veranstaltungsreihe „Böckler vor Ort“ hat den DGB-Vositzenden in seine Geburtsstadt Wuppertal geführt. Reiner Hoffmann machte sich ein Bild von der Mitbestimmung beim Elektrogeräte-Hersteller Vorwerk.
Von Andreas Schulte


Beim Blick aus dem Fenster offenbarte Reiner Hoffmann einen überraschenden Kennerblick. Die Wupper führe heute ungewöhnlich viel Wasser, bemerkte der DGB-Vorsitzende im kleinen Kreis. Die scharfe Beobachtung und spezielle Kenntnis mögen ein Hinweis auf die Heimatverbundenheit des DGB-Vorsitzenden sein. Hoffmann ist in Wuppertal geboren und aufgewachsen. Mit der Veranstaltung „Böckler vor Ort“ kehrte er am vergangenen Freitag für ein paar Stunden an diesen Ort im bergischen Land zurück. Das Ziel: der mittelständische Elektrogeräte-Hersteller Vorwerk, durch dessen Firmengelände die Wupper fließt, und der bekannt ist für seine Produkte wie den Thermomix oder den Staubsauger Kobold, aber auch für seine vorbildliche Mitbestimmung.

Die jedenfalls lobte Reiner Hoffmann bei der Zusammenkunft mit der Geschäftsleitung, einigen Betriebsräten und der Presse: Vorwerk zeige sich als verantwortungsbewusster Arbeitgeber, weil es als Familienunternehmen nicht so sehr kapitalgetrieben ist wie eine Aktiengesellschaft. „Da ist ein Riesenunterschied zu anderen Firmen.“

Tatsächlich produziert Vorwerk zu weiten Teilen in Wuppertal statt in Fernost. Die Leiharbeiterquote ist verschwindend gering, das Unternehmen investiert dreistellige Millionenbeträge in den Standort und das Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat beschrieben beide Seiten als vertrauensvoll. „Auch wenn natürlich nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen sein kann“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Ralf Hüttemann.

Kein Wunder also, dass ausgerechnet Vorwerk von der Initiative Böckler vor Ort als dritter Besuchsort der Reihe ausgewählt worden war. „Mit ihr wollen wir offensiv für die Mitbestimmung werben“, sagte Hoffmann. Die Mitbestimmung müsse sich so schnell wandeln wie die von der Digitalisierung getriebene Industrie selbst. „Deshalb fordern wir mehr Rechte für unsere Betriebsräte.“

In seiner eigenen Küche allerdings lahmt die Industrialisierung noch. Vorwerks Verkaufsschlager, die Hightech-Küchenmaschine Thermomix, kannte Hoffmann bis zu diesem Tag noch nicht.


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Vorwerk – eine Besonderheit für die Mitbestimmung

Einen Betriebsrat gibt es bei Vorwerk schon seit 70 Jahren. Betriebliche Mitbestimmung gehört demnach genauso zur Tradition des Unternehmens wie die besondere Verkaufsform des Direktvertriebs und die guten Beziehungen zwischen Belegschaft, Betriebsrat und der Inhaberfamilie. Vorwerk & Co. KG, gegründet 1883 in Wuppertal, ist seitdem ununterbrochen in Familienhand.

Heute ist das Unternehmen modern und global aufgestellt, unter anderem mit seinen bekannten Markenprodukten Kobold, dem Staubsauger, und Thermomix, der Küchenmaschine. Weiterhin verkauft das Unternehmen Werkzeuge der Marke Twercs und Kosmetika von JAFRA. 2014 lag der Konzernumsatz bei 2,8 Milliarden Euro.

Im Hauptwerk in Wuppertal arbeiten derzeit rund 1130 Beschäftigte und 10 Leiharbeiter. Dort werden Motoren für den weltweiten Bedarf hergestellt. Weiterhin befindet sich dort die Produktion des Kobold-Staubsaugers und der Elektroteppichbürste, sowie von weiteren Zusatzgeräten. Auch der Thermomix wird in Wuppertal im Stammwerk gefertigt. Etwa 1500 Thermomix-Geräte verlassen jeden Tag das Hauptwerk in Wuppertal. Die Fertigungstiefe beträgt 40%.

Mehr dazu in der Datenkarte Bergisches Städtedreieck 2015

 

 


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